Deutsche vertrauen dem Justizsystem und wünschen sich Sammelklagen
Die Bürger in Deutschland haben noch immer genauso viel Vertrauen in das deutsche Justizsystem: 68 Prozent der Bevölkerung haben sehr viel oder ziemlich viel Vertrauen in die Gesetze, 64 Prozent in die Gerichte. Das geht aus dem ROLAND Rechtsreport 2018 hervor, der in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach entstanden ist.
Nichtsdestotrotz wächst die Zahl derer, die eine Überlastung der Gerichte bemerken: Von 60 Prozent im Jahr 2010 auf 77 Prozent im vergangenen Jahr.
Kritik an der Arbeit der Gerichte
83 Prozent kritisieren in Bezug auf das Justizsystem insbesondere die langen Verfahrensdauern und ihrer Ansicht nach zu milden Strafen. Besonders gegenüber jugendlichen Straftätern sollten die Gerichte härter durchgreifen, sagen 57 Prozent.
Mehr als die Hälfte (58 Prozent) hat den Eindruck, dass Urteil und Strafmaß stark vom jeweils zuständigen Gericht und vom verpflichteten Anwalt abhängen. 66 Prozent sind der Meinung, dass ein bekannter Anwalt die Chancen auf ein günstiges Urteil erhöht. Auch finden 55 Prozent die deutschen Gesetze viel zu kompliziert.
Mediation: Bekanntheit wächst
Mittlerweile haben 73 Prozent der Bevölkerung schon einmal gehört von Mediation gehört und sind offen eine außergerichtliche Konfliktlösung. Zwar ist das Mediationsverfahren nach wie vor besonders bei Bürgern mit höherer Schulbildung bekannt, die Bekanntheit hat in den vergangenen Jahren jedoch am stärksten bei Personen mit einfacher Schulbildung zugenommen. 49 Prozent denken, dass sich mit der Mediation viele Streitigkeiten beilegen lassen – bei denen, die das Verfahren vor der Befragung bereits kannten, sind es sogar 52 Prozent.
Dieselskandal mit Auswirkungen
Auch zeigt der Report, dass der Ruf der Automobilindustrie durch den Dieselskandal stark gelitten hat: Äußerten sich 2014 noch 62 Prozent der Bevölkerung positiv über deutsche Autohersteller, sind es inzwischen nur noch 26 Prozent. Damit wird die Automobilbranche ähnlich beurteilt wie die Energiewirtschaft oder Chemische Industrie.
Allerdings ist keine starke Auswirkung auf das Kaufverhalten im Rechtsreport 2018 erkennbar: Lediglich jeder Vierte gibt an, künftig keinen Diesel mehr kaufen zu wollen. Vielmehr finden 20 Prozent der Bundesbürger die Aufregung über die Manipulationen übertrieben, bei den Dieselfahrern sogar 30 Prozent. Allerdings stand zum Befragungszeitraum das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu möglichen Fahrverboten aus.
Einführung von Sammelklagen
Laut Rechtsreport 2018 würden 79 Prozent der Bundesbürger die Einführung von Musterfeststellungsklagen (Sammelklagen) als juristisches Mittel begrüßen, lediglich sechs Prozent wären dagegen.
Wenn mögliche Nachteile genannt werden, wie das Entstehen einer Klageindustrie, von der vor allem Rechtsanwälte profitieren würden, ändert sich das Bild: Die Gruppe der Befürworter schrumpft auf 63 Prozent, während die Gruppe der Gegner auf 21 Prozent wächst. Diese starke Beeinflussung des Meinungsbilds durch ein einziges Argument ist häufig ein Hinweis darauf, dass sich die Bevölkerung noch nicht besonders stark mit der entsprechenden Thematik auseinandergesetzt hat. Das bedeutet, dass die Akzeptanz von Sammelklagen in Deutschland vermutlich stark davon abhängt, wie diese Klageform in der Praxis ausgestaltet wäre.
Bild: © Rainer Fuhrmann / fotolia.com
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