Investitionslücken: Klimawende in Gefahr

Veröffentlichung: 08.06.2016, 14:06 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Die G20-Staaten laufen Gefahr, ihre im Dezember 2015 in Paris vereinbarten Klimaziele zu verfehlen. Verantwortlich dafür ist eine wachsende Lücke zwischen den aktuellen Investitionen in erneuerbare Energien (2015: USD 286 Mrd. weltweit) und dem zukünftigem Bedarf. Der liegt laut Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) schon 2020 bei USD 790 Milliarden und ab 2035 bei USD 2300 Milliarden jährlich.

(PDF)
Steckdose-Rasen-Kabel-verbrannt-61143186-61500844-FO-stockphoto-graf-Africa-StudioSteckdose-Rasen-Kabel-verbrannt-61143186-61500844-FO-stockphoto-graf-Africa-Studio© stockphoto-graf / fotolia.com & Africa Studio / fotolia.com

Schuld daran sind laut Analyse des Allianz Klima- & Energiemonitors unzureichende oder nicht vorhandene Klimastrategien und deren mangelhafte Umsetzung im Energiesektor. „Ohne eine ausreichend umfassende Strategie für die Energiewende verfehlen die G20-Staaten nicht nur ihre Klimaziele“, erklärt Karsten Löffler, Geschäftsführer Allianz Climate Solutions, „sie riskieren längerfristig auch ihre Wettbewerbsfähigkeit durch verspätete Weichenstellungen für die notwendigen Technologien und Infrastrukturen. Warten führt zu Fehlinvestitionen und Folgekosten.“

Deutschland und Großbritannien vorn

Deutschland und Großbritannien sind bisher die einzigen G20-Staaten mit einer konkreten Strategie für einen emissionsfreien Energiesektor, einschließlich eines Umbaus ihrer Stromnetze. Sie bieten vor Frankreich und China die attraktivsten Bedingungen für Investoren. Aber auch hier drohen massive Investitionslücken. “Es überrascht, dass keines der G20 Länder ausreichend gute Voraussetzungen für Investoren bietet. Alle werden nachlegen müssen”, sagt Niklas Höhne, Gründungspartner des NewClimate Institute und Co-Autor des Monitors.

Als ein führender Investor in erneuerbare Energien ist auch die Allianz bereit, die Energiewende durch noch größere Investitionen zu unterstützen. Derzeit beträgt das Investitionsvolumen der Allianz in erneuerbare Energien EUR 3 Milliarden. „Die Nachfrage privater Investoren ist deutlich größer als das Angebot“, sagt Axel Zehren, Finanzchef der Allianz Investment Management. „Um das Angebot dem tatsächlichen Investitionsbedarf für eine Energiewende anzupassen, müssen traditionelle Denkmuster überdacht werden. Noch beschränken fast alle G20-Staaten ein Engagement privater Investoren unnötig oder bieten keine ausreichende Rechtssicherheit, beispielsweise wenn sie rückwirkend Konditionen ändern.“ Ein weiteres Hemmnis für institutionelle Investoren stellen laut OECD die Entflechtungsvorschriften der Europäischen Union dar, nach denen nicht gleichzeitig in Energieerzeuger und in Netze investiert werden darf. Dabei bieten Investoren nicht nur finanzielle Vorteile für die Staaten: „Als Experte für Risikomanagement können wir auch dazu beitragen, dass Investitionsvorhaben und Projektrisiken besser gesteuert werden“, so Zehren.

85 Prozent von privaten Investoren

Die Energieproduktion und der Energieverbrauch sind die größten Emissionsquellen. Sie sollen bis 2055 bzw. 2080 vollständig emissionsfrei sein, um die globale Erwärmung auf 1,5 bzw. 2 Grad zu begrenzen. Dafür ist ein Systemwechsel im Stromsektor notwendig. Dieser ist trotz der hohen Anfangsinvestitionen kostenneutral realisierbar, wie Analysen der IEA 2015 und der Allianz 2014 aufgezeigt haben. Denn die Kosten für Kohle, Öl und Gas entfallen Schritt für Schritt.

Private Investoren werden 85 Prozent dieser Investitionen leisten müssen, sagt der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC). Versicherer sind als kapitalkräftige Investoren mit langfristigen Anlagehorizonten und passender Risikoexpertise besonders gefragt. Umgekehrt eignen sich diese Investitionen für ihre langlaufenden Verbindlichkeiten gegenüber den Lebensversicherungskunden.


(PDF)

LESEN SIE AUCH

UK-Flagge-4070957-PB-PaulaPaulsenUK-Flagge-4070957-PB-PaulaPaulsenPaulaPaulsen / fotolia.com
International

Das würde ein harter Brexit für die Finanzmärkte bedeuten

Auch nach der Abstimmung des Unterhauses über Alternativen zum Brexit-Deal herrscht keine Klarheit darüber, wie sich der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union gestalten wird. Ein Marktkommentar von Ludovic Colin, Head of Global Flexible Bonds bei Vontobel Asset Management:
Brexit-114366217-FO-Andrei-KorzhytsBrexit-114366217-FO-Andrei-Korzhyts
International

Der Brexit und was deutsche Steuerzahler wissen sollten

Mit den Folgen des Brexit für deutsche Steuerzahler hat sich der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) beschäftigt und zeigt mögliche Nachteile auf. Der Austritt Großbritanniens wird sich bei Unterhaltszahlungen für Studium und Ausbildung, dem Ehegattensplitting und bei haushaltsnahen Dienstleistungen bemerkbar machen.
extreme-hitze-wirtschaftsrisiko-allianz-trade-deutschlandextreme-hitze-wirtschaftsrisiko-allianz-trade-deutschlandExtreme Hitze entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen Risikofaktor. Sinkende Produktivität, steigende Energiekosten und ausbleibende Investitionen könnten die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren erheblich belasten.Redaktion experten.de / KI-generiert
Wirtschaft

Extreme Hitze wird zum Wirtschaftsrisiko: Deutschland drohen Milliardenverluste

Hitzewellen sind längst nicht mehr nur ein Umwelt- oder Gesundheitsthema. Nach einer aktuellen Analyse von Allianz Trade könnten extreme Temperaturen die deutsche Wirtschaft bis 2030 bis zu 131 Milliarden US-Dollar kosten. Besonders betroffen sind Produktivität, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit. Die Studie sieht Deutschland in einer kritischen Übergangszone: zu warm für Vorteile, aber noch nicht ausreichend auf Hitze vorbereitet.
Häuser im Schweizer Kanton Wallis.Häuser im Schweizer Kanton Wallis.hpgruesen / pixabay
International

Felssturz von Blatten: Wenn Versicherung allein nicht ausreicht

Ein Jahr nach dem verheerenden Felssturz von Blatten zieht der Schweizer Elementarschadenpool eine positive Bilanz der Schadenregulierung. Doch hinter schnellen Auszahlungen und funktionierenden Versicherungsmechanismen stehen weit größere Fragen: Kann ein Dorf wie Blatten überhaupt wieder aufgebaut werden – und zu welchem Preis?

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht