Export- und Investitionsgarantien 2024: Verlässliche Instrumente in unsicheren Zeiten

Veröffentlichung: 04.04.2025, 10:04 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die aktuellen Jahresberichte des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) zu Exportkredit- und Investitionsgarantien zeigen: Der Staat bleibt ein verlässlicher Partner für Unternehmen, die sich international engagieren – besonders in wirtschaftlich und politisch schwierigen Zeiten. 2024 hat der Bund Garantien in Höhe von 18,7 Milliarden Euro übernommen. Diese staatlichen Absicherungen stabilisieren nicht nur bestehende Geschäftsbeziehungen, sondern erleichtern auch Investitionen in neue Märkte.

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Exportkreditgarantien: Hoher Absicherungsbedarf trotz negativer Bilanz

Trotz eines angespannten weltwirtschaftlichen Umfelds lag das Deckungsvolumen bei den Exportkreditgarantien mit 17,2 Milliarden Euro fast auf Vorjahresniveau. Diese Garantien sichern Unternehmen gegen Zahlungsausfälle im Ausland ab – und zwar vor allem bei großen Einzelgeschäften. Besonders stark vertreten waren 2024 die Türkei (2,8 Mrd. Euro), die USA (2 Mrd. Euro) und das Vereinigte Königreich (1,5 Mrd. Euro). Die Ukraine war mit 412 Millionen Euro auf Platz 10 – ein deutliches Signal für die wirtschaftliche Bedeutung des Landes trotz Krieg.

Erstmals seit 1998 fiel das Jahresergebnis der Exportkreditgarantien negativ aus – mit einem Defizit von 524 Millionen Euro. Der Grund: außergewöhnlich hohe Entschädigungen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro, ausgelöst durch die Folgen des Ukraine-Kriegs und der Corona-Pandemie. Auch wenn dies fiskalisch belastet, zeigt es zugleich die wirtschaftspolitische Verlässlichkeit dieses Instruments: Der Staat steht im Ernstfall zu seinen Zusagen.

Weniger Bürokratie, mehr Tempo

Die Bundesregierung hat 2024 gezielt Maßnahmen ergriffen, um besonders kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu Exportkreditgarantien zu erleichtern. So wurden Entscheidungsprozesse gestrafft, Prüfverfahren vereinfacht und Gremienentscheidungen flexibilisiert. Für viele Betriebe bedeutet das: schnellerer Zugang zur Absicherung und geringere administrative Hürden.

Investitionsgarantien: Neue Märkte im Fokus

Auch bei den Investitionsgarantien zeigt sich ein zunehmender Bedarf. Mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro wurden deutsche Auslandsinvestitionen gegen politische Risiken wie Enteignung, Krieg oder Konvertierungsbeschränkungen abgesichert. Gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen gewinnen solche Garantien an Bedeutung.

Auffällig ist: Die Ukraine war auch 2024 das Land mit den meisten neu übernommenen Garantien (14 Stück). Das zeigt, dass viele Unternehmen trotz unsicherer Lage an eine wirtschaftliche Zukunft des Landes glauben. Zudem spiegeln sich die Ziele der neuen Diversifizierungsstrategie des Bundes wider: 11 der 16 Zielstaaten mit Garantien liegen in Regionen, die gezielt als alternative Wachstumsmärkte gefördert werden. Besonders hohe Volumina wurden für Malaysia (300 Mio. Euro), Peru (266 Mio. Euro) und Südkorea (212 Mio. Euro) übernommen.

Ökonomische Bewertung: Stabilität durch Risikoteilung

Aus volkswirtschaftlicher Perspektive erfüllen beide Instrumente – Exportkredit- und Investitionsgarantien – eine zentrale Funktion: Sie senken Risiken für Unternehmen, stärken deren internationale Wettbewerbsfähigkeit und leisten damit einen Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Stabilität. In einer Zeit, in der geopolitische Unsicherheiten zunehmen und private Versicherer sich aus schwierigen Märkten teilweise zurückziehen, übernimmt der Staat gezielt Risiken, die volkswirtschaftlich sinnvoll abgesichert werden sollten.

Gleichzeitig zeigt die Entwicklung: Eine aktive Industriepolitik über Absicherungsinstrumente funktioniert dann besonders gut, wenn sie mit strategischen Zielen – wie etwa Diversifikation oder Mittelstandsförderung – verbunden wird.

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