Fragiler Optimismus an den KapitalmärktenBafin warnt vor Rückschlägen an den Märkten – Aufsicht mahnt zu vorsichtigem Optimismus

Veröffentlichung: 02.09.2025, 11:09 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sieht angesichts hoher Bewertungen und zunehmender geopolitischer Unsicherheiten wachsende Risiken für die Finanzmarktstabilität. Im Gespräch mit dem Handelsblatt verwies Bafin-Präsident Mark Branson auf die Anfälligkeit der Märkte für politische Schocks.

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Mark Branson, President of BaFinMark Branson, President of BaFinBaFin/Matthias Sandmann

Die Kursverluste im April nach US-Zollankündigungen seien ein warnendes Beispiel. „Es kann jederzeit wieder zu Rückschlägen wie im April kommen“, erklärte Branson.
Aus Sicht der Aufseher verlassen sich viele Investoren zu sehr auf ein anhaltend günstiges Szenario. Die Risikobereitschaft am Markt sei hoch, obwohl die geopolitische Lage, der Zustand des Immobilienmarktes und die Unsicherheit im Welthandel weiterhin erhebliches Störpotenzial bergen. Eine abrupte Korrektur der Marktstimmung könnte spürbare Konsequenzen für die Stabilität nach sich ziehen.

Konsolidierung im Bankensektor: Keine Wachstumsobsession

In der Debatte um mögliche Zusammenschlüsse im europäischen Bankensektor plädiert die Bafin für Augenmaß. Zwar könne eine stärkere Konsolidierung Effizienzvorteile bringen, doch warnt die Aufsicht davor, Größe als alleinigen Erfolgsfaktor zu betrachten. Für Branson ist klar: Wettbewerb, Kundeninteresse und Risikoverteilung müssen im Vordergrund stehen – nicht das Streben nach paneuropäischen Großbanken.

Gewinne steigen – aber strukturelle Risiken bleiben

Trotz dieser mahnenden Töne erkennt die Bafin auch positive Entwicklungen. Die Normalisierung des Zinsniveaus habe die Profitabilität vieler Institute deutlich verbessert. So erzielten Deutsche Bank und Commerzbank im ersten Halbjahr kräftige Gewinnzuwächse und erreichten zeitweise Höchststände bei der Marktbewertung.
Doch dieser Aufschwung könnte bereits seinen Zenit überschritten haben: Die jüngsten Zinssenkungen sprechen für ein nachlassendes Momentum im klassischen Kreditgeschäft. Der Rückenwind aus dem Zinsgeschäft schwächt sich ab – zugleich bestehen strukturelle Risiken wie der angespannte Gewerbeimmobilienmarkt fort.

Konjunkturimpulse als Lichtblick

Die geplanten Investitions- und Ausgabenprogramme der Bundesregierung könnten jedoch neue Impulse setzen. Eine Belebung der Wirtschaft würde die Kreditnachfrage ankurbeln und die Ausfallquoten senken. In der Summe ergibt sich aus Sicht der Bafin ein gemischtes Bild: Optimismus ist gerechtfertigt – sofern er mit einer realistischen Risikoeinschätzung einhergeht.

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