Kapitalanleger der Versicherer vor immensen Herausforderungen

Veröffentlichung: 24.07.2018, 05:07 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Für den aktuellen Marktausblick zur Kapitalanlage holte sich die ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur GmbH die Meinung der Entscheider im Asset Management zu wesentlichen kapitalmarktrelevanten Themenstellungen ein.

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21 Lebensversicherer, elf Krankenversicherer und 16 Schaden-/Unfallversicherer beteiligten sich an dieser Befragung.

Festverzinser dominieren weiterhin

Festverzinsliche Wertpapiere sind auch im laufenden Jahr die wichtigste Anlageform in den Portfolios der deutschen Erstversicherer. Dabei investieren Personenversicherer knapp 90 Prozent und Schaden/Unfallversicherer immerhin gut drei Viertel ihrer Kapitalanlagen in Rentenpapiere.

Leitzinserhöhung der EZB unwahrscheinlich

Das Ertragsprofil von festverzinslichen Anlagen hängt maßgeblich vom allgemeinen Zinsniveau sowie den gehandelten Aufschlägen in Form von Risikoprämien (Credit Spreads) ab. Beide Komponenten werden von der Politik sowie von makroökonomischen Faktoren beeinflusst.

Aufgrund der unterschiedlichen äußeren Einflüsse fällt die Erwartungshaltung für beide Renditebestandteile bei den Kapitalanlegern differenziert aus: 36 der 48 teilnehmenden Unternehmen können sich für 2018 auf gar keinen Fall eine Leitzinserhöhung vorstellen, vier erachten sie als eher unrealistisch. Lediglich sieben Gesellschaften halten einen solchen Schritt der EZB für denkbar.

Ulf Müller, Fachkoordinator Kapitalanlage bei der Rating-Agentur, dazu:

„Auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der gestiegenen Inflation in der Eurozone angekündigt hat, das Anleiheaufkaufprogramm zum Jahresende einzustellen, erscheint eine baldige Leitzinserhöhung auch aus Sicht von Assekurata unwahrscheinlich. Eine Nicht-Anhebung hätte zur Folge, dass sich die Schere zwischen dem hiesigen Leitzins und dem US-amerikanischen weiter öffnet und verstärkt Kapital in Richtung USA wandert.“

Zins- und Spread-Entwicklung sowie Bund-Rendite

36 Unternehmen erwarten tendenziell eine positive Spread-Entwicklung, von einer Einengung hingegen gehen lediglich vier Kapitalanleger aus. Dass eine Erhöhung der Spreads im kommenden Jahr ausreicht, um gerade in Europa die niedrigen Nominalzinsen unter Risiko-Rendite- Gesichtspunkten vollständig kompensieren zu können, ist aus Sicht von Assekurata jedoch unwahrscheinlich.

Eine rasche Zinswende ist auch bei Betrachtung der Bundesanleihen verschiedener Laufzeiten nicht zu erkennen. ln diesem Zusammenhang hat Assekurata die Kapitalanleger der Gesellschaften gebeten. eine Einschätzung über die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe als Indikator für das hiesige Zinsniveau zum 31.12.2018 abzugeben.

Der Erwartungswert liegt in allen drei Sparten im arithmetischen Mittel bei circa 0,80 Prozent. Dies entspräche dem höchsten Wert seit Sommer 2015 und lässt gegenüber der aktuellen Bund-Rendite (rund 0,30 Prozent) einen leichten Optimismus in der Branche erkennen.

Mehr Bedeutung für alternative Investitionsformen

Für Lebens- und Krankenversicherer steigt die Herausforderung, allein mit klassischen festverzinslichen Wertpapieren eine Rendite zu erwirtschaften, um die Artgarantien und Rechnungszinsen zu bedienen.

In diesem Zusammenhang signalisierte ein Großteil der befragten Unternehmen die Bereitschaft, die Risikoneigung in der Kapitalanlage perspektivisch zu erhöhen. Als mögliche Afternativen wurden hierbei Aktien, Infrastrukturinvestments oder die Direktvergabe von Krediten ins Feld geführt.

Ulf Müller sagt:

„Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Niedrigzinsphase womöglich noch länger anhalten könnte, wäre es durchaus begrüßenswert, wenn die Branche auf lange Sicht Alternativen zu klassischen Rentenanlagen aktiver verfolgen würde. Trotz aufsichtsrechtlicher Hürden oder negativer äußerer Einflüsse können diese Investitionen mitunter einen wertvollen Ergebnisbeitrag für die Zukunft liefern und die Abhängigkeit vom Zinsniveau reduzieren.“

Bild: © alphaspirit / fotolia.com

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