Jeder Dritte war schon Mobbingopfer

Veröffentlichung: 27.09.2018, 05:09 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Die Problemfelder Mobbing und Cybermobbing sind nicht nur auf junge Menschen begrenzt. Auch Erwachsene sind in hohem Maße davon betroffen, sei es am Arbeitsplatz oder im Internet – Angriffe von und gegen Erwachsene, sind keine Seltenheit mehr. Dies zeigt eine Studie von Bündnis gegen Cybermobbing e.V., die mit Unterstützung der INTER Versicherung in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt wurde.

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Die Studie liefert nach 2014 aktuelle Daten, zu Ausmaß, Formen, Reaktionen, Folgen und Prävention zu Mobbing und Cybermobbing.

Zunehmendes gesellschaftliches Problem

Demnach werden beide Themen als stark zunehmendes gesellschaftliches Problem in allen drei Ländern wahrgenommen. In Deutschland sind 30,1 Prozent, in Österreich 32,5 Prozent und in der Schweiz 34,8 Prozent der Befragten schon einmal Opfer von Mobbingattacken gewesen.

Beim Cybermobbing ist gegenüber 2014 eine Steigerung in Deutschland um 13,6 Prozent, von 8,1 auf 9,2 Prozent festzustellen. In Österreich liegt der Anteil bei 9,4 Prozent und in der Schweiz bei 8,6 Prozent.

Frauen und jüngere Menschen häufig betroffen

Besonders alarmierend sind die Zahlen bei jüngeren Menschen (20-25 Jahre). Hier zeigen sich besonders hohe Werte bei Mobbing (50 Prozent) und Cybermobbing (18 Prozent).

38 Prozent der befragten Frauen gaben an, schon einmal Ziel von Mobbing gewesen zu sein. Bei ihnen besteht laut den Ergebnissen der Studie ein 1,5-mal höheres Mobbingrisiko als bei Männern.

Mobbing bei der Arbeit

Mobbing bei Erwachsenen prägt in hohem Maße die gesamte Arbeitswelt, denn 57 Prozent der Vorfälle in Deutschland finden dort satt. Neid und eine auffällige Erscheinung sind die häufigsten Ursachen für Mobbing und Cybermobbing im Arbeitsumfeld. Fast jeder dritte Täter gibt an, „aus Ärger mit der Person“ gehandelt zu haben oder weil „andere das auch machen“. Vorgesetzte sind laut der Studie in über der Hälfte der Mobbingfälle am Arbeitsplatz als Täter oder Mittäter beteiligt.

Schlimme Folgen für die Opfer

Die oftmals schweren Folgen können sich auf die physische wie psychische Gesundheit der Opfer sowie auf ihr privates und berufliches Umfeld erstrecken – und im äußersten Fall zu einer existentiellen Notlage führen.

Fast 50 Prozent der Betroffenen von Mobbing und Cybermobbing klagen über Persönlichkeitsveränderungen und Depressionen. Extremausprägungen sind schwindendes Selbstwertgefühl, Zwangsstörungen sowie die Flucht in Alkohol oder andere Suchtmittel. Mehr als jedes zehnte Opfer stuft sich sogar als suizidgefährdet ein. Auf Deutschland bezogen sind das fast 2,5 Millionen Menschen.

Mobbing und Cybermobbing haben auch wirtschaftliche Auswirkungen: Davon Betroffene weisen jährlich fast 4 Krankheitstage mehr auf, als nicht betroffene Beschäftigte und streben laut Studie doppelt so oft einen Wechsel des aktuellen Arbeitgebers an als Nichtopfer. Die mit Mobbingvorfällen direkt verbundenen Krankheitsfolgekosten für deutsche Unternehmen belaufen sich auf circa 5 Milliarden Euro im Jahr. In Österreich betragen die Kosten circa 310 Millionen Euro, in der Schweiz sind sie ähnlich hoch.

Unternehmen ist Dringlichkeit nicht bewusst

Dennoch scheinen die Unternehmen wie schon 2014, die Dringlichkeit der Problematik nicht erkannt zu haben. Und das in einer Zeit der fehlenden Fachkräfte, so Uwe Leest. Nur wenige Arbeitgeber bieten Präventionsmaßnahmen an, obwohl die durch Mobbing und Cybermobbing entstandenen Fehlzeiten und Ausfälle und die daraus entstandenen Kosten immens sind.

Aus den Studienergebnissen leitet Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender des Bündnis gegen Cybermobbing, folgende Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Politik und Gesellschaft ab:

„Um Mitarbeiter für das Thema Mobbing und Cybermobbing zu sensibilisieren und darüber aufzuklären, sind Schulungen, Seminare und Informationsveranstaltungen im Unternehmen notwendig. …

Wünschenswert für alle Betroffenen, unabhängig ob im Unternehmen oder im sozialen Umfeld, wären flächendeckende Mobbingberatungsstellen sowie anonyme Hotlines, an die sich Hilfesuchende wenden können.

Neben Unternehmen und der Gesellschaft, muss auch die Politik ihrer Verantwortung nachkommen. Zum Schutze der Opfer fordert das Bündnis gegen Cybermobbing ein (Cyber-)Mobbinggesetzes, das es in Österreich schon seit 2016 gibt.“

Bild: © Antonioguillem / fotolia.com

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