Hohe Bewertungen, geopolitische Spannungen und neue Verbraucherrisiken: Die Finanzaufsicht sieht für 2026 eine fragile Gemengelage. Der aktuelle Bericht „Risiken im Fokus“ der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht benennt zentrale Gefahren für Finanzunternehmen – und erstmals auch Top-Risiken für Verbraucher.
Märkte in Hochstimmung – Risiken im Hintergrund
Die deutsche Finanzaufsicht BaFin sieht für das Jahr 2026 ein erhöhtes Risiko für die Stabilität des Finanzsystems. In ihrem aktuellen Bericht „Risiken im Fokus 2026“, der am 28. Januar in Frankfurt vorgestellt wurde, warnt die Aufsicht vor der Möglichkeit plötzlicher Markt- und Preiskorrekturen. Hintergrund seien hohe Marktbewertungen, geopolitische Konflikte sowie strukturelle Unsicherheiten im globalen Finanzsystem.
Zwar seien Banken und Versicherer überwiegend profitabel und solide kapitalisiert, das Zinsumfeld stabil und die Inflationsgefahr in der Eurozone rückläufig. Dennoch bestehe die Gefahr, dass Risiken an den Märkten unterschätzt würden. BaFin-Präsident Mark Branson formulierte es bei der Vorstellung des Berichts so:
„Das Risiko steigt, dass die Finanzstabilität einen Härtetest bestehen muss. Das Potential für plötzliche Markt- und Preiskorrekturen ist hoch.“
Sechs Marktrisiken und drei strukturelle Trends
Für das Jahr 2026 identifiziert die BaFin insgesamt sechs zentrale Risiken für Finanzunternehmen. Dazu zählen unter anderem:
- geopolitische und militärische Konflikte,
- hohe Staats- und Unternehmensverschuldung,
- Unsicherheiten rund um die Bewertung von KI-getriebenem Wachstum,
- sowie eine zunehmende Verflechtung regulierter Institute mit weniger regulierten Marktsegmenten.
Ergänzend benennt die Aufsicht drei langfristige Trends, die den Finanzsektor strukturell verändern: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und geopolitische Umbrüche.
Besondere Aufmerksamkeit richtet die BaFin dabei auf Private-Debt-Fonds und andere Non-Bank-Finanzintermediäre. Die Kreditvergabe von Banken und Versicherern an solche Vehikel könne Ansteckungseffekte auslösen, insbesondere da diese Fonds häufig außerhalb des klassischen Aufsichtsrahmens agieren.
Steigende Insolvenzen und notleidende Kredite
Ein weiteres Augenmerk liegt auf der realwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Die anhaltende konjunkturelle Schwäche habe zu einer steigenden Zahl von Unternehmensinsolvenzen geführt. Entsprechend wachse auch der Anteil notleidender Kredite in den Bilanzen von Banken.
Die BaFin kündigt an, Kreditrisiken im Jahr 2026 intensiv zu überwachen – sowohl auf Ebene der Institute als auch mit Blick auf mögliche systemische Effekte.
Verbraucher erstmals explizit im Fokus
Erstmals weist die BaFin in ihrem Risikobericht auch drei Top-Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher aus:
- drohende Überschuldung, insbesondere durch Konsumentenkredite,
- risikoreiche Investitionen, die über soziale Medien und Finfluencer angestoßen werden,
- sowie kapitalbildende Lebensversicherungen mit überhöhten Kosten.
Besondere Sorgen bereiten der Aufsicht sogenannte „Buy now, pay later“-Modelle, bei denen Konsumgüter über kleine Kredite finanziert werden – häufig ohne umfassende Bonitätsprüfung. Laut BaFin verleiten die niedrigen Beträge und die einfache Abwicklung zu Impulskäufen, wodurch Verbraucher leicht den Überblick über ihre finanziellen Verpflichtungen verlieren.
Krypto-Markt: Chancen und systemische Risiken
Auch der Kryptomarkt bleibt aus Sicht der Aufsicht ein Risikofeld. Die BaFin warnt vor möglichen Schockwirkungen, etwa wenn Stablecoins ihre Bindung an Referenzwerte verlieren. Ein massenhafter Rückzug von Investoren könne nicht nur den Kryptomarkt, sondern auch den traditionellen Finanzmarkt erfassen.
Zudem beobachtet die Aufsicht, dass private Anleger deutlich risikofreudiger investieren, wenn sie sich über soziale Medien oder Finfluencer informieren. Entsprechend will die BaFin ihre Aufsicht über Krypto-Anbieter verstärken und den Verbraucherschutz weiter ausbauen.
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