Deutsche vertrauen dem Justizsystem und wünschen sich Sammelklagen

Veröffentlichung: 14.03.2018, 06:03 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die Bürger in Deutschland haben noch immer genauso viel Vertrauen in das deutsche Justizsystem: 68 Prozent der Bevölkerung haben sehr viel oder ziemlich viel Vertrauen in die Gesetze, 64 Prozent in die Gerichte. Das geht aus dem ROLAND Rechtsreport 2018 hervor, der in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach entstanden ist.

(PDF)
Auspuff-156828707-FO-Rainer-FuhrmannAuspuff-156828707-FO-Rainer-Fuhrmann

Nichtsdestotrotz wächst die Zahl derer, die eine Überlastung der Gerichte bemerken: Von 60 Prozent im Jahr 2010 auf 77 Prozent im vergangenen Jahr.

Kritik an der Arbeit der Gerichte

83 Prozent kritisieren in Bezug auf das Justizsystem insbesondere die langen Verfahrensdauern und ihrer Ansicht nach zu milden Strafen. Besonders gegenüber jugendlichen Straftätern sollten die Gerichte härter durchgreifen, sagen 57 Prozent.

Mehr als die Hälfte (58 Prozent) hat den Eindruck, dass Urteil und Strafmaß stark vom jeweils zuständigen Gericht und vom verpflichteten Anwalt abhängen. 66 Prozent sind der Meinung, dass ein bekannter Anwalt die Chancen auf ein günstiges Urteil erhöht. Auch finden 55 Prozent die deutschen Gesetze viel zu kompliziert.

Mediation: Bekanntheit wächst

Mittlerweile haben 73 Prozent der Bevölkerung schon einmal gehört von Mediation gehört und sind offen eine außergerichtliche Konfliktlösung. Zwar ist das Mediationsverfahren nach wie vor besonders bei Bürgern mit höherer Schulbildung bekannt, die Bekanntheit hat in den vergangenen Jahren jedoch am stärksten bei Personen mit einfacher Schulbildung zugenommen. 49 Prozent denken, dass sich mit der Mediation viele Streitigkeiten beilegen lassen – bei denen, die das Verfahren vor der Befragung bereits kannten, sind es sogar 52 Prozent.

Dieselskandal mit Auswirkungen

Auch zeigt der Report, dass der Ruf der Automobilindustrie durch den Dieselskandal stark gelitten hat: Äußerten sich 2014 noch 62 Prozent der Bevölkerung positiv über deutsche Autohersteller, sind es inzwischen nur noch 26 Prozent. Damit wird die Automobilbranche ähnlich beurteilt wie die Energiewirtschaft oder Chemische Industrie.

Allerdings ist keine starke Auswirkung auf das Kaufverhalten im Rechtsreport 2018 erkennbar: Lediglich jeder Vierte gibt an, künftig keinen Diesel mehr kaufen zu wollen. Vielmehr finden 20 Prozent der Bundesbürger die Aufregung über die Manipulationen übertrieben, bei den Dieselfahrern sogar 30 Prozent. Allerdings stand zum Befragungszeitraum das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu möglichen Fahrverboten aus.

Einführung von Sammelklagen

Laut Rechtsreport 2018 würden 79 Prozent der Bundesbürger die Einführung von Musterfeststellungsklagen (Sammelklagen) als juristisches Mittel begrüßen, lediglich sechs Prozent wären dagegen.

Wenn mögliche Nachteile genannt werden, wie das Entstehen einer Klageindustrie, von der vor allem Rechtsanwälte profitieren würden, ändert sich das Bild: Die Gruppe der Befürworter schrumpft auf 63 Prozent, während die Gruppe der Gegner auf 21 Prozent wächst. Diese starke Beeinflussung des Meinungsbilds durch ein einziges Argument ist häufig ein Hinweis darauf, dass sich die Bevölkerung noch nicht besonders stark mit der entsprechenden Thematik auseinandergesetzt hat. Das bedeutet, dass die Akzeptanz von Sammelklagen in Deutschland vermutlich stark davon abhängt, wie diese Klageform in der Praxis ausgestaltet wäre.

Bild: © Rainer Fuhrmann / fotolia.com

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Vertrauen in den Rechtsstaat: Deutschland im internationalen Vergleich nur im MittelfeldVertrauen in den Rechtsstaat: Deutschland im internationalen Vergleich nur im MittelfeldGrok
Studien

Vertrauen in den Rechtsstaat: Deutschland nur im Mittelfeld

Wie stark vertrauen Bürgerinnen und Bürger in den Rechtsstaat? Eine internationale Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der ARAG SE zeigt: Innerhalb Europas besteht ein klares Nord-Süd-Gefälle.
Enraged angry business man yelling and screaming with fury and fEnraged angry business man yelling and screaming with fury and fTeodor Lazarev – stock.adobe.com
Recht

Das sind die Top 5 Risiken für einen Rechtsstreit

Auch im Jahr 2022 gerieten Privatkunden wie im Vorjahr am häufigsten in Rechtsstreitigkeiten rund um Verträge. Dahinter bilden Streitigkeiten im Straßenverkehr und um Schadenersatzforderungen das größte Konfliktrisiko.
Auto entsteht aus digitalem ModellAuto entsteht aus digitalem Modelllassedesignen – stock.adobe.com
Digitalisierung

Fahrzeugdaten: Wahlfreiheit statt Datenmonopol!

Die deutschen Versicherer wollen das aktuelle Monopol der Automobilindustrie über die Daten vernetzter Fahrzeuge beenden. Stattdessen schlagen sie und andere Mobilitätsdienstleister ein Modell vor, das den Eigentümern der Autos die volle Kontrolle über die Fahrzeugdaten gibt.
Single man standing in front of group of people.Single man standing in front of group of people.Photocreo Bednarek – stock.adobe.com
Politik

Vertrauen ins Rechtssystem leidet unter der Impffrage

Wer sich nicht gegen eine Infektion mit dem Corona-Virus impfen lassen möchte, der hat signifikant weniger Vertrauen in die Gesetze und Gerichte in unserem Land. Die Polarisierung der Gesellschaft bei der Impf-Frage zeigt sich somit auch in der Bewertung des deutschen Justizsystems. Das geht aus dem ROLAND Rechtsreport 2022 hervor, den ROLAND Rechtsschutz am 22.02.2022 veröffentlicht hat.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht