GKV: Überschuss im 1. Halbjahr von 600 Mio. Euro

Veröffentlichung: 07.09.2016, 10:09 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Die gesetzlichen Krankenkassen wiesen im 1. Halbjahr 2016 einen Überschuss von 598 Mio. Euro aus. Einnahmen in Höhe von rund 111,6 Mrd. Euro standen nach den vorläufigen Finanzergebnissen des 1. Halbjahres 2016 Ausgaben von rund 111 Milliarden Euro gegenüber. Sämtliche Kassenarten melden ein positives Ergebnis. Im 1. Halbjahr 2015 verbuchten die Krankenkassen noch ein Defizit von 491 Mio. Euro. Das Finanzergebnis der Krankenkassen verbesserte sich demnach im Vergleich zu den ersten 6 Monaten des Jahres 2015 um rund 1,1 Mrd. Euro. Die Finanzreserven der Krankenkassen liegen nunmehr bei 15,1 Mrd. Euro.

(PDF)
Geld-Tasche-quillt-ueber-69318856-FO-Joerg-LantelmeGeld-Tasche-quillt-ueber-69318856-FO-Joerg-Lantelme

Auch die Ausgabenentwicklung hat sich bei weiterhin positiv verlaufender Einnahmenentwicklung in 2016 deutlich abgeflacht. Je Versicherten gab es einen Anstieg von 3,2 Prozent. Dies ist der niedrigste Anstieg seit 2012 und liegt somit deutlich unterhalb des Ausgabenzuwachses, den noch im Oktober vergangenen Jahres für das Gesamtjahr 2016 prognostiziert wurde. Eine differenzierte Betrachtung des Gesamtüberschusses von 598 Mio. Euro nach Krankenkassenarten bestätigt: Die Ersatzkassen verzeichneten einen Überschuss von rund 316 Mio. Euro, die AOKen von 125 Mio. Euro, die BKKen von 40 Mio. Euro, die IKKen von 21 Mio. Euro, die Knappschaft-Bahn-See von 84 Mio. Euro und die landwirtschaftliche Krankenversicherung von 12 Mio. Euro.

Dabei ist jedoch festzuhalten, dass von den Krankenkassen im 1. Halbjahr 2016 per Saldo insgesamt Verpflichtungen von rund 415 Mio. Euro im Rahmen des Risikostrukturausgleichs und des Einkommensausgleichs ausgewiesen wurden, ohne dass entsprechende Forderungen anderer Krankenkassen diese zum Ausgleich bringen konnten. Ohne diesen Sondereffekt, der auf das Vorsichtsprinzip bei der Buchführung zurückzuführen ist und insbesondere aus den derzeitigen stärkeren Versichertenbewegungen resultiert, würde der genannte Gesamtüberschuss bei rund einer Milliarde Euro liegen.

Saisonübliches Defizit beim Gesundheitsfonds

Der Gesundheitsfonds verzeichnete im 1. Halbjahr 2016 einen Ausgabenüberhang von rund 3,3 Mrd. Euro. Im 1. Halbjahr 2015 betrug das Defizit noch rund 3,9 Mrd. Euro. Aus diesem saisonbedingten Überhang können allerdings keine Rückschlüsse auf eine ähnliche Entwicklung im weiteren Jahresverlauf gezogen werden. Während die Ausgaben des Gesundheitsfonds als monatlich gleiche Zuweisungen an die Krankenkassen fließen, unterliegen die Einnahmen unterjährig erheblichen Schwankungen.

Denn die Einnahmen aus der Verbeitragung von Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeldzahlungen fließen dem Gesundheitsfonds weitestgehend in der zweiten Jahreshälfte zu. Hinzu kommen erhebliche Zusatzeinnahmen, die aus den hohen Rentenanpassungen von 4,25 Prozent in den alten und 5,95 Prozent in den neuen Bundesländern zum 1. Juli resultieren. Durch die nach wie vor günstige Entwicklung der Beitragseinnahmen des Gesundheitsfonds profitiert die gesetzliche Krankenversicherung wie die anderen Sozialversicherungszweige auch weiterhin von der positiven Lohn- und Beschäftigungsentwicklung.

