Endlich wird es grüner …

Veröffentlichung: 10.06.2016, 05:06 Uhr - Lesezeit 8 Minuten

Grüne Sachversicherungen – davon haben viele Makler schon einmal gehört, einige beschäftigen sich intensiv damit, aber so richtig breit durchdrungen ist der Markt damit nicht. Und auch in der Presse liest man eher selten davon. Fabrice Gerdes, Geschäftsführer der grün versichert GmbH, ist einer der Vorreiter in diesem Bereich und hat in Kooperation mit namhaften Versicherungsunternehmen grüne Sachversicherungen im Programm.

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cms.uftbp.x Fabrice Gerdes, Geschäftsführer der grün versichert GmbH

Was unterscheidet „grüne“ von „normalen“ Sachversicherungen? Und ist auch hier „Bio“ teurer?

Das Entscheidende bei „grünen“ Sachversicherungen ist, genauso wie auch bei „grünen“ Lebensversicherungen, die nachhaltige Kapitalanlage. Umfragen belegen, dass sich ein Großteil der Kunden gar nicht bewusst ist, dass Versicherer zu den größten Kapitalsammelbecken gehören. Ebenso weiß die Mehrheit der Kunden nicht, in welche Art von Anlagen ihre Versicherer investieren. Doch das Gros der Kunden lehnt Investitionen ab, die beispielsweise im Zusammenhang mit Raubbau, Atomkraft oder Massentierhaltung stehen.

Da wir mit Versicherern zusammen nur hochwertige Tarife - und somit keine Basistarife - als „grün versichert“-Varianten anbieten, wird man diese Tarife nie unter den günstigsten Tarifen finden. Im Vergleich zu anderen Komfort- und Premiumtarifen sind unsere „grün versichert“-Tarife aber äußerst wettbewerbsfähig. „Bio“ ist also keineswegs teurer im Vergleich zu anderen Tarifen und bietet darüber hinaus noch für nachhaltig interessierte Kunden interessante Leistungserweiterungen, die in den normalen Tarifvarianten nicht enthalten sind. Auch für Versicherer sind „grüne Tarife“ interessant, da zu erwarten ist, dass Menschen, die nachhaltig orientiert sind, tendenziell eine höhere Hemmschwelle haben Versicherungsbetrug zu begehen als der Durchschnitt.

Glauben Sie, der Trend geht in die grüne Richtung? Wenn ja, mit welchen Zuwachsraten rechnen Sie in den nächsten 10 Jahren?

Da sich die Gesellschaft wandelt und ein immer stärkeres Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit entwickelt, wird dieser Trend nicht vor der Versicherungswirtschaft Halt machen, unabhängig davon, ob sich ein Großteil der Branche dem Thema verschließt oder nicht. Die Bankenbranche war hier deutlich schneller und es haben sich in den vergangenen Jahren mit der EthikBank, der GLS Bank, der Triodos Bank und der Umweltbank vier Institute erfolgreich im Markt etabliert, die seit Jahren zweistellig wachsen.

Warum sollte sich ein Makler mit dem Thema beschäftigen?

Umfragen belegen, dass knapp 16 Millionen Menschen in Deutschland Interesse an nachhaltigen Finanzdienstleistungen haben, wovon 13 Millionen zu den sogenannten pragmatisch nachhaltig Orientierten gehören, die überdurchschnittlich gut gebildet sind, ein überdurchschnittlich hohes Einkommen haben und somit eine für Makler interessante Zielgruppe darstellen.

Es gibt keine genauen Zahlen, allerdings kann man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass es in Deutschland weit weniger als 500 Versicherungsmakler gibt, die sich auf diese Zielgruppe spezialisiert haben, wobei hier der Vertriebsschwerpunkt nahezu bei allen im Bereich der Lebensversicherungsprodukte und der Kapitalanlage liegt. Das bedeutet, dass eine relativ geringe Zahl an Maklern sich auf eine große Zielgruppe spezialisiert hat und für viele weitere Makler noch Platz in dieser Nische ist. Auch Makler, die sich nicht auf diese Zielgruppe spezialisieren wollen, ihre bestehenden Kunden auf das Thema Nachhaltigkeit ansprechen, werden überrascht sein, wie positiv ihre Kunden auf die Ansprache reagieren.

Wie kann ein Kunde/Makler sehen, ob die Versicherung tatsächlich in allen Belangen den Kriterien genügt? Denn häufig sind die Unternehmen, die hinter der Versicherung stehen, komplex strukturiert und tätigen vielfältige Geldanlagen. Worauf muss ich bei der Auswahl achten?

Das ist in der Tat für Kunden als auch für Makler sehr schwierig bis unmöglich, was auch eine jüngst von uns in Auftrag gegebene Untersuchung der Unternehmensberatung zeb aus Münster aufzeigt. Kunden und Makler empfinden den Versicherungsmarkt als zu komplex um nachhaltige Angebote zu identifizieren und genau hier setzen wir an. Mit „grün versichert“ stellen wir Maklern und Kunden nachhaltige Sachversicherungsprodukte zur Verfügung, die sofort aufgrund der Marke und der Tarifbezeichnung als nachhaltige Alternative erkennbar sind. Kunden erhalten die Bestätigung, dass die Anlage der Versicherer in nachhaltige Kapitalanlagen - im Rahmen der aufsichtsrechtlichen Möglichkeiten - mindestens in der Höhe des Beitragsaufkommens der jeweiligen Produktlinie erfolgt. Praktisch bedeutet das: Wenn im Jahr 100.000 Euro Neubeitrag in unsere Hausratversicherung fließen, wird der Versicherer 100.000 Euro in nachhaltige Anlageformen investieren und uns dies nachweisen. Darüber hinaus haben unsere Konzepte Mehrleistungen. Zum Beispiel pflanzen wir für jeden neuen Antrag als offizieller Partner der WeForest-Stiftung einen Baum in Indien. Die ersten 3.000 Bäume haben wir bereits gepflanzt, was man auch als Makler gut in der Kommunikation mit seinen Kunden nutzen kann.

Gibt es eine Stelle, die die Nachhaltigkeit von Versicherungen prüft, bzw. ein verlässliches Siegel?

Nein, es gibt keine Prüfstelle, die darauf spezialisiert ist, die Nachhaltigkeit von Versicherern oder Produkten zu prüfen. Es gibt zwar diverse Nachhaltigkeitssiegel und -zertifizierungen, allerdings ist es hier für Kunden auch nicht wirklich nachvollziehbar, wie aussagekräftig diese sind. Wir sind beispielsweise europaweit das erste versicherungsnahe Unternehmen, das vom Deutschen Institut für Nachhaltigkeit und Ökonomie zertifiziert wurde, und wir waren unter den ersten 20 deutschen Unternehmen, die durch das US-amerikanische B-Lab zertifiziert wurden. Darüber hinaus wurden wir 2015 vom Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung ausgezeichnet. Mit diesen bekannten Zertifizierungen und der wichtigen Auszeichnung liegen wir im deutschen Versicherungsmarkt ganz weit vorne.

Herr Gerdes, vielen Dank für diese ausführlichen und interessanten Informationen.

Bild: (1) © khlongwangchao / fotolia.com (2) © grün versichert

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