Das Risiko, durch Terroranschläge, Gewaltverbrechen oder Flugzeugabstürze ums Leben zu kommen, wird von einem Großteil der Bevölkerung überschätzt. Tatsächlich ernstzunehmende Gefahren wie ungesunde Ernährung, Rauchen oder Bewegungsmangel fürchten sie dagegen kaum. Auch bei Krankheiten wie Alzheimer, Schlaganfall oder Herzinfarkt unterschätzt die Mehrheit das Risikopotenzial.
Das belegt eine repräsentative TNS-Emnid-Studie, die der Lebensversicherer Canada Life in Kooperation mit dem Risikoforscher und Mediziner Prof. Dr. Klaus Heilmann durchgeführt hat. Insgesamt 1.005 Bundesbürger wurden im Januar 2015 nach der von ihnen geschätzten Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmter Risiken befragt. Der Vergleich mit statistischen Daten zeigt: „Vielen fehlt das Bewusstsein, wo die tatsächlichen Gefahren des Alltags liegen“, so Bernhard Rapp, stellvertretender Deutschlandchef des Lebensversicherers Canada Life. „Existenzielle Risiken wie schwere Krankheiten werden mehrheitlich verdrängt, obwohl sie relativ häufig auftreten. Absicherungslücken in der breiten Bevölkerung sind die Folge.“ Andere Gefahren wirken hingegen bedrohlicher auf die Deutschen.
Gefühlte Bedrohung: Flugzeugkatastrophen, Terror und Gewalt
Terroranschläge zählen zu den am häufigsten überschätzten Gefahren. „Statistisch wird bei uns nur etwa einer von 27,3 Millionen Menschen im Jahr Opfer eines Anschlags“, so Heilmann. Rund 79 Prozent gehen jedoch von einem deutlich höheren Risiko aus. Gleiches gilt für Gewaltverbrechen: 63 Prozent der Deutschen überschätzen das Gefahrenpotenzial. Ebenfalls weit verbreitet ist die Angst, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen: Rund die Hälfte der Befragten hält das Risiko eines tödlichen Flugunglücks für deutlich wahrscheinlicher, als es nach Unfallstatistiken ist.
Wenig risikobewusst sind die Deutschen, wenn es um Krankheiten geht. Rund drei von vier Bundesbürgern unterschätzen die Wahrscheinlichkeit, vor dem 65. Lebensjahr einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Bei Alzheimer gehen sogar 83 Prozent, bei Krebs 70 Prozent von einer zu niedrigen Erkrankungsrate aus. Dabei liegen gerade hier die realen Gefahren: „Statistisch muss einer von 250 Deutschen vor 65 mit einem Schlaganfall rechnen“, so Heilmann. „Bei Krebs beträgt die Rate sogar 1 zu 160.“ Die Fehleinschätzung hat Folgen. „Zu wenige Menschen sichern sich dagegen ab, dass sie krank werden und nicht mehr arbeiten können“, so Rapp. „Dabei kann jeder vierte Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen seiner Arbeit bis zum Rentenalter nicht mehr nachkommen.“ Aktuell haben sich nur rund 30 Prozent der Menschen zwischen 15 und 65 Jahren mit einer Berufsunfähigkeits-, Schwere Krankheiten- oder Grundfähigkeitsversicherung geschützt.
Zu wenig Bedeutung messen die Bundesbürger auch Risiken bei, die sie durch ihre Lebensführung direkt beeinflussen können. Rauchen (mehr als 20 Zigaretten pro Tag), harte Drogen und Alkohol werden noch immer mehrheitlich unterschätzt. Vier von fünf Deutschen verdrängen die Gefahren, die ungesunde Ernährung für den Körper mit sich bringt. Und rund 60 Prozent verharmlosen die Folgen des Bewegungsmangels. Heilmann gibt das Risiko, durch falsche oder übermäßige Ernährung vorzeitig zu sterben, mit etwa 1 zu 110, für Bewegungsmangel mit etwa 1 zu 760 an. „Übergewicht und Bewegungsmangel sind die Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, erklärt Heilmann. „Verbraucher benötigen Orientierung, wo die Realrisiken des Alltags liegen“, so Bernhard Rapp von Canada Life. „Und sie brauchen sinnvolle und bezahlbare Angebote von Versicherern.“
Bild: (1) © Nomad Soul / fotolia.com (2 - 4) © Canada Life
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