PKV warnt: Krankenhausreform gefährdet Versorgung und belastet Versicherte

Veröffentlichung: 18.10.2024, 10:10 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die geplante Krankenhausreform sorgt für Kritik: Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) befürchtet Versorgungslücken und erhebliche Mehrkosten für die Versicherten. Zudem sieht der Verband verfassungsrechtliche Probleme in der Finanzierung.

(PDF)
cms.npbypThomas_Brahm@Debeka

Die vom Bundestag verabschiedete Krankenhausreform wirft aus Sicht des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV) erhebliche Probleme auf. Neben zusätzlichen Kosten befürchtet der Verband vor allem Versorgungslücken. Der Vorstandsvorsitzende des PKV-Verbands, Thomas Brahm, warnt vor den negativen Auswirkungen, die das neue Vergütungssystem mit sich bringt.

Kritik gibt es insbesondere an der geplanten Vorhaltevergütung, durch die Krankenhäuser auch dann Geld erhalten, wenn sie weniger Patienten versorgen. Dies, so Brahm, könne den Krankenhäusern den Anreiz nehmen, spezialisierte Behandlungen anzubieten, da sie ihre Einnahmen auch ohne höhere Auslastung sichern könnten. Dies gefährde die Versorgungsqualität und führe zu mehr Bürokratie.

Zusätzlich werde die Reform durch kurzfristige Änderungsanträge zu einem Kostentreiber für die Versicherten. So sollen rückwirkend für 2024 Lohnerhöhungen in Krankenhäusern von den Krankenkassen getragen werden. Brahm warnt hier vor einem „Kostenschub in Milliardenhöhe“, der zu Lasten der Versicherten in der PKV und der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gehe.

Ein weiterer Kritikpunkt des PKV-Verbands ist die verfassungsrechtliche Fragwürdigkeit des geplanten Transformationsfonds. Dieser Fonds soll den Umbau von Krankenhausstrukturen finanzieren, doch laut Brahm ist dies eigentlich eine Aufgabe der Bundesländer, die hierfür Steuermittel aufbringen müssten. Die geplante Umlage auf die Versicherten verstoße gegen die Finanzverfassung des Grundgesetzes und das Prinzip der dualen Krankenhausfinanzierung.

Brahm betont, dass die PKV bereits überproportional zur Finanzierung des Gesundheitssystems beitrage. Allein die Wahlleistungen der Privatversicherten, wie Chefarztbehandlung und besondere Unterbringung, brächten den Krankenhäusern jährlich über 5 Milliarden Euro ein. Diese Gelder würden fehlen, wenn Privatversicherte nach den Regeln der GKV abgerechnet würden.

Trotz der Warnungen der PKV und anderer Fachkreise wurde die Reform weitgehend unverändert verabschiedet. Brahm kritisiert, dass der PKV-Verband, der mit 8,7 Millionen Vollversicherten und 6,5 Millionen Zusatzversicherten ein wichtiger Kostenträger im Gesundheitswesen ist, nicht ausreichend in die Beratungen einbezogen wurde. Dabei sei die Beteiligung der PKV bei der Umsetzung der Reformen und der neuen Finanzierungswege unerlässlich.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Steigende Kosten in der ambulanten, stationären und zahnmedizinischen Versorgung setzen die PKV unter Druck.Steigende Kosten in der ambulanten, stationären und zahnmedizinischen Versorgung setzen die PKV unter Druck.DALL-E
Gesundheitsvorsorge

Private Krankenversicherung: Beitragserhöhungen deuten sich bereits an

Steigende Kosten in der ambulanten, stationären und zahnmedizinischen Versorgung setzen die PKV unter Druck. Doch wie stark könnten sich diese Entwicklungen 2026 in den Beiträgen niederschlagen – und lässt sich der Anstieg womöglich noch abfedern?
Thomas Brahm,
Vorsitzender des Verbandes der Privaten Krankenversicherung.Thomas Brahm, Vorsitzender des Verbandes der Privaten Krankenversicherung.PKV-Verband
Gesundheitsvorsorge

Private Krankenversicherung: Wachstumstreiber Zusatzversicherung

Private Krankenversicherung legt zu, meldet der PKV-Verband. Doch was steckt hinter dem Boom? Und wie positioniert sich die PKV im Wettbewerb mit der GKV?
Die Private Krankenversicherung (PKV) steht vor einer signifikanten Beitragsanpassung in ihren Sozialtarifen.Die Private Krankenversicherung (PKV) steht vor einer signifikanten Beitragsanpassung in ihren Sozialtarifen.DALL-E
Gesundheitsvorsorge

PKV-Sozialtarife: Deutliche Beitragserhöhungen ab Juli 2025

Die Private Krankenversicherung (PKV) steht vor einer signifikanten Beitragsanpassung in ihren Sozialtarifen. Zum 1. Juli 2025 erhöhen sich die Beiträge im Standardtarif um durchschnittlich 25 Prozent, von derzeit 400 auf etwa 500 Euro monatlich. Auch im Basistarif sind Anpassungen vorgesehen, die jedoch nur rund 20 Prozent der Versicherten betreffen.
Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) befindet sich auf Wachstumskurs (Symbolbild).Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) befindet sich auf Wachstumskurs (Symbolbild).DALL-E
Gesundheitsvorsorge

Betriebliche Krankenversicherung auf Wachstumskurs

Immer mehr Unternehmen setzen auf die betriebliche Krankenversicherung (bKV), um Mitarbeiter zu binden und gesundheitlich abzusichern. Laut dem PKV-Verband steigt nicht nur die Zahl der Unternehmen mit bKV stark an, auch die Anzahl der versicherten Beschäftigten wächst. Die Entwicklung zeigt zudem Potenzial für eine bessere Pflegevorsorge.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht