„Finanzbildung gehört in die Schulen – aber mit Profis“

Veröffentlichung: 12.11.2025, 11:11 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Finanzbildung ist keine Kür, sondern eine Schlüsselkompetenz. Doch an deutschen Schulen spielt sie weiterhin kaum eine Rolle. AfW-Vorständin Franziska Geusen fordert, Fachleute aus der Finanzbranche stärker einzubinden – und warnt vor ideologischen Scheindebatten über Interessenkonflikte.

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AfW-Vorständin Franziska Geusen fordert, Fachleute aus der Finanzbranche stärker einzubinden – und warnt vor ideologischen Scheindebatten über Interessenkonflikte.AfW-Vorständin Franziska Geusen fordert, Fachleute aus der Finanzbranche stärker einzubinden – und warnt vor ideologischen Scheindebatten über Interessenkonflikte.AfW

Finanzbildung als gesellschaftliche Aufgabe

Das Wissen über Vorsorge, Versicherungen und finanzielle Absicherung ist in Deutschland ungleich verteilt. Viele junge Menschen verlassen die Schule, ohne grundlegende Kenntnisse über Altersvorsorge, Berufsunfähigkeitsversicherung oder den Sinn einer Haftpflicht zu haben. Für Franziska Geusen, Geschäftsführerin der Hans John Versicherungsmakler GmbH und Vorständin des AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung, ist das ein strukturelles Problem:

„Finanzbildung ist kein ‚Nice-to-have‘, sie ist Lebenskompetenz. Und trotzdem überlässt unser Bildungssystem dieses Thema weitgehend dem Zufall. Oder TikTok“, schreibt Geusen in einem LinkedIn-Beitrag. Gerade Kinder aus bildungsfernen Familien seien die Leidtragenden. Ihnen fehle häufig die familiäre Vermittlung wirtschaftlicher Grundkenntnisse – mit Folgen bis ins Erwachsenenalter.

Finanzprofis gehören ins Klassenzimmer

Geusen plädiert dafür, Makler, Bankangestellte und Versicherungsmitarbeiter aktiv in die schulische Finanzbildung einzubeziehen – nicht als Verkäufer, sondern als Wissensvermittler. „Finanzprofis gehören in die Schulen. Nicht als Verkäufer, sondern als Vermittlerinnen und Vermittler von Wissen aus der Praxis.“ Eine rein theoretische Aufklärung durch staatliche Institutionen oder Verbraucherzentralen könne die notwendige Tiefe kaum leisten, argumentiert Geusen. Diese verfügten weder über ausreichende Kapazitäten noch über das notwendige Marktverständnis.

Debatte um Zuständigkeiten – und Vorurteile

Auslöser der Diskussion war ein Streitgespräch zwischen Norman Wirth (AfW) und einer Vertreterin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die die Verbraucherzentralen als geeigneter für Finanzbildung bezeichnete. Geusen hält das für „gefährlich naiv“. Sie kritisiert den wiederkehrenden Vorwurf, Makler würden Finanzbildung nur als Kundengewinnung begreifen: „Dieser immer wiederkehrende Vorwurf, Maklerinnen und Makler würden in Schulen nur auf Kundenfang gehen, ist nichts anderes als billige Polemik.“ Tatsächlich, so Geusen, gebe es bereits seit Jahren erfolgreiche Initiativen von Maklerinnen, Maklern und engagierten Lehrkräften. Viele ihrer Mitglieder bekämen jedoch Rückmeldungen, dass Engagement durch Schulen oder Behörden oft blockiert werde.

„Lasst die sprechen, die wissen, wovon sie reden“

Geusen fordert, Fachleute aus der Finanz- und Versicherungsbranche endlich als Teil der Lösung anzuerkennen. Wer in Deutschland auf „durchschnittliche Finanzbildung“ verweise, verkenne die Realität: „Wer ernsthaft glaubt, wir hätten in Deutschland gute Finanzbildung, nur weil wir im OECD-Vergleich nicht ganz hinten stehen, der macht es sich gefährlich einfach. Durchschnitt schützt niemanden vor finanzieller Ahnungslosigkeit.“

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