Privatinsolvenzen ungleich verteilt
Die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland sinkt. Laut Bürgel Schuldenbarometer meldeten im vergangenen Jahr so wenig Menschen Insolvenz an wie seit 2005 nicht mehr. Dagegen steht eine wachsende Altersarmut: Ältere Menschen sind immer häufiger und mit höheren Summen von Privatinsolvenzen betroffen.
Das Insolvenzgeschehen unterscheidet sich auch in den einzelnen Bundesländern deutlich. Die meisten Privatinsolvenzen wurden in Bremen registriert: Auf 100.000 Bürger gerechnet waren 212 zahlungsunfähig. In Bayern, wo es die wenigsten Insolvenzfälle gab, waren es nur 85 Bürger. Den größten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet Thüringen. Hier sank die Zahl der privaten Pleiten um 12,6 Prozent. Laut Bürgel sind im Wesentlichen drei Faktoren für den niedrigen Stand verantwortlich: die niedrige Arbeitslosigkeit im Land, eine gute Einkommenssituation und niedrige Inflation.
"Während die Privatinsolvenzen in Deutschland seit fünf Jahren rückläufig sind, werden ältere Bundesbürger zunehmend von dem Trend sinkender Fallzahlen ausgeklammert", sagt Bürgel Geschäftsführer Dr. Sellin. 2015 sind die Privatinsolvenzen bei den Senioren das vierte Mal in Folge angestiegen. Nach den starken Zunahmen in den letzten Jahren (2012: plus 1,2 Prozent, 2013: plus 8,4 Prozent, 2014: plus 13,9 Prozent) nahmen die Fallzahlen in der Altersgruppe "61 Jahre und älter" 2015 um 0,6 Prozent zu (10.751 Fälle). Von 2011 bis 2015 stiegen die Privatinsolvenzen in der Altersgruppe "61 Jahre und älter" um 25,8 Prozent. "Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Privatinsolvenzen älterer Menschen auch im Jahr 2016 weiter ansteigen wird", so Dr. Sellin.
Eine weitere Eigenschaft unterscheidet die Privatinsolvenz von älteren Bundesbürgern im Vergleich zu den anderen Altersgruppen. Das Schuldenvolumen ist in der Altersgruppe "61 Jahre und älter" mit knapp 45.000 Euro höher als bei jüngeren Betroffenen. Der Bundesdurchschnitt überschuldeter Verbraucher liegt bei circa 34.000 Euro.
Ursachen für eine Überschuldung im Alter, die in einer Privatinsolvenz mündet, resultieren aus dem schlechten Arbeitsmarkt in der Vergangenheit und dem Wandel der Erwerbsformen. Dazu zählen die Zunahme von Niedriglohnbeschäftigung und Langzeitarbeitslosigkeit sowie Anstiege der Unterbrechungen in den Verläufen des Erwerbseinkommens. Die Gründe liegen auch in der Senkung des Rentenniveaus. Steigende Steuern und Sozialabgaben bei weiter sinkenden Renten werden das Problem verstärken.
Das Risiko einer Privatinsolvenz im Alter wird zudem durch hohe Kosten im Krankheitsfall und eine gescheiterte Selbstständigkeit erhöht. Viele der älteren Bundesbürger sind bereits heutzutage auf eine Grundsicherung angewiesen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts beziehen derzeit knapp eine Million Rentner die staatliche Grundsicherung im Alter, die Hälfte etwa wegen einer dauerhaften Erwerbsminderung. Die Zahl der Bezieher von Altersgrundsicherung hat sich zwischen 2003 und 2014 fast verdoppelt. Um finanziellen Engpässen und Schulden zu begegnen, haben in den letzten Jahren zudem Senioren vermehrt Minijobs angenommen. Diese Entwicklungen in Verbindung mit dem demografischen Wandel werden dazu führen, dass künftig eine immer größer werdende Bevölkerungsgruppe vor finanziellen Problemen im Alter stehen wird.
Bild: (1) © ChaotiC_PhotographY / fotolia.com (2) © statista.de (3) © Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & co. KG
Themen:
LESEN SIE AUCH
Deutsche geben „hamstern“ nicht gerne zu
Psychische Erkrankungen auf Rekordhoch
Große Unterschiede beim verfügbaren Einkommen in Deutschland
Renten-Frust – vor allem bei Babyboomern
Unsere Themen im Überblick
Themenwelt
Wirtschaft
Management
Recht
Finanzen
Assekuranz
Der digitale Führerschein: Ambition trifft auf Realität
Elterngeldbezug rückläufig – Geburtenrückgang und ökonomische Unsicherheiten als zentrale Einflussfaktoren
Haushaltspaket treibt Bundesanleihen in die Höhe
Weniger Niedriglöhne, kleineres Lohngefälle – Deutschland verdient besser
Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk
Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.














