Stresstest: Widerstandsfähigkeit gegen Katastrophenszenarien

Veröffentlichung: 06.02.2017, 08:02 Uhr - Lesezeit 8 Minuten

Wie würde der größte Versicherungsmarkt der Welt in schlimmsten Katastrophenszenario reagieren? Ein White Paper gewährt vielsagende Einblicke in einen einzigartigen Branchentestlauf, bei dem ein noch nie dagewesenes Katastrophenszenario mit Schäden in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar simuliert wurde.

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Ein Konsortium aus führenden Londoner Versicherungsgesellschaften und assoziierten Unternehmen („Industry Steering Group“) veröffentlichte Ende Januar dazu eine Dokumentation und beschreibt darin die Widerstandsfähigkeit des Londoner Versicherungsmarkts bei einer großen Katastrophe. Unter der Leitung von Hiscox wurden mit der von McKinsey & Company durchgeführten Übung zwei ganz verschiedene, in schneller Folge auftretende fiktive Schadensereignisse getestet. Die gewählten Ereignisse stehen sinnbildlich für die Unvorhersehbarkeit von Risiken:

  • ein äußerst zerstörerischer Hurrikan
  • ein beispielloser Cyber-Zwischenfall
  • der Kollaps eines der größten Aktienmärkte
  • der Ausfall eines großen Rückversicherers mit der Folge verzögerter Rückversicherungszahlungen

Die simulierten Ereignisse führten zu außerordentlichen weltweiten Versicherungsschäden in Höhe von etwa 200 Milliarden US-Dollar. Dieser Betrag wäre der größte jemals eingetretene Schaden – mehr als doppelt so groß wie der durch den Hurrikan Katrina verursachte Schaden und mindestens viermal größer als der Versicherungsschaden im Zusammenhang mit den Anschlägen auf das World Trade Center.

Die Industry Steering Group definiert folgende Ergebnisse:

  • Im Rahmen des Testlaufs gingen die Teilnehmer davon aus, dass sie auf ausreichende praktische und finanzielle Ressourcen zur Regulierung der durch ein derartiges Ereignis hervorgerufenen Schäden zurückgreifen könnten sowie außerdem in der Lage wären, Leistungsansprüche der Kunden angemessen abzuwickeln und gleichzeitig die Kontinuität des Versicherungsschutzes zu gewährleisten, um ihre herausragende Weltmarktstellung weiter auszubauen.
  • Diese Schlussfolgerung stützt sich auf die Robustheit der von den Unternehmen abgeschlossenen Rückversicherungs- und Rekapitalisierungs-Vereinbarungen sowie auf die Fähigkeit der Unternehmen, diese Vereinbarungen in einem turbulenten Finanzmarkt umzusetzen. Der Testlauf ergab keine erheblichen Liquiditätsprobleme. Allerdings wurde eingeräumt, dass es sich um einen vereinfachten Test handelte – ein tatsächlich stattfindendes Ereignis könnte die Liquidität in größerem oder geringerem Umfang beanspruchen.
  • Nachdem fünf Schlüsselbereiche untersucht wurden, die im Rahmen einer Reaktion auf marktverändernde Ereignisse traditionell als bedeutend gelten (Kapital, Zinssatz, Liquidität, versicherungstechnische Kompetenz und aufsichtsbehördliche Resonanz), kamen die Teilnehmer zu der Überzeugung, dass sich der Londoner Versicherungsmarkt dank umfassender Underwriting-Expertise und erprobter Regulierungsmaßnahmen bei und nach einem Großschadensereignis von anderen abhebt. Gleichzeitig räumten die Teilnehmer ein, dass eine robuste Kapitalausstattung nach wie vor Grundvoraussetzung ist.

Im Rahmen des Projektes werden außerdem eine Reihe von Empfehlungen für „Best-in-Class-Practices“ zur weiteren Stärkung des Londoner Markts als Kompetenzzentrum skizziert. Die Empfehlungen decken im Wesentlichen drei Bereiche ab:

  • Gewährleistung einer anstandslosen Kundenbetreuung durch die Implementierung interner Prozesse zur effektiven Reaktion auf marktverändernde Ereignisse
  • Behauptung der führenden Position und Kompetenz des Londoner Markts im Weltmarkt durch Stärkung der Stellung von Lloyd's sowie durch proaktiven Kontakt zu Interessensvertretern
  • Zusammenarbeit mit der Prudential Regulation Authority (PRA) zur Klärung gegenseitiger Erwartungen und Gewährleistung einer effektiven Regulierung nach einem Katastrophenfall

Robert Childs, Chairman der Hiscox Group, sagte:

„Seit dem 11. September 2001 gab es kein einschneidendes Ereignis mehr für den Markt. Für uns ist es wichtig zu verstehen, wie wir im heutigen Handelsumfeld agieren könnten. Tests wie dieser werden häufig von einer Aufsichtsbehörde vorgeschrieben, doch unserer geht von der Branche selbst aus, was den Londoner Markt von anderen abhebt. Wir haben unsere Robustheit, Widerstandsfähigkeit und Geschäftsfähigkeit getestet und sind bereit, unsere Kunden auch in stürmischen Zeiten zu unterstützen sowie finanzielle und wirtschaftliche Stabilität zu garantieren. Ich möchte mich bei meinen Kollegen aus der ganzen Branche für ihre harte Arbeit und ihre Unterstützung bei diesem Projekt bedanken – bei Versicherern, Maklern, Lloyd's, Ratingagenturen, Aufsichtsbehörden sowie dem Finanz- und Wirtschaftsministerium.“

Karl Hennessy, President von Aon Broking, der eine der beiden Arbeitsgruppen des Projekts leitete, fügte hinzu:

„Dieser Testlauf demonstriert das einzigartige Leistungsversprechen des Londoner Marktes, nämlich die Fähigkeit, spezialisierte Underwriter, Makler, Schadensbearbeiter und andere Fachkräfte dann zusammenzubringen, wenn unsere Kunden uns am dringendsten brauchen ebenso wie in der Zeit danach. In einem immer stärker umkämpften weltweiten (Rück-) Versicherungsmarkt sind derartige Tests neben den Bemühungen zur Marktmodernisierung (London Market Target Operating Model) von entscheidender Bedeutung dafür, dass London seine Stellung als herausragendes Zentrum versicherungstechnischer Kompetenz behaupten und weiterentwickeln kann, im Dienste von Kunden auf der ganzen Welt.“

Der Wirtschaftsreferent des Finanz- und Wirtschaftsministeriums, der Unterhausabgeordnete Simon Kirby, kommentierte das White Paper wie folgt: „Als weltweites Drehkreuz für Versicherung und Rückversicherung spielt der Londoner Markt eine wichtige Rolle bei der Wirtschaftsförderung in Großbritannien und auf der ganzen Welt. Dank der Bemühungen der Regierung, von Aufsichtsbehörden und der Wirtschaft ist das Finanzsystem Großbritanniens von Grund auf stark. Proaktive, von der Wirtschaft ausgehende Tests wie dieser verbessern unsere Fähigkeit, die Risiken der Zukunft zu erkennen und zu steuern.“

Bilder: © alphaspirit / fotolia.com

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