Social Media: Beleidigende Kommentare unerwünscht

Veröffentlichung: 15.06.2016, 13:06 Uhr - Lesezeit 3 Minuten

Mehr als die Hälfte der Deutschen würde es begrüßen, wenn soziale Netzwerke beleidigende Kommentare automatisch herausfiltern – selbst wenn dadurch auch harmlose Beiträge gesperrt werden könnten. Das hat eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Anwaltauskunft ergeben.

(PDF)
Hand-aus-Bildschirm-beschuldigt-Frau-79929475-FO-mokee81Hand-aus-Bildschirm-beschuldigt-Frau-79929475-FO-mokee81

54 Prozent der Deutschen wünschen sich von sozialen Netzwerken eine bessere Filterung beleidigender Beiträge. Vor allem Frauen (66 Prozent) und Nutzer älter als 50 Jahre (70 Prozent) befürworten automatische Löschungen.

Die Nutzer in sozialen Netzwerken sind bei Diskussionen nicht zimperlich – oft attackieren sich wildfremde Menschen mit wüsten Beleidigungen. Laut Umfrage würden allerdings 80 Prozent der Befragten bei einer Beleidigung den Verfasser beim Netzwerk melden. Fast die Hälfte (44 Prozent) würde sogar noch weiter gehen und sich mit einer Anzeige bei der Polizei gegen die Diffamierung wehren.

Trotzdem unterschätzen viele Nutzer die möglichen rechtlichen Konsequenzen von Beleidigungen in sozialen Netzwerken: Mehr als ein Viertel der Befragten (28 Prozent) geht davon aus, dass Beschimpfungen außerhalb des Internets schwerwiegendere rechtliche Folgen haben können als in sozialen Netzwerken.

Das sei laut Rechtsanwalt Swen Walentowski, Sprecher der Deutschen Anwaltauskunft, aber ein Irrtum. Wenn etwa Persönlichkeitsrechte Dritter betroffen seien, könnten sich diese oft zivilrechtlich zur Wehr setzen.

Walentowski empfiehlt Betroffenen, sich gegen Beleidigungen und Belästigungen zur Wehr zu setzen:

„Man sollte sich nicht davon einschüchtern lassen, dass Polizisten und Staatsanwälte in der Praxis viel zu oft und scheinbar hilflos die Schultern zucken, nur um untätig bleiben zu können. Wer unverzüglich professionellen, anwaltlichen Rat einholt, kann das Geschehen richtig einordnen und möglichst effektiv bekämpfen. Dafür muss keiner ins Gefängnis, aber es kann für den Betreffenden schnell sehr, sehr teuer werden“, so Walentowski.

Die Einrichtung automatisierter Filtersysteme ist nach Auskunft von Swen Walentowski nicht unproblematisch. Es würden von solchen Filterungen auch Beiträge umfasst, bei denen die Grenze zur Rechtswidrigkeit nicht eindeutig überschritten wurde: „Zu den tragenden Säulen unseres freiheitlichen Rechtsstaats gehört die Meinungsfreiheit.“ Der Wunsch nach Kontrolle sei aber nachvollziehbar aufgrund der Auswüchse, vor allem aus der „rechten Ecke“. Man sollte sich dem aber in eigenen Kommentaren entgegenstellen.

Bild: © mokee81 / fotolia.com

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Kinder nutzen Smartphones mit Fokus auf Kurzvideos und Social MediaKinder nutzen Smartphones mit Fokus auf Kurzvideos und Social MediaExperten redaktion/KI
Studien

Digitale Medien 2026: Vom Nutzungsproblem zur Bindungsökonomie

Neue DAK-Studie 2025/26 zeigt: Digitale Risiken bei Jugendlichen entstehen nicht mehr durch Nutzungsdauer, sondern durch Bindung – besonders bei Videos und KI-Chatbots.
Die Risiken sozialer Medien für Kinder und Jugendliche werden zunehmend diskutiert. Eine Umfrage zeigt: Statt Verboten wünschen sich viele mehr Prävention. Krankenkassen reagieren mit Programmen zur Förderung von Medienkompetenz.Die Risiken sozialer Medien für Kinder und Jugendliche werden zunehmend diskutiert. Eine Umfrage zeigt: Statt Verboten wünschen sich viele mehr Prävention. Krankenkassen reagieren mit Programmen zur Förderung von Medienkompetenz.Experten
Gesundheitsvorsorge

Risiken sozialer Medien: Krankenkassen setzen auf Prävention

Die Diskussion über ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche hat in Deutschland zuletzt an Fahrt aufgenommen. Eine aktuelle Befragung zeigt jedoch: Statt pauschaler Altersverbote setzt die Bevölkerung vor allem auf Prävention und Medienkompetenz. Für Krankenkassen eröffnet sich damit ein wachsendes Handlungsfeld der Gesundheitsprävention.
VMK Versicherungsmakler GmbH
Digitalisierung

Versicherungsvermittlung im Wandel: Zwischen Bauchgefühl und Bildschirm

Die Versicherungsvermittlung steht vor einem fundamentalen Wandel - alte Rollenbilder verlieren an Bedeutung, digitale Sichtbarkeit und Authentizität werden zur neuen Währung, meint Bastian Kunkel, CEO von „Versicherungen mit Kopf“, in seinem Gastkommentar. Der Text erschien zuerst im expertenReport 10/25.
DALL-E
Marketing

Ihre Stimme zählt: Vermittler-Mediabefragung 2025 gestartet

Gestalten Sie die Medienlandschaft der Versicherungsbranche mit!

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht