Alkohol als Geldanlage – eine Schnapsidee?

Veröffentlichung: 29.08.2016, 05:08 Uhr - Lesezeit 10 Minuten

Wer sein Geld in Alkohol investieren will, kann das auf (mindestens) zweierlei Art und Weise tun. Erstens natürlich mit ein paar guten Flaschen im Weinkeller, als Wertanlage und Genuss zugleich, oder zweitens mit einem Investment in die Aktien der weltweit größten Hersteller von Spirituosen.

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mySpirits hat sich die Entwicklung der Börsenkurse der Giganten des Alkohols in den letzten Jahren angesehen. Das Ergebnis ist eine hochprozentige Analyse zu Vor- und Nachteilen der Investition in Hochprozentiges.

Anlagestrategie Spirituosen

Globale Unsicherheiten führen dazu, dass „defensive“ Anlagestrategien wieder an Popularität gewinnen. Preise von Gold und anderen Wertmetallen steigen in Krisen verlässlich an, das zeigte der Markt immer wieder. Für Neu- und Späteinsteiger in den Markt besteht hier eine Einstiegshürde, die hohen Goldpreise haben eine abschreckende Wirkung. Zu Recht, wenn man sich einige Alternativen ansieht. Zu den defensiven Branchen zählen auch die Nahrungs- und Genussmittelhersteller, insbesondere die Global Player am Spirituosenmarkt.

Zahlt sich eine Investition in Schnaps aus?

Wie hätte sich ein Portfolio entwickelt, bei dem in den letzten Jahren gezielt in die Weltmarktführer am Spirituosenmarkt investiert worden wäre? Was zeigt die Kursentwicklung der Giganten des Alkohols? Die Jahresvergleiche werden, wo nicht anders vermerkt, vom letzten Handelstag des jeweils ersten Quartals gerechnet.

Diageo: Plus 81 Prozent in den letzten fünf Jahren

Diageo ist der globale Platzhirsch unter den Spirituosenriesen und ist weltweit mit Marken wie Johnnie Walker, Smirnoff, Captain Morgan, Baileys, Tanqueray und Guinness vertreten. Zu diesen „Global Giants", wie Diageo seine eigenen Marken selbstbewusst bezeichnet, gesellen sich Lokalmatadore, die in ihren jeweiligen Märkten dominieren. Dazu gehört etwa Yeni Raki, J&B und der außerhalb Chinas kaum bekannte Whisky Shui Jing Fang. Das Hochpreissegment bedient der Konzern mit den Premiumversionen seiner großen Marken, wie dem Johnnie Walker Gold Label, dem Tanqueray No. Ten und den großen Tequilas von Don Julio und Ron Zacapa.

Vergleicht man die Kursentwicklung des letzten Handelstages 2015 mit dem der Jahre 2010 und 2005, ergibt sich ein geradezu berauschendes Bild der Wertentwicklung bei Diageo: Zum Jahresende 2015 notierte die Aktie in Frankfurt bei einem Kurs von 25,35 Euro. Anleger, die diese Aktie schon fünf Jahre zuvor gezeichnet hatten, konnten sich über einen erheblichen Wertzuwachs seit 2010 freuen: Am Jahresende 2010 stand die Aktie mit lediglich 14 Euro in den Büchern. Damit konnte der Aktienwert in nur fünf Jahren um beachtliche 81 Prozent gesteigert werden. Weitere fünf Jahre zuvor lag die Aktie noch bei 12,27. So konnten die Anleger auch in der schwierigen Zeit um die Bankenkrise 2008 einen stabilen Aufwärtstrend ihrer Aktie beobachten.

Pernod Ricard: Ein „Hidden Champion" der Branche?

Das französische Unternehmen Pernod Ricard ist bei Anlegern wohl besser als bei Genießern bekannt. Der Konzern ist die Heimat bekannter Marken wie Absolut Vodka und Chivas Regal. Diese und andere weltweit etablierte Namen stehen an der Spitze einer Markenpyramide mit bekannten Alkoholika wie Ballantines, G.H. Mumm und Perrier-Jouet. Pernod Ricard ist darüber hinaus, das verrät ein Blick auf die Kursentwicklung, auch ausgesprochen erfolgreich darin, seine Produkte gewinnbringend an den Mann und zunehmend auch die Frau zu bringen.

Aktionäre von Pernod Ricard können sich seit Jahren über Kurssteigerungen und saftige Dividenden freuen. Das in Frankreich beheimatete Unternehmen schüttet seit Jahren verlässlich hohe Beträge an seine Anleger aus, die jedes festverzinsliche Wertpapier um Längen schlagen. Zusammen mit der erwähnten Kurssteigerung mauserte sich die Aktie in den letzten fünf Jahren von 72 Euro bis auf einen Wert von 105,23 Euro zum Jahresende 2015. Das bedeutet einen Zugewinn von immerhin 46 Prozent. Die Aktie von Pernod Ricard kann durchaus als einer der „Hidden Champions" der Branche bezeichnet werden. Die Spirituosen sind bekannt, aber kaum jemand kennt das durch und durch profitable Unternehmen selbst.

Bacardi: Der Traditionalist ziert sich

Das Traditionsunternehmen Bacardi, gegründet im Jahr 1862 von Facundo Bacardi, lässt Anleger, wenn er nicht gerade Teilhaber ist, nicht wie die Konkurrenten direkt via Aktien an Gewinnen und Kurssteigerungen des Unternehmens teilhaben. Man weist stolz auf die lange Geschichte des Namens hin, labelt sich als Familienunternehmen in einer Welt voller gesichtsloser Megakonzerne – und hält sich aus dem Wettbewerb an den Börsen vornehm zurück. Auf den Wertpapiermärkten werden lediglich einige (immerhin gut verzinste) Unternehmensanleihen gehandelt, die einen festen Kupon aufweisen. Sie eignen sich zur sicheren Investition mit begrenztem Ziel, aber nicht zur Spekulation auf hohe Zugewinne.

Beam Suntory: Fusion und Wachstum

Beam Suntory ist das glatte Gegenteil zu Bacardi. Der Spirituosen-Riese besteht unter diesem Namen erst seit dem Zusammenschluss des japanischen Whiskyhersteller Suntory und der US-amerikanischen Beam Inc. Im Jahr 2014. Von Beam kennt man, nomen est omen, den Bourbon Jim Beam, während Suntory vor allem für seine hochwertigen japanischen Single Malt Whiskys bekannt ist, die seit einiger Zeit weltweit gute Preise erzielen. Als das größere Teilunternehmen ging Suntory in die Verbindung, weshalb es heute auch die Suntory-Aktien sind, die an den Börsen gehandelt werden.

An der Börse Frankfurt lässt sich die Kursentwicklung dieses in japanischen Yen notierten Wertpapiers auch in Euro nachvollziehen. Zum Jahresende 2015 lag der Kurs dort bei 39,82 Euro. Da für das japanische Unternehmen an der Frankfurter Börse keine langfristigen Kursdaten vorliegen, wurden die Werte bis zum Jahreswechsel 2013/14 zurückverfolgt. Damals stand die Aktie noch bei 22,82 Euro, was einerseits das zu erwartende Wachstum im Zuge einer Fusion wiederspiegelt, andererseits vielversprechend für die Zukunft stehen darf. Es wird besonders spannend sein, die weitere Entwicklung dieses japanisch-amerikanische Gemeinschaftsprojektes zu verfolgen.

Brown-Forman: Tradition, Wachstum und Börse gehen zusammen

Jack Daniel’s ist ein Begriff. Wenige wissen, dass er von Brown-Forman kommt, wie auch der Bourbon-Likör Southern Comfort, der als Szene-Wodka beworbene Finlandia und der Tequila el Jimador. Das Unternehmen ist bereits seit 1870 im Geschäft, ursprünglich in der Abfüllung von Bourbon-Blends, nun als global tätiger Akteur auf dem Spirituosenmarkt.

Brown-Forman setzte 2015 etwa 4,1 Milliarden US-Dollar um und schüttet seine Quartalsdividenden ebenfalls in Dollar aus. Pro Aktie gab es dabei in den letzten Jahren zwischen 1,02 (2013) und 1,26 (2015) Dollar Dividende. Zusätzlich konnten sich Investoren über einen ununterbrochenen Aufwärtstrend freuen. Der Fünfjahreschart der Aktie zeigt für die Stammaktie der Klasse B eine Verdoppelung plus X von 46,29 USD im Jahre 2011 auf 102,01 USD beim Jahreswechsel 2015/16. Fazit: Im Abgang hochprofitabel.

Spirituosen sind nicht nur eine sinnvolle Anlage für die Weinkeller und Schnapsschränke dieser Welt, sondern können auch bei den Aktienportfolios für genussreiche Erträge sorgevernünftiger Anleger. Alkohol steht hoch im Kurs und dieser Kurs zeigt seit Jahren stabil positiv. Zumindest für die letzten Jahre lässt sich damit von einem nicht nur soliden, sondern hochprofitablen Investment sprechen. Natürlich lassen sich historische Entwicklungen nicht unbegrenzt für die Zukunft fortschreiben, allerdings spricht vieles dafür, dass dieser Trend so bald nicht abbrechen wird.

Neben Indikatoren wie Substanzwert und Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Unternehmen steht ein Faktor, der in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen ist. Der weltweit kontinuierlich steigende Genuss hochprozentiger Produkte. Hauptverantwortlich für diesen Trend sind nicht die alten Kernländer Europas und Nordamerikas, sondern vor allem die „Emerging Markets“, beispielsweise Indien und Brasilien. Schnaps, Whisky, Gin und Liköre werden getrunken, egal ob es Erfolge zu feiern oder Rückschläge zu verkraften gilt.

Bild: © shaiith / fotolia.com

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