Dr. Kai Brühl, Head of Marsh Advisory bei Marsh DeutschlandDr. Kai Brühl, Head of Marsh Advisory bei Marsh DeutschlandMarsh Deutschland

Rezession, Fachkräftemangel und Klimawandel bleiben größte Risiken

Veröffentlichung: 06.12.2024, 04:12 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Rezession, Arbeitskräftemangel und Inflation stehen weltweit ganz oben auf der Risikoliste, zeigt die jährliche Executive Opinion Survey des World Economic Forum. Experten von Zurich Insurance und Marsh McLennan warnen vor den wachsenden Gefahren durch Klimawandel und künstliche Intelligenz.

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Trotz erster Anzeichen für eine Erholung der globalen Wirtschaftslage bleiben Wirtschaftsentscheider in den G20-Staaten angesichts der Risikolandschaft tief besorgt. Das geht aus der aktuellen Executive Opinion Survey des World Economic Forum hervor, die gemeinsam mit Marsh McLennan und Zurich Insurance Group veröffentlicht wurde. Die jährliche Umfrage unter mehr als 11.000 Wirtschaftsführern aus 121 Ländern identifiziert die fünf größten Risiken der nächsten zwei Jahre.

Kurzfristige Top-Risiken

Auf den ersten drei Plätzen der G20-Risikoliste stehen wirtschaftlicher Abschwung, Arbeits- und Fachkräftemangel sowie Inflation. Diese wirtschaftlichen Bedrohungen, die durch zunehmenden Protektionismus verstärkt werden, bleiben eine zentrale Herausforderung. An vierter Stelle folgt Armut und Ungleichheit.

Klimabedingte Risiken rücken ebenfalls stärker in den Fokus: Extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Waldbrände oder Hitzewellen, die 2024 zahlreiche G20-Länder wie Brasilien, Deutschland und die USA trafen, belegen den fünften Platz.

Technologische Risiken auf dem Vormarsch

Ein wachsendes Risiko sieht die Studie in der schnellen Entwicklung neuer Technologien. Die Befragten nennen insbesondere die negativen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz, darunter Fehl- und Desinformationen. Technologische Risiken zählen in sechs der untersuchten Länder zu den Top-Themen, darunter Indonesien, die USA und Großbritannien.

Expertenwarnungen

„Die Ergebnisse der Umfrage zeigen ein hohes Maß an Besorgnis. Neben wirtschaftlichen Risiken erschweren extreme Wetterereignisse und neue technologische Bedrohungen die Lage. Unternehmen müssen wachsam bleiben und ihre Strategien anpassen“, so Carolina Klint, Chief Commercial Officer Europe bei Marsh McLennan. Ähnlich sieht es auch Peter Giger, Group Chief Risk Officer der Zurich Insurance Group: „Die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels und neue technologische Risiken fordern ein erweitertes Risikobewusstsein. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen stärkt nicht nur die Widerstandsfähigkeit, sondern sichert nachhaltigen Erfolg.“

Ergebnisse für Deutschland

In Deutschland wurden Arbeits- bzw. Fachkräftemangel, wirtschaftlicher Abschwung, unfreiwillige Migration, Fehl- und Desinformation und Energieknappheit als Top 5 Risiken genannt (siehe Grafik).

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Dr. Kai Brühl, Head of Marsh Advisory bei Marsh Deutschland kommentiert die Ergebnisse: „Auch bei den in Deutschland befragten Unternehmensführern absorbieren kurzfristige wirtschaftliche und sozio-politische Herausforderungen die Aufmerksamkeit. Dieser Trend hat in den letzten zwei Jahren stetig zugenommen und geht einher mit gesellschaftlichen Unsicherheiten und Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen neuer Technologien. Langfristig wirkende Risiken, wie insbesondere der Klimawandel, der dieses Jahr erneut zu extremen Wetterereignissen führte, treten dadurch in den Hintergrund. Manager sind gut beraten, sowohl kurz- wie langfristige Risiken in ihrer Unternehmensstrategie zu berücksichtigen und ihr Risikomanagement systematisch darauf auszurichten. Nur so können sie die Widerstandsfähigkeit ihres Unternehmens in einem insgesamt sehr volatilen Marktumfeld dauerhaft stärken.“

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