PKV: Heute top, morgen Beitragserhöhungen?

Aktuell steht die private Krankenversicherung (PKV) mit Blick auf die versicherungstechnische Erfolgslage besser da als je zuvor. Darüber hinaus müssen die Unternehmen bei geringerem Wachstum auch weniger Geld am Kapitalmarkt anlegen – kurzfristig ein positiver Umstand bei den aktuell niedrigen Zinsen. Auf Dauer werden diese aber Beitragssteigerungen forcieren. Das ist das Ergebnis des Assekurata-Marktausblicks zur privaten Krankenversicherung 2015.

(PDF)
566869_pixelio566869_pixelio

Die derzeitige Wachstumsschwäche in der Vollversicherung bringt im Hinblick auf die Ertragslage auch entlastende Effekte für die Unternehmen mit sich. In Anbetracht sinkender Nettoverzinsungen und drohender Rechnungszinsabsenkungen wird es für die Gesellschaften aber immer wichtiger, Ausgaben zu minimieren und die Überschüsse aus der Kostenkalkulation durch mehr Effizienz weiter zu erhöhen. Doch wird dies nicht ausreichen, um eine Absenkung des Rechnungszinses im Bestand zu verhindern.

Die Assekurata gehe davon aus, dass nur noch sehr wenige Krankenversicherer einen Aktuariellen Unternehmenszins über 3,5 Prozent erreicht haben, prognostiziert Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung und Verfasser der Untersuchung. „Für das diesjährige AUZ-Verfahren rechnen wir bei vielen PKV-Unternehmen bereits mit einer zwei vor dem Komma. Insofern dürfte der Rechnungszins in den nächsten Jahren die Beitragserhöhungen mit bestimmen.“

Geringe Beitragssteigerungen kein Dauerzustand

Die vielfach befürchteten Beitragsexplosionen blieben bisher aus. Dies ist unter anderem auf die relativ stabile Schadenentwicklung bei den Unternehmen zurückzuführen. Im vergangenen Jahr war in der Vollversicherung die niedrigste Beitragsanpassungen der letzten 12 Jahre zu verzeichnen. Auch zu Beginn dieses Jahres stiegen die Beiträge nach ersten Erkenntnissen nur in geringem Umfang. Durchschnittlich betragen die Anpassungsraten bei den von Assekurata gerateten Krankenversicherern (Assekurata- Durchschnitt) 2,51 Prozent im Nicht-Beihilfe- und 1,71 Prozent im Beihilfesegment. Die Spannbreite reicht im so genannten Normalgeschäft allerdings von -0,35 Prozent bis 8,24 Prozent und im Beihilfebereich von -1,35 Prozent bis 6,60 Prozent.

Sollte das Niedrigzinsumfeld weiter andauern, werden die zuletzt geringen Beitragssteigerungen jedoch nach Einschätzung von Assekurata insbesondere in der Vollversicherung kein Dauerzustand bleiben Eine gängige Faustformel besagt, dass bei Personen mittleren Alters eine Absenkung des Rechnungszinses um 0,1 Prozentpunkte für Vollversicherungen eine durchschnittliche Anpassung von etwa 1 Prozent und für Pflegeversicherungen von circa 5 Prozent nach sich zieht, was mit dem geringeren Durchschnittsbeitrag zusammenhängt.

Durch den Einsatz von Mitteln aus der Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) können die Unternehmen Beitragserhöhungen abmildern oder mitunter sogar gänzlich ausfinanzieren. Der Versicherte bekommt dann wenig bis gar nichts von der Anpassung mit. Hierfür konnte die Branche aufgrund der positiven Erfolgslage gepaart mit den geringen Anpassungsnotwendigkeiten von 2010 bis 2013 die Mittel deutlich aufbauen. So erhöhte sich die RfB-Quote im Marktdurchschnitt spürbar von 26,2 Prozent auf 37,0 Prozent. Für 2014 geht Assekurata nach ersten Erkenntnissen von einem weiteren Anstieg auf knapp 43 Prozent aus.

Niedrigere Beiträge durch Tarifwechsel

Darüber hinaus bieten sich PKV-Kunden Möglichkeiten, ihre Beiträge aktiv zu reduzieren. Ein Wechsel in den Standard- beziehungsweise Basistarif sollte hierzu jedoch stets nur die Ultima Ratio sein. Der Beitrag für den Basistarif entspricht üblicherweise dem gültigen Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (2015: 639,38 Euro) und dürfte damit in der Regel teurer sein, als der Zahlbeitrag im Ausgangstarif. „Der Basistarif ist daher nicht als Auffangtarif für langjährig PKV-Versicherte geeignet, die ihren Beitrag reduzieren wollen“, sagt Gerhard Reichl. Im Standardtarif liegt der Beitrag nach den Erkenntnissen von Assekurata im Durchschnitt unter 300 Euro und damit deutlich unterhalb des GKV-Höchstbeitrags. „Vor diesem Hintergrund sollte der Standardtarif im Sinne der Versicherten auch für Personen, die nach dem 31.12.2008 in die PKV gewechselt sind, freiwillig weitergeführt beziehungsweise wieder geöffnet werden“, plädiert Gerhard Reichl.