Moderate Zuwächse bei den Ausgaben

Je Versicherten gab es im 1. Halbjahr 2016 einen Ausgabenzuwachs von 3,2 Prozent; im 1. Halbjahr 2015 lag dieser noch bei 3,9 Prozent, im Gesamtjahr 2015 bei 3,7 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen um 3,1 Prozent je Versicherten, die Verwaltungskosten um 4,5 Prozent. Deutlich steigende Versichertenzahlen haben dazu beigetragen, dass die Ausgabenzuwächse je Versicherten um rund 0,9 Prozentpunkte niedriger ausgefallen sind als die absoluten Ausgabenzuwächse. Die Netto-Verwaltungskosten der Krankenkassen sind im 1. Halbjahr 2016 mit 4,5 Prozent je Versicherten (5,5 Prozent absolut) nach insgesamt niedrigen Veränderungen in den Vorjahren stärker gestiegen als die Leistungsausgaben.

Dass der Anstieg überproportional ausgefallen ist, ist darauf zurückzuführen, dass viele Krankenkassen deutliche stärkere Rücklagen für die Altersversorgung ihrer Beschäftigten gebildet haben als in den ersten 6 Monaten des vergangenen Jahres. Ohne diesen Effekt hätte der Anstieg der Netto-Verwaltungskosten leicht unterhalb des Anstiegs der Leistungsausgaben gelegen. Grundsätzlich bleiben die Krankenkassen im Bereich der Verwaltungskosten gefordert, sparsam mit den Beitragsmitteln der Versicherten umzugehen.

Für Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe steht Gesundheitswesen damit das finanziell auf einem sicheren Fundament. Notwendige Leistungsverbesserungen würden mit Augenmaß geschehen und Strukturverbesserungen, wie etwa bei den Krankenhäusern und durch das Präventionsgesetz, zur nachhaltigen Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens, leisten dazu ihren Beitrag.

Bild: (1) © Jörg Lantelme / fotolia.com (1) GKV Statistik BMG

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Amazed shocked mature woman with open mouth reading letterAmazed shocked mature woman with open mouth reading letterfizkes – stock.adobe.com
Assekuranz

Verwaltungskosten: Viele kleine Krankenkassen wäre deutlich günstiger!

Seit der Sozialverband VdK gefordert hat, die Zahl der Krankenkassen in Deutschland zu reduzieren, um Verwaltungskosten zu sparen, schlagen die Wellen hoch. Viel Spekulation und auch viel Lärm um Nichts. Denn viele kleine Krankenkassen haben deutlich günstigere Verwaltungskosten als die großen.
Assekuranz

AOK erklärt "Historischen Handlungsdruck" im Positionspapier zur Bundestagswahl

Der AOK-Bundesverband hat sein Positionspapier zur Bundestagswahl am 26. September veröffentlicht. Unter dem Titel "Neue Nähe" fasst es die zentralen Forderungen der AOK-Gemeinschaft an die Gesundheitspolitik der nächsten Bundesregierung zusammen.
Homoeopathie-2913779-PB-fstverlagHomoeopathie-2913779-PB-fstverlagfstverlag – pixabay.com
Produkte

Homöopathie: Das sind die Zusatzleistungen der Krankenkassen

Die Diskussion darüber, ob Homöopathie mangels wissenschaftlicher Evidenz von gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr bezahlt werden darf, ist in vollem Gange. Trotzdem scheinen sich nach wie vor viele Menschen für Homöopathie zu interessieren, wie eine aktuelle Erhebung des unabhängigen Vergleichsportals gesetzlichekrankenkassen.de zeigt.
Health insurance concept. Doctor in a white coat uniform hand holding plus and healthcare medical icon, health and access to welfare health concept.Health insurance concept. Doctor in a white coat uniform hand holding plus and healthcare medical icon, health and access to welfare health concept.Kiattisak – stock.adobe.com
Assekuranz

DFSI kürt die besten gesetzlichen Krankenkassen 2023/2024

Bereits zum 13. Mal untersuchte DFSI Ratings gesetzliche Krankenkassen hinsichtlich Leistungsangebot, Kundenservice und Finanzkraft. Die Techniker Krankenkasse erreicht erneut den 1. Platz, auf Platz 2 landet die HEK. hkk Krankenkasse und IKK Südwest teilen sich den dritten Platz.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht