Gesundheitsinformationen im Netz: Hohe Nutzung, wachsendes Misstrauen

Veröffentlichung: 26.02.2026, 11:02 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

83 Prozent der Bürgerinnen und Bürger recherchieren bei Gesundheitsthemen im Internet. Gleichzeitig gibt ein Drittel an, Schwierigkeiten zu haben, vertrauenswürdige Informationen zu erkennen. Das zeigt eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbandes unter 2.006 Personen ab 14 Jahren (Erhebungszeitraum: 18. Dezember 2025 bis 12. Januar 2026).

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Damit bestätigt sich eine Entwicklung, die seit Jahren zu beobachten ist: Das Internet ist zur zentralen Gesundheitsinformationsquelle geworden – aber nicht zur verlässlichsten.

Zwischen Informationsfülle und Orientierungsverlust

Die Daten belegen eine strukturelle Ambivalenz. Einerseits recherchieren acht von zehn Menschen aktiv online zu Gesundheitsfragen. Andererseits empfinden 31 Prozent der Online-Suchenden es als schwer, vertrauenswürdige Informationen zu erkennen.

Die Ursachen dieser Verunsicherung sind vielschichtig:

  • 74 Prozent der verunsicherten Befragten haben Probleme, verlässliche Quellen zu identifizieren.
  • 73 Prozent vermuten kommerzielle Einflussnahmen auf Suchergebnisse.
  • 66 Prozent finden es häufig unklar, ob Inhalte wissenschaftlich überprüft wurden.
  • 48 Prozent geben an, nicht über ausreichend Fachwissen zur Einordnung zu verfügen.

Die hohe Informationsdichte im Netz führt damit nicht automatisch zu höherer Gesundheitskompetenz. Vielmehr entsteht ein Spannungsfeld aus Zugänglichkeit, Intransparenz und fehlender Einordnung.

Widersprüche und falsche Informationen als reale Erfahrung

Bemerkenswert ist, dass die Mehrheit der Online-Suchenden bemüht ist, sich differenziert zu informieren: 90 Prozent vergleichen mehrere Quellen. Doch dieses Mehr an Recherche führt nicht zwingend zu mehr Sicherheit.

61 Prozent halten die gefundenen Informationen häufig für widersprüchlich, 53 Prozent zweifeln an ihrer Richtigkeit. 23 Prozent fühlen sich nach der Recherche sogar unwissender als zuvor. Und 27 Prozent sind bereits auf Informationen gestoßen, die sich im Nachhinein als falsch herausgestellt haben.

Falsche oder widersprüchliche Informationen sind damit keine abstrakte Gefahr, sondern eine konkrete Erfahrung im digitalen Alltag.

Künstliche Intelligenz: Generationelle Differenzen

Die Umfrage liefert auch Hinweise auf den Umgang mit KI-gestützten Informationsangeboten. 16 Prozent der Befragten nutzen nach eigener Einschätzung Suchergebnisse, die mithilfe künstlicher Intelligenz generiert wurden.

Dabei zeigen sich deutliche Altersunterschiede: 35 Prozent der 18- bis 29-Jährigen greifen auf KI zurück, bei den über 60-Jährigen sind es lediglich 6 Prozent. Auch beim Vertrauen divergieren die Generationen: 21 Prozent der Jüngeren vertrauen KI-Chatbots als Quelle für Gesundheitsinformationen, aber nur 7 Prozent der Älteren.

Mit wachsender Verbreitung KI-gestützter Systeme dürfte sich diese Diskrepanz verschieben. Zugleich stellt sich die Frage nach Transparenz, Prüfmechanismen und Haftung in einem Bereich, der unmittelbare Auswirkungen auf individuelle Gesundheitsentscheidungen hat.

Qualitätssiegel als Ordnungsinstrument

Vor diesem Hintergrund führt die AOK seit Ende 2025 einen „Fachprüfungsstempel“ ein, der medizinische Inhalte auf AOK-Kanälen als fachlich geprüft kennzeichnet. Ziel ist es, Orientierung zu schaffen und Vertrauen systematisch zu stärken.

Die Umfrage deutet auf eine hohe Akzeptanz entsprechender Kennzeichnungen hin:

  • 65 Prozent würden einem fachlich geprüften Siegel vertrauen.
  • 79 Prozent halten ein Kennzeichen für besonders vertrauenswürdig, wenn es von einer gesetzlichen Krankenkasse stammt.
  • 85 Prozent sprechen ärztlichen Fachgesellschaften oder Universitäten besonderes Vertrauen zu.

Gleichzeitig haben bislang nur 9 Prozent der Befragten solche Qualitätssiegel bewusst wahrgenommen. Die strukturelle Wirkung entsprechender Instrumente hängt somit nicht nur von ihrer fachlichen Substanz, sondern auch von ihrer Sichtbarkeit und systematischen Einbindung in Such- und Plattformarchitekturen ab.

Gesundheitskompetenz im digitalen Raum

Die Ergebnisse verweisen auf ein grundlegendes Strukturproblem: Die technische Zugänglichkeit von Information ersetzt nicht deren Einordnung. Zwischen Informationsmenge und Erkenntnis klafft eine Lücke.

Gesundheitskompetenz wird im digitalen Raum zunehmend zur Frage institutioneller Rahmung. Qualitätssiegel, transparente Prüfverfahren und klare Verantwortlichkeiten können Orientierung bieten. Sie ersetzen jedoch nicht die Notwendigkeit, Informationsarchitekturen insgesamt nachvollziehbarer zu gestalten.

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