PKV-Vollversicherung 2024: Gewinner und Verlierer im Bestandsvergleich

Veröffentlichung: 21.01.2026, 17:01 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Nach Jahren rückläufiger Bestände zeigt die PKV-Vollversicherung erstmals wieder leichtes Wachstum. Neue Zahlen aus dem aktuellen map-Report machen sichtbar, welche Versicherer 2024 deutlich zulegen konnten – und wo die Vollversicherung weiter unter Druck steht.

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Leichte Erholung nach langem Rückgang

Die Vollversicherung bleibt trotz der wachsenden Bedeutung von Krankenzusatzpolicen das zentrale Geschäftsfeld der Privaten Krankenversicherung. Nach mehreren Jahren des Rückgangs setzte bereits 2023 eine leichte Stabilisierung ein, die sich 2024 fortsetzte. Die Zahl der PKV-Vollversicherten erhöhte sich im vergangenen Jahr um knapp 30.000 Personen, was einem Plus von 0,34 Prozent gegenüber 2023 entspricht.

Zuvor hatten demografische Effekte, die schrittweise Anhebung der Versicherungspflichtgrenze sowie eine intensive öffentliche Debatte über Beitragssteigerungen im Alter die Bestandsentwicklung belastet. Der aktuelle map-Report 940 „Bilanzrating Private Krankenversicherung 2024“ zeigt nun erstmals wieder eine – wenn auch moderate – Gegenbewegung.

Marktführer mit den größten absoluten Zugewinnen

In absoluten Zahlen verzeichnete Debeka den stärksten Zuwachs. Der Versicherer konnte im Jahresvergleich 27.270 Vollversicherte hinzugewinnen. Es folgt ARAG mit 19.987 neuen Vollversicherten. Ebenfalls deutlich zulegen konnten HanseMerkur mit 13.172 sowie Barmenia mit 9.350 zusätzlichen Versicherten.
Unter den fünf größten Anbietern gelang neben Debeka lediglich Axa ein positives Ergebnis – mit einem vergleichsweise moderaten Plus von 1.718 Personen.
Auswertungen zu Übertragungswerten deuten darauf hin, dass insbesondere Arag und HanseMerkur von Umdeckungen profitierten, also von Wechseln innerhalb der PKV, nicht von Neueintritten aus der gesetzlichen Krankenversicherung.

Prozentual stärkstes Wachstum bei kleineren Anbietern

Ein anderer Blickwinkel ergibt sich aus der prozentualen Entwicklung der Bestände. Hier führt die Arag mit einem Plus von 22,85 Prozent die Branche an. Dahinter folgen die Mecklenburgische Versicherung mit knapp zehn Prozent Wachstum sowie die Concordia Versicherung mit 6,34 Prozent. Beide Anbieter verfügen über vergleichsweise kleinere Vollversicherungsbestände, was hohe relative Zuwächse begünstigt.

Wo die Bestände schrumpften

Auf der Verliererseite stehen mehrere etablierte Anbieter. Der Münchener Verein und die Nürnberger Versicherung verloren jeweils 2,54 Prozent ihrer Vollversicherten. Bei der Landeskrankenhilfe lag das Minus bei 2,50 Prozent.

Besonders ins Gewicht fällt der Rückgang bei der DKV, dem drittgrößten PKV-Anbieter. 2024 sank der Bestand um 2,36 Prozent, was mehr als 16.000 Personen entspricht. Über den Zeitraum von 2020 bis 2024 summiert sich der Verlust auf 58.350 Vollversicherte – rund acht Prozent des Bestands.

Langfristiger Blick: Branche unter strukturellem Druck

Den historischen Höchststand erreichte die PKV-Vollversicherung im Jahr 2011 mit 8.976.400 Versicherten. Seitdem hat der Markt mehr als 230.000 Personen verloren. Zwischen 2020 und 2024 verlangsamte sich dieser Rückgang spürbar, 2023 und 2024 kam es sogar wieder zu leichten Zuwächsen. Als Einflussfaktoren gelten unter anderem die angespannte Finanzlage der GKV und steigende Beitragssätze.

Stabile oder wachsende Bestände sind für die PKV von zentraler Bedeutung. Ein Mangel an jungen Versicherten erschwert den demografischen Ausgleich und erhöht langfristig den Beitragsdruck. Auch das Anwartschaftsdeckungsverfahren mit der Bildung von Alterungsrückstellungen gerät bei schrumpfenden Beständen unter Spannung. Damit wächst zugleich die Abhängigkeit der Anbieter vom Zusatzversicherungsgeschäft.

Ein Markt mit Bewegung, aber ohne klare Trendwende

Die Zahlen für 2024 zeigen deutliche Verschiebungen zwischen einzelnen Anbietern. Während Versicherer wie Debeka, Arag und HanseMerkur Zugewinne verbuchen konnten, verzeichneten andere spürbare Rückgänge. Der Gesamtanstieg von 0,34 Prozent bleibt jedoch gering. Von einer nachhaltigen Trendwende kann daher noch nicht gesprochen werden. Belastbare Aussagen für das Jahr 2025 werden erst im Verlauf von 2026 möglich sein. Ob sich die leichte Erholung verstetigt oder lediglich eine Zwischenphase darstellt, bleibt offen.

Hintergrund:
Der map-Report 940 „Bilanzrating Private Krankenversicherung 2024“, erschienen im September 2025, analysiert die Bilanzkennzahlen von 36 Krankenversicherern und beleuchtet unter anderem Ertragslage, Übertragungswerte sowie die Entwicklung der Vollversicherungsbestände im Geschäftsjahr 2024. Im Rating erhielten uniVersa, LVM, Alte Oldenburger und SIGNAL IDUNA die höchste Bewertungskategorie „mmm+“. Der Report ist kostenpflichtig als PDF erhältlich.

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