Trotz wachsender Zulassungszahlen und ausgebauter Ladeinfrastruktur stagniert die Antriebswende in Deutschland. Eine aktuelle Analyse des DIW Berlin sieht dafür vor allem einen Grund und richtet einen deutlichen Appell an die Politik.
Nach dem Einbruch der Verkaufszahlen im Jahr 2024 ziehen die Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland wieder an. Dennoch kommt der Umbau der Fahrzeugflotte laut einer aktuellen Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) weiterhin nur schleppend voran. Als Hauptgrund identifizieren die Studienautoren eine fehlende politische Richtungsvorgabe. Ohne klare Priorisierung batterieelektrischer Antriebe drohe der Ausbau ins Stocken zu geraten.
Nachfrage erholt sich, struktureller Fortschritt bleibt aus
Laut der Untersuchung basierend auf Daten des Open Energy Trackers waren 2025 rund 20 Prozent aller neu zugelassenen Pkw vollelektrisch – deutlich mehr als im Vorjahr, aber nur leicht über dem Niveau der Jahre 2022 und 2023. In der Gesamtflotte bleiben reine Elektroautos mit rund zwei Millionen Fahrzeugen weiterhin eine Minderheit. Plug-in-Hybride gewinnen wieder an Bedeutung, leisten laut Studien aber nur einen geringen Beitrag zur Emissionsreduktion.
Schnelllade-Infrastruktur holt auf
Gleichzeitig hat sich die Ladeinfrastruktur spürbar verbessert: In Deutschland sind mittlerweile knapp 190.000 öffentliche Ladepunkte verfügbar, ein Viertel davon Schnelllader. Während 2022 noch fast 70 E-Autos auf einen Schnellladepunkt kamen, sind es heute im Schnitt 44. Auch die durchschnittliche Ladeleistung pro Fahrzeug steigt. Die Infrastruktur gilt laut DIW damit nicht mehr als wesentliches Hemmnis.
SUV-Boom bei Elektroautos
Die Analyse zeigt zudem eine deutliche Marktverschiebung: Neue E-Pkw stammen überwiegend aus europäischer Produktion, mehrheitlich von deutschen Herstellern. Fahrzeuge aus Nordamerika – insbesondere Tesla – verlieren Marktanteile, während chinesische Anbieter leicht zulegen. Auffällig ist auch die Segmententwicklung: Etwa die Hälfte der Neuzulassungen entfällt auf SUVs und Geländewagen, über zehn Prozent auf Oberklassemodelle – überdurchschnittlich im Vergleich zum Gesamtmarkt.
Fortschritte bei Nutzfahrzeugen und Bussen
Auch im Schwerlastbereich nimmt die Elektrifizierung Fahrt auf: Der Anteil elektrisch betriebener Sattelzugmaschinen stieg 2025 auf rund drei Prozent. Bei Bussen liegt der Anteil vollelektrischer Neuzulassungen bei rund 25 Prozent – dem höchsten aller Fahrzeugklassen. In der Gesamtflotte ist bereits jeder zwanzigste Bus batterieelektrisch unterwegs.
Fehlende Technologieklarheit bremst Investitionen
Trotz dieser Fortschritte mahnt das DIW zu klaren politischen Rahmenbedingungen. Die derzeitige Strategie der Technologieoffenheit verhindere marktseitige Entscheidungen. „Solange die Politik vorgibt, alle Antriebsoptionen offenhalten zu wollen, verzögert das Investitionen und Kaufentscheidungen“, warnt Studienautor Wolf-Peter Schill. Die Debatte um eine mögliche Aufweichung des EU-Verbrennerverbots sende zusätzlich kontraproduktive Signale.
Laut DIW könnten gezielte Fördermaßnahmen wie Steuervorteile oder die kürzlich eingeführte Elektroauto-Prämie zwar kurzfristig Impulse setzen, entscheidend sei jedoch eine eindeutige politische Fokussierung auf den batterieelektrischen Antrieb. Nur so könne der Markt das notwendige Vertrauen entwickeln – und die Elektromobilität in Deutschland nachhaltig Fahrt aufnehmen.
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