Kerosinknappheit belastet Luftverkehr: Allianz Trade warnt vor teurem Sommer
Steigende Treibstoffkosten, knappe Liefermengen und geopolitische Risiken: Der europäische Luftverkehr steht vor einer angespannten Hauptreisezeit. Eine aktuelle Analyse zeigt, welche Folgen Reisende und Branche erwarten.
Der europäische Luftverkehr steht vor einem schwierigen Sommer. Engpässe bei Kerosin infolge des Nahostkonflikts treiben die Kosten und könnten Angebot und Preise spürbar beeinflussen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Allianz Trade. Besonders betroffen ist Deutschland, das stark von importiertem Flugtreibstoff abhängig ist.
Hohe Importabhängigkeit verschärft Lage
„Deutschland zählt zu den Ländern, die stark von importiertem Kerosin abhängig sind“, sagt Maria Latorre, Branchenexpertin bei Allianz Trade. Bereits im vergangenen Jahr überstieg der Bedarf die heimischen Raffineriekapazitäten um rund 100.000 Barrel pro Tag. Europa produziert insgesamt nur etwa 50 bis 60 Prozent seines Kerosinbedarfs selbst. Die Versorgungslage hat sich zuletzt deutlich verschlechtert: Kombinierte Importe aus den USA und dem Nahen Osten lagen im April mehr als 80 Prozent unter dem Vormonat. Gleichzeitig haben sich die Kerosinpreise seit Beginn der Krise etwa verdoppelt.
Steigende Preise treffen Reisende direkt
Da Treibstoff rund ein Drittel der Betriebskosten von Fluggesellschaften ausmacht, geben Airlines die höheren Kosten zunehmend weiter. „In der Folge steigen Flugpreise direkt vor der Hauptreisezeit deutlich. Für Kurzentschlossene dürften es teure Sommerferien werden“, so Latorre. Internationale Flugpreise sind bereits um 5 bis 15 Prozent gestiegen. Zusätzlich führen viele Airlines wieder Kerosinzuschläge ein – zwischen 20 und 60 US-Dollar auf Kurz- und Mittelstrecken sowie 80 bis 150 US-Dollar auf Langstrecken. Auch Zusatzkosten wie Gepäckgebühren oder Sitzplatzreservierungen wurden zuletzt angehoben.
Angebot bleibt stabil – mit Einschränkungen
Trotz der angespannten Lage fallen die Kapazitätsanpassungen bislang moderat aus. In Europa liegen die angekündigten Kürzungen bei etwa 2 bis 5 Prozent. Allerdings konzentrieren sich die Anpassungen auf bestimmte Segmente: Vor allem Randzeiten, kurze Strecken und kleinere Flughäfen sind betroffen. Besonders unter Druck stehen dabei Billigfluggesellschaften mit niedrigen Margen.
Verschiebung der Reiseströme
Die veränderten Rahmenbedingungen wirken sich auch auf das Reiseverhalten aus. Teurere Fernreisen führen dazu, dass ein Teil der Nachfrage auf näher gelegene Ziele ausweicht. „Gewinner von geänderten Fernreiseplänen dürfte der mediterrane Süden sein“, sagt Latorre. Buchungsdaten zeigen einen Anstieg von rund 32 Prozent für Spanien sowie etwa 20 Prozent für Italien, Griechenland und Portugal.
Gleichzeitig dämpfen steigende Lebenshaltungskosten und Inflation die generelle Reiselust. Ein Teil der Haushalte dürfte seine Ausgaben für Reisen reduzieren.
Keine schnelle Entspannung in Sicht
Eine kurzfristige Verbesserung der Lage ist nicht zu erwarten. Selbst bei einer raschen Stabilisierung der geopolitischen Situation könnte es mehrere Monate dauern, bis sich Förderung und Raffineriekapazitäten wieder normalisieren. „Für Reisende in Deutschland wird Fliegen erst einmal spürbar teurer“, sagt Latorre. Die Effekte auf Preise und Angebot dürften über die Ferienzeit hinaus bestehen bleiben.
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