Nachhaltigkeit: Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Zwei Drittel der Deutschen bemühen sich um Nachhaltigkeit – zumindest dann, wenn sich der Aufwand und die Zugeständnisse in Grenzen halten.

Diesen eher pragmatischen Weg wählen 67 Prozent der Befragten und 61 Prozent der Jüngeren. Dies sind Ergebnisse einer Studie im Auftrag der Zurich Gruppe Deutschland.

Jüngere handeln konsequenter

Ein Viertel der Bundesbürger und sogar mehr als jeder Dritte in der Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen sagen von sich, dass sie immer und in allen Bereichen auf eine nachhaltige Lebensweise achten.

Damit ist bei den 18- bis 35-Jährigen der Anteil derjenigen, die Nachhaltigkeit zur Richtschnur für ihr Handeln gemacht haben, deutlich höher als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Aber mehr Worte, weniger Taten

Allerdings bleibt im Alltag vor allem die Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen besonders oft hinter ihrem eigenen ökologischen Anspruch zurück. So neigen sie insbesondere beim Thema Konsum eher dazu, ihre Nachhaltigkeitsgrundsätze über Bord zu werfen.

Über alle Altersgruppen hinweg achten fast neun von zehn Befragten beim Kauf von Elektrogeräten auf Langlebigkeit und Energieeffizienz. Bei den 18- bis 35-Jährigen sind es mit acht von zehn etwas weniger.

Ähnlich ist dies beim Vermeiden von Plastikverpackungen. So bemühen sich 73 Prozent der Bundesbürger, beim Einkaufen Plastikverpackungen zu vermeiden. Bei den Jüngeren sind es dagegen nur 67 Prozent. Ebenso bleiben die Jüngeren beim Versuch, möglichst Lebensmittel aus der Region zu kaufen und beim Fleisch auf artgerechte Tierhaltung zu schauen, hinter dem tatsächlichen Verhalten in der Gesamtbevölkerung zurück. Aber die Jüngeren greifen im Supermarkt eher zu Bio- oder fair gehandelten Produkten als die Allgemeinheit.

Freizeit versus Nachhaltigkeit

Auch im Alltagsleben, bei Sport und Freizeit machen sich Jüngere weniger um Nachhaltigkeit verdient als der Durchschnittsdeutsche. Das gilt zum Beispiel für die Mülltrennung, für sparsames Heizen, reduzierten Stromverbrauch sowie für die Vermeidung umweltschädlicher Freizeitaktivitäten wie Skifahren oder Tauchen.

Insgesamt ist der Umweltschutzgedanke im Bewusstsein der Menschen angekommen.

In der Altersgruppe der jüngeren, sehr aktiven Menschen klaffen Anspruch und Wirklichkeit allerdings zuweilen auseinander. Die Konsequenz, Nachhaltigkeit ins Alltagsleben zu integrieren und ständig mitzudenken, ist noch etwas geringer.

Schlechtes Gewissen beim Reisen

Allerdings ist das schlechte Gewissen beim Reisen bei den Jüngeren etwas weiter verbreitet als im Bevölkerungsschnitt. Dies wird vor allem beim Fliegen deutlich: 58 Prozent haben ein schlechtes Gewissen, aber nur 45 Prozent der Gesamtbevölkerung. So sind 53 Prozent der jüngeren Bundesbürger bereit, CO2-Kompensation zu zahlen. In Bundesdurchschnitt sind es nur 43 Prozent. Generell verzichten 56 Prozent der jüngeren, aber erst 51 Prozent aller Bürger, wenn möglich auf Flugreisen.

Im Alltag lassen 59 Prozent der Jüngeren lieber das Auto stehen und nutzen stattdessen das Rad oder öffentliche Verkehrsmittel. Im bundesweiten Schnitt vermeiden erst 50 Prozent nach Möglichkeit das Autofahren.

Hohe Nachfrage nach nachhaltiger Geldanlage

Eine weitere Möglichkeit, Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen, ist das Investment in sogenannte „grüne Geldanlagen“. Im Vergleich zur Nachhaltigkeitsstudie im Jahr 2019 zeigt sich, dass nachhaltige Geldanlagen auf dem Vormarsch sind. Besaßen 2019 erst acht Prozent der Deutschen und elf Prozent der jüngeren Bundesbürger eine nachhaltige Geldanlage, waren es in diesem Jahr bereits elf Prozent im landesweiten Durchschnitt und 16 Prozent in der jüngeren Altersgruppe.

So sind auch bei diesem Thema die Jüngeren aktiver als der Bundesdurchschnitt. Sie haben überdurchschnittlich häufig nachhaltige Geldanlagen und sind häufiger bereit, in diese Produkte zu investieren.

Jüngere engagieren sich eher ehrenamtlich

38 Prozent der Jüngeren, aber nur 27 Prozent der Gesamtbevölkerung sind ehrenamtlich in ihrer Freizeit aktiv. Die Corona-Krise hat manchem Bürger sogar noch einen zusätzlichen Anstoß gegeben. Rund ein Fünftel der Deutschen und mehr als ein Drittel der Jüngeren sagen, dass die Pandemie und die Beschränkungen im Alltag sie zu mehr Nachhaltigkeit angestachelt hätten.

Corona-Krise: Umweltschutz gerät in den Hintergrund

Neun Prozent in der Gesamtbevölkerung, aber 17 Prozent der Jüngeren sagen von sich, sie hätten durch Corona keine Ambitionen mehr, sich um Nachhaltigkeit zu kümmern.

Noch stärker davon abgekommen sind Familien: Ein Fünftel sagt, dass sie keine Ambitionen in dieser Richtung mehr haben.

Bernd Engelien, Leiter Unternehmenskommunikation bei der Zurich Gruppe Deutschland, erklärt:

„Daraus spricht vor allem die Erschöpfung von Familien, deren Alltag in der Corona-Krise durch Schul- und Kitaschließungen komplett auf den Kopf gestellt wurde. Eltern waren besonders gefordert, das Familienleben neu zu strukturieren, Kinder zu betreuen und zu beschulen. Da haben sich die Prioritäten verschoben, neue Herausforderungen mussten gemeistert werden und es blieb schlicht keine Energie für Engagement für Umwelt- und Klimaschutz.“

Aus der Studie geht aber auch hervor, dass Familien mit Kindern grundsätzlich nachhaltiger denken und handeln. Mehr als ein Drittel achtet immer darauf, dass ihre Lebensweise den Anforderungen der Nachhaltigkeit entspricht. Im Bundesdurchschnitt gibt dies nur rund ein Viertel an.

62 Prozent der Familien kaufen im Supermarkt bevorzugt Bio- oder fair gehandelte Produkte. Im Bevölkerungsschnitt sind es 54 Prozent. Auch beim Kauf von Bekleidung geben 57 Prozent der Befragten mit Kindern an, dass sie fair produzierte Ware bevorzugen. Bei den Single-Haushalten tun dies 48 Prozent.

 

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