Bau 2025: Mehr Aufträge, höhere Löhne – die Kosten laufen schneller als die Leistung

Veröffentlichung: 25.02.2026, 12:02 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die Zahl der Betriebe im Bauhauptgewerbe ist 2025 leicht gestiegen, die Beschäftigung ebenfalls. Gleichzeitig gingen die geleisteten Arbeitsstunden zurück, während die Entgeltsumme deutlich zunahm. Diese Konstellation beschreibt den strukturellen Kern der aktuellen Entwicklung: steigende Kosten bei nur moderat wachsender Leistung.

(PDF)
Auftragseingang auf Rekordniveau im BauhauptgewerbeAuftragseingang auf Rekordniveau im BauhauptgewerbeFotalia

Beschäftigung und Kostenstruktur prägen die Baukonjunktur 2025

Die Zahl der Betriebe im Bauhauptgewerbe ist 2025 leicht gestiegen, die Beschäftigung ebenfalls. Gleichzeitig gingen die geleisteten Arbeitsstunden zurück, während die Entgeltsumme deutlich zunahm. Diese Konstellation beschreibt den strukturellen Kern der aktuellen Entwicklung: steigende Kosten bei nur moderat wachsender Leistung.

Rund 9.500 Betriebe mit 20 und mehr tätigen Personen wurden im Jahresdurchschnitt erfasst, 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich um 1,1 Prozent auf 540.000. Die geleisteten Arbeitsstunden sanken dagegen um 0,3 Prozent auf 612 Millionen Stunden. Die Entgelte stiegen nominal um 5,8 Prozent auf 26,6 Milliarden Euro.

Damit verschiebt sich die Kostenstruktur weiter zugunsten fixer Personalkosten. Die Produktivität pro Stunde gewinnt an Bedeutung, ebenso die Kalkulationssicherheit bei langfristigen Projekten. In einer Branche mit engen Margen und hohen Vorleistungen wirken sich solche Verschiebungen unmittelbar auf Risikoprofile und Finanzierungsspielräume aus.

Auftragseingang auf Rekordniveau

Der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe lag 2025 um 6,8 Prozent über dem Vorjahr, nominal um 9,2 Prozent. Mit 113,0 Milliarden Euro wurde ein neuer Höchststand erreicht.

Der Hochbau wuchs real um 7,5 Prozent. Der Wohnungsbau legte – ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau – real um 10,1 Prozent zu. Der Nichtwohnungsbau blieb mit 5,8 Prozent darunter. Im Tiefbau stiegen die Auftragseingänge real um 6,2 Prozent und übertrafen damit den bisherigen Höchststand aus dem Vorjahr.

Großaufträge, insbesondere im Zusammenhang mit der Bahnstreckensanierung und dem Ausbau digitaler Infrastruktur, trugen maßgeblich zu dieser Entwicklung bei. Die öffentliche Hand bleibt ein zentraler Nachfrager und stabilisierender Faktor.

Monatliche Schwankungen

Im Dezember 2025 sank der reale Auftragseingang saison- und kalenderbereinigt um 4,9 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im kalenderbereinigten Vorjahresvergleich ergab sich ein reales Plus von 3,1 Prozent.

Die kurzfristige Dynamik bleibt volatil. Der längerfristige Trend zeigt nach oben, doch die monatlichen Bewegungen verdeutlichen die Anfälligkeit für Verschiebungen bei Projektvergaben und Genehmigungen.

FAQ

Warum steigen die Auftragseingänge stärker als die Umsätze?

Auftragseingänge werden zum Zeitpunkt der Vergabe erfasst, Umsätze erst mit der tatsächlichen Bauleistung. Der deutliche Anstieg der Aufträge im Jahr 2025 spiegelt sich deshalb zeitversetzt in den Umsätzen wider. Die Differenz weist auf wachsende Auftragsbestände hin.

Welche Rolle spielen öffentliche Investitionen für das Wachstum?

Ein erheblicher Teil des Wachstums resultiert aus Großaufträgen im Tiefbau, insbesondere bei der Bahnstreckensanierung und dem Ausbau digitaler Infrastruktur. Öffentliche Auftraggeber stabilisieren damit die Nachfrage und prägen die aktuelle Dynamik maßgeblich.

Was bedeutet die Entwicklung bei Beschäftigung und Arbeitsstunden?

Die Zahl der Beschäftigten steigt, während die geleisteten Arbeitsstunden leicht zurückgehen. Gleichzeitig wachsen die Entgelte deutlich. Das erhöht den Kostendruck und verschiebt den Fokus stärker auf Produktivität, effiziente Projektsteuerung und stabile Kalkulationen.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

redaktion experten /KI
Wirtschaft

Baugenehmigungen steigen – doch der nächste Einbruch ist bereits angelegt

Baugenehmigungen steigen Anfang 2026 um 8,4 %, doch die Erholung im Wohnungsbau bleibt fragil. Energiepreise, Inflation und mögliche Zinserhöhungen gefährden die Stabilisierung.
Auf der BaustelleAuf der BaustelleCalado – stock.adobe.com
4 Wände

Bauindustrie kämpft mit verschärfter Krise

Die Insolvenzen im Baugewerbe könnten dieses Jahr um 15 bis 20 Prozent steigen. Die Baubranche wird einen langen Atem benötigen, um den Krisenmodus zu bewältigen. Helfen könnte dabei Digitalisierung und serielles Bauen.
Das Sondervermögen sollte Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz anstoßen – neue Auswertungen zeigen jedoch, dass ein Großteil der Mittel bislang keine zusätzliche Wirkung entfaltet.Das Sondervermögen sollte Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz anstoßen – neue Auswertungen zeigen jedoch, dass ein Großteil der Mittel bislang keine zusätzliche Wirkung entfaltet.Redaktion experten.de / KI-generiert
Politik

Sondervermögen: Die Mogelpackung bekommt neue Zahlen

Das Sondervermögen sollte Milliarden in Infrastruktur und Klimaschutz lenken. Neue Zahlen zeigen jedoch: Ein Großteil der Mittel entfaltet bislang kaum zusätzliche Wirkung – und bestätigt früh geäußerte Kritik.
Ölmarkt und Energiewende: Straße von Hormus und Strommix DeutschlandÖlmarkt und Energiewende: Straße von Hormus und Strommix Deutschlandllustration / Energieanalyse /experten
Wirtschaft

Ölkrise im Persischen Golf: Die Straße von Hormus als globaler Engpass

Der Konflikt um den Iran rückt die Straße von Hormus ins Zentrum des Ölmarkts. Warum strategische Reserven nur kurzfristig helfen – und was das für Energiewende und Elektromobilität bedeutet.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht