65, 67, 69, 70 – das Zahlenorakel rund um die Rente

Veröffentlichung: 30.08.2016, 05:08 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Die Politik ist bereits auf Wahlkampfkurs für die Bundestagswahl 2017. Die K-Frage ist noch offen, an der Konzept-Frage für die Altersvorsorge wird in den Parteizentralen schon heftig gebastelt. Die Deutsche Bundesbank forderte dafür jüngst „Aufrichtigkeit“ walten zu lassen, doch die Lager sind gespalten.

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Die einen sagen, die gesetzliche Rentenversicherung funktioniere nur, wenn das Renteneintrittsalter auf 69 Jahre angehoben wird. Die anderen fordern eine sukzessive Zuwanderung, um dem demografischen Wandel in Deutschland entgegenzuwirken, für den um das Jahr 2030 eine entscheidende Dekade zu erwarten ist, wenn der Großteil der geburtenstarken Jahrgänge, die den Arbeitsmarkt aktuell dominant prägen, in das Rentenalter eintritt.

Bereits heute gehört es zum Alltag vieler Rentner, dass sie noch etwas dazuverdienen, weil sie von der gesetzlichen Altersvorsorge alleine ihren Alltag nicht bewältigen können. Bis zum Jahr 2015 waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit knapp 200.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte älter als 65 Jahre. Das entspricht einem Plus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Höhe der Altersrenten variiert in den Bundesländern deutlich. 1.130,00 Euro betrug die Rente für Männer im Jahr 2015 im Bundesdurchschnitt und ca. 653 Euro sind es für Frauen. Das Rentenniveau liegt somit derzeit bei knapp 48 Prozent. Für die nachfolgenden Generationen wird prognostiziert, dass sie im „Worst case“ mit einer Rente in Höhe von 40 Prozent auskommen müsse.

Keine zufriedenstellende Ruhestandsplanung

Deutsche Arbeitnehmer geraten in puncto Finanzkonzept für das Alter zunehmend ins Hintertreffen. Nur eine Minderheit verfüge über ein schriftliches Finanzkonzept oder einen Notfallplan für den Fall der vorzeitigen Erwerbsunfähigkeit. Viele gehen zudem davon aus, auch im Ruhestand noch arbeiten zu müssen. Darüber hinaus wünschen sie sich in Fragen der Altersvorsorge mehr Unterstützung von Staat und Arbeitgebern.

Die aktuelle Aegon-Studie zeigt deutlich, dass die Vorsorgelücke in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Nur 37 Prozent der Deutschen glauben, finanziell ausreichend auf den Ruhestand vorbereitet zu sein. 2012 waren es immerhin noch 49 Prozent. Groß ist die Unsicherheit mit Blick auf den Ruhestand: Nicht einmal jeder fünfte Deutsche (18 Prozent) weiß, welche Einkünfte er im Ruhestand haben wird. 76 Prozent wünschen sich eben diesen Überblick. 41 Prozent rechnen damit, ihren gewünschten Lebensstandard auch dann beibehalten zu können, wenn sie älter als 90 Jahre werden.

Echte Finanzkonzepte sind selten

Ungeachtet dessen sind die Deutschen finanziell so schlecht auf den Ruhestand vorbereitet, wie seit fünf Jahren nicht. Die Zahl der Gewohnheitssparer ging von 45 Prozent im Jahr 2012 auf 37 Prozent in der aktuellen Befragung zurück. Nur 12 Prozent der Erwerbstätigen verfügen über ein schriftliches Finanzkonzept. Weitere 49 Prozent haben einen Plan, diesen aber nicht niedergelegt. 36 Prozent verfügen bisher über keine Ruhestandsstrategie.

Noch schlechter sind viele Arbeitnehmer auf eine mögliche Erwerbsunfähigkeit vor dem Eintritt in die Rente vorbereitet: Weniger als ein Drittel der Befragten (30 Prozent) gab an, einen Notfallplan zu haben - meist besteht dieser Plan aus persönlichen Ersparnissen (47 Prozent) oder einer Berufsunfähigkeitsversicherung (46 Prozent). 29 Prozent vertrauen auf das Einkommen des (Ehe-)Partners.

Arbeit auch nach dem Renteneintrittsalter

52 Prozent der Arbeitnehmer wollen über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus arbeiten. Dafür werden auch positive Gründe angeführt: der Wunsch nach körperlicher und geistiger Aktivität (63 Prozent) oder Spaß an der Arbeit (46 Prozent). Doch dies steht für 34 Prozent in engem Zusammenhang mit finanziellen Sorgen.

Zur Studie

Für die Aegon Ruhestandsstudie 2016 wurden 16.000 Erwerbstätige und Rentner in 15 Ländern, darunter 1.000 aus Deutschland, befragt. Die Befragungen wurden im Februar 2016 online vom Aegon Center for Longevity and Retirement (ACLR) in Zusammenarbeit mit dem Transamerica Center for Retirement Studies® (TCRS) durchgeführt. Die Aegon Ruhestandsstudie wurde mittlerweile im fünften Jahr durchgeführt.

Ein Eckpfeiler der Studie ist der Aegon Retirement Readiness Index, der 2012 erstellt wurde, um besser einschätzen zu können, wie gut sich die Erwerbstätigen in den teilnehmenden Ländern auf den Ruhestand vorbereitet sehen. Die Ruhestandsbereitschaft der Befragten wird anhand des erzielten Indexwerts in drei Kategorien unterteilt: hoch (von 8 bis 10), mittel (zwischen 6 und 7,99) oder niedrig (unter 6).

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