Wirtschaftsrat der CDU will Leistungen in Rente, Pflege und GKV kürzen

Steuern, Rente, Pflege, Kranken- und Unfallversicherung, Wohneigentum, Bürokratie: In seiner „Agenda für die Arbeitnehmer in Deutschland“ schlägt der Wirtschaftsrat weitreichende Reformen der sozialen Sicherungssysteme vor. Das Papier enthält zahlreiche Eingriffe in bestehende Leistungen – mit unmittelbarer Relevanz für Vorsorge, Absicherung und Beratungspraxis.

(PDF)
Der CDU-Wirtschaftsrat hat Vorschläge vorgelegt, die helfen sollen, die Lohnnebenkosten in Deutschland zu senken (Symbolbild).Der CDU-Wirtschaftsrat hat Vorschläge vorgelegt, die helfen sollen, die Lohnnebenkosten in Deutschland zu senken (Symbolbild).DALL-E

Steuern und Abgaben: Entlastung der Erwerbstätigen

Der Wirtschaftsrat sieht die Steuer- und Abgabenlast in Deutschland auf einem international außergewöhnlich hohen Niveau. Für Arbeitnehmer fordert er unter anderem:

  • eine spürbare Anhebung des Grundfreibetrags,
  • eine deutlich spätere Schwelle für den Spitzensteuersatz,
  • einen dauerhaften Inflationsausgleich im Einkommensteuertarif,
  • die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags,
  • eine Senkung der Unternehmenssteuerlast auf maximal 25 Prozent.

Zugleich warnt das Papier vor weiter steigenden Sozialabgaben, die bis 2040 auf rund fünfzig Prozent des Bruttolohns zulaufen könnten.

Rentenversicherung: Abkehr von Sonderleistungen

In der gesetzlichen Rentenversicherung plädiert der Wirtschaftsrat für eine Rücknahme bestehender Privilegierungen. Konkret genannt werden:

  • die Streichung der Mütterrente,
  • das Auslaufen der „Rente mit 63“,
  • die Abschaffung der Grundrente.

Zudem soll das Renteneintrittsalter langfristig über 67 Jahre hinaus an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Frühverrentung soll durch höhere, versicherungsmathematisch korrekte Abschläge unattraktiver werden.

Pflegeversicherung: Rückkehr zum Teilkaskoprinzip

Für die Pflegeversicherung schlägt der Wirtschaftsrat einen Systemwechsel vor. Die gesetzliche Pflegeversicherung soll sich wieder auf eine Grundabsicherung beschränken. Private Zusatzversicherungen sollen künftig eine größere Rolle bei der Absicherung des Pflegerisikos übernehmen.

Krankenversicherung: Leistungskatalog auf dem Prüfstand

Besonders deutlich wird das Papier bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Wirtschaftsrat fordert eine Überprüfung des Leistungskatalogs.
Explizit genannt werden Zahnarzt- und Zahnbehandlungen, die sich nach Auffassung des Wirtschaftsrats „generell gut privat absichern lassen“ und künftig nicht mehr im Umlageverfahren finanziert werden sollten.

Unfallversicherung: Einschränkung des Versicherungsschutzes

Auch die gesetzliche Unfallversicherung steht zur Disposition. Vorgeschlagen wird die Streichung von Unfällen auf Arbeitswegen aus dem Leistungskatalog. Damit würde sich der Schutz künftig auf klassische Arbeitsunfälle beschränken.

Wohneigentum: Immobilien als Teil der Altersvorsorge

Der Wirtschaftsrat versteht selbstgenutztes Wohneigentum ausdrücklich als Säule der privaten Altersvorsorge. Zur Förderung werden unter anderem gefordert:

  • die vollständige Abschaffung der Grunderwerbsteuer beim erstmaligen Erwerb selbstgenutzten Wohneigentums,
  • steuerliche Entlastungen bei Finanzierung und Tilgung,
  • eine Lockerung von Bau-, Energie- und Effizienzvorgaben,
  • der Abbau baurechtlicher und verwaltungstechnischer Hürden.

Bürokratieabbau: Entlastung im Alltag

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Bürokratieabbau. Der Wirtschaftsrat beziffert den jährlichen Erfüllungsaufwand für Bürger und Unternehmen auf über 13 Milliarden Euro. Gefordert werden:

  • der Abbau von Berichts- und Nachweispflichten,
  • eine stärkere Digitalisierung staatlicher Verfahren,
  • die konsequente Umsetzung des Prinzips „Daten nur einmal erfassen“.

Das komplette Papier des CDU-Wirtschaftsrats, der kein Parteigremium ist.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Fordert eine rasche Regierungsbildung: GDV-Geschäftsführer Jörg AsmussenFordert eine rasche Regierungsbildung: GDV-Geschäftsführer Jörg AsmussenGDV
Politik

„Deutschland benötigt jetzt rasch eine handlungsfähige Regierung“

Nach der Bundestagswahl formulieren sowohl der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) als auch der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) klare Erwartungen an die künftige Regierung. Während der GDV den Fokus auf wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und eine nachhaltige Altersvorsorge legt, sieht der PKV-Verband dringenden Handlungsbedarf in der Stabilisierung der Sozialversicherungen und der Stärkung der kapitalgedeckten Vorsorge.
Leeres Krankenhausbett steht für die strukturellen Herausforderungen und Finanzierungslücken in der gesetzlichen Krankenversicherung bis 2035.Leeres Krankenhausbett steht für die strukturellen Herausforderungen und Finanzierungslücken in der gesetzlichen Krankenversicherung bis 2035.Adobe
Gesundheitsvorsorge

2027: 11,8 Milliarden Euro fehlen – DAK fordert Stufenplan

Laut IGES-Projektion steuert die GKV 2027 auf ein strukturelles Defizit von 11,8 Mrd. Euro zu. DAK-Chef Andreas Storm fordert einen dreistufigen Stabilitätspakt für nachhaltige Beitragsfinanzierung.
Die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm.Die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm.Sachverständigenrat Wirtschaft
Politik

Rentenpaket in der Kritik: „Wir beleihen das Einkommen unserer Kinder“

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnt vor einem gefährlichen finanzpolitischen Kurs: Das Rentenpaket belaste den Bundeshaushalt massiv und verschiebe Kosten in die Zukunft. Doch Kritiker halten dagegen und verweisen auf strukturelle Faktoren wie Pensionen, versicherungsfremde Leistungen und die beitragsgedeckte Finanzierung der gesetzlichen Rente.
adobe.stock
Digitalisierung

Deutsche Sozialversicherung fordert klare Regeln für digitale Verwaltung in Europa

Die Träger der Deutschen Sozialversicherung – Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV), Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) und der GKV-Spitzenverband – haben ein gemeinsames Positionspapier zur Digitalisierung in Europa vorgelegt. Darin betonen sie die Rolle der Sozialversicherung als Treiber digitaler Innovationen und fordern klare, praxisnahe Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Verwaltung.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht