Provinzial soll Risikoträger für Getsafe werden – Kartellverfahren läuft

Veröffentlichung: 29.07.2025, 10:07 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Getsafe will sich aus der Rolle des Erstversicherers zurückziehen. Ein neuer Risikoträger steht bereits bereit: Laut procontra soll die Provinzial Versicherung übernehmen – zumindest im Hintergrund. Doch das Kartellamt hat dabei noch ein Wort mitzureden.

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Die Provinzial soll künftig die versicherungstechnische Verantwortung für Policen der Getsafe Insurance AG übernehmen.Die Provinzial soll künftig die versicherungstechnische Verantwortung für Policen der Getsafe Insurance AG übernehmen.DALL-E

Getsafe treibt seinen Umbau weiter voran. Nachdem das Insurtech im Frühjahr 2025 angekündigt hatte, die eigene Schaden- und Unfallversicherungslizenz zurückzugeben, steht nun offenbar ein namhafter Partner für die Rolle des Risikoträgers bereit. Wie procontra berichtet, soll die Provinzial künftig die versicherungstechnische Verantwortung für Policen der Getsafe Insurance AG übernehmen.

Eine entsprechende Kooperation wurde von Christian Wiens, Gründer und Geschäftsführer der Getsafe-Gruppe, bestätigt. Für die Kundinnen und Kunden solle sich dadurch nichts ändern, betonte Wiens gegenüber dem Fachportal. Die Provinzial selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich zur Zusammenarbeit.

Kartellrechtliche Prüfung läuft

Tatsächlich ist der Deal aber noch nicht in trockenen Tüchern. Denn beim Bundeskartellamt läuft aktuell ein Verfahren zum Vorgang. Dort wird geprüft, ob der öffentliche Versicherer – wie in der offiziellen Anmeldung formuliert – „alle Vermögensbestandteile der Getsafe Insurance AG“ übernehmen darf. Der Begriff ist weit gefasst und deutet auf eine umfangreiche Übertragung hin. Laut Wiens gehe es jedoch nicht um eine Bestandsübertragung oder einen Kauf, sondern ausschließlich um die Risikoübernahme im Hintergrund.

Getsafe hatte 2021 die Lizenz der BaFin erhalten und war damit ein vollregulierter Schaden- und Unfallversicherer. Zwischenzeitlich hatte man die Gewinnzone erreicht – mit einem positiven Versicherungsergebnis von rund 700.000 Euro im Jahr 2024. Dennoch entschied sich das Unternehmen 2025 für einen Strategiewechsel: Wachstum und Flexibilität sollen durch den Rückzug aus der Rolle des Erstversicherers gesteigert werden.

400.000 Verträge sollen übertragen werden

Aktuell betreut die Getsafe Insurance AG etwa 400.000 Verträge, unter anderem in den Sparten Haftpflicht, Hausrat und Zahnzusatz. Künftig sollen diese Policen über Kooperationspartner abgesichert werden – die Rolle des Risikoträgers wird damit ausgelagert. Für einige Produkte arbeitet Getsafe bereits mit Partnern wie der Ottonova Krankenversicherung AG zusammen. Bei Zahnzusatzprodukten wie „Getsafe Zahn Basic“ fungiert Ottonova als Risikoträger, Getsafe übernimmt den Vertrieb und die Kundenbetreuung.
Die bestehende Technologieplattform bleibt Herzstück des Geschäftsmodells. Über eine mobile App erhalten Kunden Zugang zu digitalen Services, Schadenmeldung und KI-gestützter Beratung. Getsafe verfolgt das Ziel, eine führende digitale Versicherungsplattform zu werden – ohne die regulatorischen Einschränkungen eines vollwertigen Versicherers.
Christian Wiens sieht den Schritt als logische Weiterentwicklung: „Die Lizenz bietet uns keinen Wettbewerbsvorteil mehr.“ Vielmehr wolle man sich auf Technologie, Kundenzugang und Innovation konzentrieren.

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