Unternehmensnachfolger gesucht, aber noch nicht gefunden?

Sie sind Unternehmer und suchen einen Nachfolger1? Dann sind Sie in bester Gesellschaft. Zwischen Dezember 2019 und Juni 2021 werden etwa 150.000 Unternehmen des Mittelstandes einen Nachfolger suchen oder gesucht haben.

Ratgeber zu diesem Thema gibt es viele, dennoch scheitert eine Vielzahl von Transaktionen. Woran liegt das und welche Fehler machen Suchende häufig? Edwin Schott (45) ist Wirtschaftswissenschaftler aus Hamburg. Er kauft kleinere und mittlere Versicherungsmakler im Asset oder Share-Deal und gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen, die jeder für sich beantworten  sollte, bevor er den Übergabeprozess startet.

1. Was ist mir das Wichtigste?

Gerade bei inhabergeführten Unternehmen zeigt sich häufig ein unklares Bild beim Eigentümer darüber, was ihm bei einer  Unternehmensnachfolge wirklich wichtig ist. Ist es der größtmögliche Kaufpreis? Soll der Unternehmensname erhalten bleiben? Soll das Personal eine Beschäftigungsgarantie zumindest für zwei Jahre erhalten? S

oll garantiert sein, dass mein Lebenswerk erhalten bleibt? Möchte ich an nur eine natürliche Person verkaufen oder kommt auch ein institutioneller Investor infrage? Will ich in einem Schritt aussteigen oder die Anteile schrittweise abgeben?

Je klarer Sie Ihre Motive niederschreiben und in eine priorisierte Reihenfolge bringen können, umso einfacher ist bestimmt Ihre Suche. Es sind bei mir bereits Nachfolgen gescheitert, weil der Suchende im Fahrstuhl zum Notar beim Beurkundungstermin plötzlich weitere Regelungen und Garantien haben wollte, die in den sechs intensiven Gesprächsrunden vorher bei den Anwälten keine Rolle gespielt haben, weil der Verkäufer sie „vergessen“ hatte.

2. Wollen Sie wirklich aufhören?

Der Aufbau und der Erhalt eines Unternehmens bestimmt häufig den Großteil der eigenen Lebensarbeitszeit. Das Unternehmen steht häufig im Zentrum des eigenen Lebens und somit ist es verständlich, dass ein Loslassen sehr schwerfällt. Aber bereits vor der Suche sollte Ihnen klar sein, dass irgendwann jemand anderer der „Chef“ Ihres Unternehmens ist und Sie dann eben nicht mehr.

Wenn dieser Gedanke Sie beunruhigt, dann wird es Ihnen schon rein psychologisch unmöglich sein, einen geeigneten Nachfolger zu finden.

3. Überzogene Kaufpreisvorstellung

Häufig ist man so in sein eigenes Unternehmen verliebt, dass man es gegebenenfalls etwas „überwertschätzt“. Ein neutraler Beobachter von außen, eine finanzierende Bank oder ein Investor sieht das häufig leider etwas anders. Am Ende ist der abgezinste Ertragswert nach der DCFC-Methode sicher ein guter Richtwert.

Wenn Sie wissen wollen, ob dieser Wert realistisch ist, fragen Sie doch Ihre Hausbank, ob sie 90 Prozent davon finanzieren würde, wenn Sie einen geeigneten Kandidaten finden würden. Wenn die Bank, die Ihr Unternehmen am besten kennt, schon abwinkt, was werden dann wohl unbeteiligte Banken entscheiden?

Es kommt vor, dass Unternehmen, die 50 Millionen kosten sollten, ein Jahr später für einen Euro den Besitzer wechseln, weil der erste Kandidat abgesprungen ist. Wenn Sie einen geeigneten Kandidaten gefunden haben, ist es häufig ein probates Mittel, 2 bis 10 Prozent des Kaufpreises im Nachrang als Gesellschafterdarlehen zu gewähren, um dem Kandidaten die Finanzierung zu erleichtern.

4. Holen Sie sich einen neutralen Berater!

Auch wenn Sie Ihr Unternehmen aus dem Effeff kennen, Sie gute Anwälte und Steuerberater haben: Sie brauchen einen neutralen Blick auf das Unternehmen. Je früher Sie sich zu diesem Thema beraten lassen, umso mehr Zeit haben Sie, die weiteren vorbereitenden Maßnahmen zu treffen. Muss vielleicht noch im Lichte des Datenschutzes (DSGVO) die Rechtsform geändert werden, um überhaupt eine rechtssichere Transaktion zu ermöglichen? Haben Sie alle unternehmerischen Kennzahlen und Finanzdaten konsolidiert?

5. Machen Sie einen Deckel drauf!

Wenn Sie einen Kandidaten gefunden haben, der passt und der willig und fähig ist, Ihr Unternehmen zu kaufen, dann warten Sie besser nicht, ob eine noch bessere Gelegenheit kommt. In einer Vielzahl von Branchen gibt es deutlich mehr Angebot als Nachfrage und die demografischen Verschiebungen lassen für Verkäufer den Druck schneller wachsen als für Käufer.

Kontakt zum Autor: e.schott@alltrad.com

1 Aus Gründen der verbesserten Lesbarkeit schreibe ich nur in der männlichen Form, gleichwohl richtet sich dieser Text natürlich an alle Geschlechter.

2 Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/mittelstandsucht-laut-studie-vermehrt-nachfolger-ausserhalb-der-familie-a-1300322.html

 

Bild: © Maria Savenko – Adobe Stock

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