ifo-Konjunkturuhr: Deutschland verlässt die Krise – statistisch, nicht realwirtschaftlich
Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Februar 2026 auf 88,6 Punkte gestiegen. Entscheidender als der Indexwert ist jedoch die Position in der ifo-Konjunkturuhr: Deutschland bewegt sich aus dem Krisenquadranten in Richtung Erholung.
Unterdurchschnittliche Lage, verbesserte Erwartungen
Die Konjunkturuhr verknüpft Geschäftslage und Erwartungen in einem Vier-Quadranten-Modell. Befinden sich beide Salden unter ihrem langfristigen Mittelwert, liegt die Wirtschaft im Krisenbereich. Steigen die Erwartungen über ihren Mittelwert, während die Lage noch unterdurchschnittlich bleibt, beginnt die Erholungsphase.
Im Februar nähern sich die Erwartungen ihrem Mittelwert an, während die Lage weiterhin klar darunter liegt. Das ist kein Aufschwung. Es ist eine Erwartungswende.
Erwartung trägt vor Lage
Die Geschäftslage verbesserte sich zwar, bleibt aber im Saldo negativ. Die Dynamik kommt aus den Erwartungen, nicht aus der aktuellen Auslastung. Das ist konjunkturtypisch: Erwartungen drehen zuerst, Produktion und Investitionen folgen – oder bleiben aus.
Damit steht die Wirtschaft an einem Übergangspunkt. Die Krise verliert an Tiefe, doch die Erholung hat noch keine reale Substanz.
Sektorale Divergenz bleibt
Die Verschiebung in der Konjunkturuhr verdeckt Unterschiede: Dienstleistungen nähern sich der Neutralzone. Die Industrie stabilisiert sich, bleibt jedoch im negativen Bereich. Der Handel verharrt deutlich im Krisenmodus. Das Bauhauptgewerbe erholt sich langsam, allerdings ohne kräftige Auftragsimpulse.
Struktur statt Stimmung
Die Konjunkturuhr signalisiert einen Richtungswechsel. Sie signalisiert keinen Boom.
Deutschland verlässt statistisch den Krisenmodus – ökonomisch steht es noch vor der eigentlichen Bewährungsprobe.
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