Im vergangenen Jahr mussten die PKV-Gesellschaften mussten Bestandsverluste hinnehmen. Die Zahl der Vollversicherten sank laut Verbandsangaben um 0,63 Prozent beziehungsweise 55.700 auf 8,83 Millionen. In der Ergänzungsversicherung erhöhte sich dagegen der Bestand nach Angaben des PKV-Verbandes um 1,7 Prozent auf knapp 24 Mio. Verträge. Das weiterhin positive Wachstum in diesem Segment dürfte jedoch nur ein schwacher Trost für die Unternehmen sein, zumal auch hier die Zugangszahlen sowohl absolut als auch relativ gesehen zurückgehen

bKV noch wenig verbreitet

Die betriebliche Krankenversicherung wird vielfach zwar gern als potenzialträchtig eingestuft, führt jedoch immer noch ein Schattendasein und die einstigen Wachstumsfelder Zahn und Pflege sind ins Stocken geraten. Nach den Assekurata vorliegenden Informationen wurden im ersten Quartal 2015 deutlich weniger Pflege-Bahr-Verträge abgeschlossen als noch 2014.

Was die Vermittlung von Vollkostentarifen angeht, dürfte sich die Stimmung aller Voraussicht nach auch 2015 nicht verbessern. Hinzu kommen die angespannte Zinssituation und, nicht zu vergessen, die Überarbeitung der Gebührenordnung für Ärzte, welche für eine Verteuerung des Vollversicherungsschutzes sorgen werden. „Doch nicht nur die PKV, sondern auch die gesetzlichen Krankenkassen stehen aufgrund perspektivisch steigender Zusatzbeiträge vor Finanzierungsherausforderungen“, betont Gerhard Reichl. „Die PKV tut hier gut daran, vor allem ihre Hausaufgaben zu einer Beitragsentlastung von Versicherten im Bestand umzusetzen.“

Bild: © Christa El Kashef / pixelio.de

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Roter-Pfeil-Mauer-165897556-AS-Andrey-PopovRoter-Pfeil-Mauer-165897556-AS-Andrey-PopovAndrey Popov – stock.adobe.com
Assekuranz

PKV: Assekurata warnt vor hohen Beitragsanpassungen

Der Niedrigzins hat die private Krankenversicherung (PKV) auch 2021 fest im Griff und schlägt mit hohen Beitragsanpassungen in der Voll- und Pflegeversicherung durch. Der Wachstumsmotor Pflegezusatzversicherung scheint dadurch ins Stottern zu geraten – trotz oder gerade wegen der Diskussion um stark steigende Pflegekosten und der inzwischen beschlossenen Pflegereform.
shocked man holding some documents on sofa livingroomshocked man holding some documents on sofa livingroom
Assekuranz

22 Krankenkassen erhöhen mitten im Jahr den Beitrag

Seit Mai 2024 haben 22 Krankenkassen mitten im Jahr den Beitrag erhöht, 17 davon hatten schon zum Jahreswechsel mehr Geld verlangt. 7,6 Millionen GKV-Versicherte sind laut Finanztip davon betroffen. Musterrechnungen des Geld-Ratgebers zeigen, ein Durchschnittsverdiener spart durch einen Wechsel zu einer günstigen Krankenkasse oft mehr als 300 Euro im Jahr.
Würfel mit Pfielen und einer Gabelung symbolisieren die EntscheWürfel mit Pfielen und einer Gabelung symbolisieren die Entschefotogestoeber – stock.adobe.com
Assekuranz

Wettbewerbsverzerrung in der Krankenversicherung beenden

Angestellte in Deutschland müssen im Jahr 2025 deutlich mehr verdienen, um sich zwischen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der Privaten Krankenversicherung (PKV) entscheiden zu können. Die Versicherungspflichtgrenze soll auf 73.800 Euro steigen. Die massive Erhöhung greift in die Wahlfreiheit von Millionen Angestellten ein und verzerrt den gut funktionierenden Wettbewerb zwischen GKV und PKV stärker als bisher.
Doctor and her patientDoctor and her patientsepy – stock.adobe.com
Assekuranz

map-report: neues Bilanzrating Private Krankenversicherung 2023

Der map-report 935 analysiert ausgesuchte Bilanzkennzahlen privater Krankenversicherer für die Jahre 2019 bis 2023. Die Neuauflage zeigt, wie sehr das Geschäft von äußeren Einflüssen betroffen ist. Die Alte Oldenburger, die in den letzten Jahren jeweils die beste Bewertung erzielte, gibt die Spitzenposition an die LVM ab. Platz 2 nimmt die Universa und Platz 3 die Alte Oldenburger ein.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht