Investitionslücken: Klimawende in Gefahr
Die G20-Staaten laufen Gefahr, ihre im Dezember 2015 in Paris vereinbarten Klimaziele zu verfehlen. Verantwortlich dafür ist eine wachsende Lücke zwischen den aktuellen Investitionen in erneuerbare Energien (2015: USD 286 Mrd. weltweit) und dem zukünftigem Bedarf. Der liegt laut Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) schon 2020 bei USD 790 Milliarden und ab 2035 bei USD 2300 Milliarden jährlich.
Schuld daran sind laut Analyse des Allianz Klima- & Energiemonitors unzureichende oder nicht vorhandene Klimastrategien und deren mangelhafte Umsetzung im Energiesektor. „Ohne eine ausreichend umfassende Strategie für die Energiewende verfehlen die G20-Staaten nicht nur ihre Klimaziele“, erklärt Karsten Löffler, Geschäftsführer Allianz Climate Solutions, „sie riskieren längerfristig auch ihre Wettbewerbsfähigkeit durch verspätete Weichenstellungen für die notwendigen Technologien und Infrastrukturen. Warten führt zu Fehlinvestitionen und Folgekosten.“
Deutschland und Großbritannien vorn
Deutschland und Großbritannien sind bisher die einzigen G20-Staaten mit einer konkreten Strategie für einen emissionsfreien Energiesektor, einschließlich eines Umbaus ihrer Stromnetze. Sie bieten vor Frankreich und China die attraktivsten Bedingungen für Investoren. Aber auch hier drohen massive Investitionslücken. “Es überrascht, dass keines der G20 Länder ausreichend gute Voraussetzungen für Investoren bietet. Alle werden nachlegen müssen”, sagt Niklas Höhne, Gründungspartner des NewClimate Institute und Co-Autor des Monitors.
Als ein führender Investor in erneuerbare Energien ist auch die Allianz bereit, die Energiewende durch noch größere Investitionen zu unterstützen. Derzeit beträgt das Investitionsvolumen der Allianz in erneuerbare Energien EUR 3 Milliarden. „Die Nachfrage privater Investoren ist deutlich größer als das Angebot“, sagt Axel Zehren, Finanzchef der Allianz Investment Management. „Um das Angebot dem tatsächlichen Investitionsbedarf für eine Energiewende anzupassen, müssen traditionelle Denkmuster überdacht werden. Noch beschränken fast alle G20-Staaten ein Engagement privater Investoren unnötig oder bieten keine ausreichende Rechtssicherheit, beispielsweise wenn sie rückwirkend Konditionen ändern.“ Ein weiteres Hemmnis für institutionelle Investoren stellen laut OECD die Entflechtungsvorschriften der Europäischen Union dar, nach denen nicht gleichzeitig in Energieerzeuger und in Netze investiert werden darf. Dabei bieten Investoren nicht nur finanzielle Vorteile für die Staaten: „Als Experte für Risikomanagement können wir auch dazu beitragen, dass Investitionsvorhaben und Projektrisiken besser gesteuert werden“, so Zehren.
85 Prozent von privaten Investoren
Die Energieproduktion und der Energieverbrauch sind die größten Emissionsquellen. Sie sollen bis 2055 bzw. 2080 vollständig emissionsfrei sein, um die globale Erwärmung auf 1,5 bzw. 2 Grad zu begrenzen. Dafür ist ein Systemwechsel im Stromsektor notwendig. Dieser ist trotz der hohen Anfangsinvestitionen kostenneutral realisierbar, wie Analysen der IEA 2015 und der Allianz 2014 aufgezeigt haben. Denn die Kosten für Kohle, Öl und Gas entfallen Schritt für Schritt.
Private Investoren werden 85 Prozent dieser Investitionen leisten müssen, sagt der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC). Versicherer sind als kapitalkräftige Investoren mit langfristigen Anlagehorizonten und passender Risikoexpertise besonders gefragt. Umgekehrt eignen sich diese Investitionen für ihre langlaufenden Verbindlichkeiten gegenüber den Lebensversicherungskunden.
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