„Unternehmen müssen aufhören, Fördergelder liegen zu lassen!“

Veröffentlichung: 13.08.2025, 06:08 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Herausforderungen stehen für Unternehmer mittlerweile an der Tagesordnung. Doch bleibt eine mögliche Lösung immer noch zu oft ungenutzt. Warum Fördermittel in der Wirtschaft weiterhin stiefmütterlich behandelt werden und wie sich dies ändern lässt, erklärt Stephan Schüren, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Schüren GmbH, in seinem Gastkommentar.

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Stephan Schüren, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Schüren GmbH in Erkelenz. Er ist auf Fördermittelberatung, Unternehmensfinanzierung und Existenzgründung spezialisiert und vom BAFA und der IHK anerkannter Berater.Stephan Schüren, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Schüren GmbH in Erkelenz. Er ist auf Fördermittelberatung, Unternehmensfinanzierung und Existenzgründung spezialisiert und vom BAFA und der IHK anerkannter Berater.Unternehmensberatung Schüren GmbH

Wer die Zeitung aufschlägt, liest beinahe täglich Klagen über den Fachkräftemangel, hohe Energiepreise oder die schleppende Digitalisierung. Doch erhält eine enorme Ressourcenverschwendung in deutschen Unternehmen dabei so gut wie keine Aufmerksamkeit: ungenutzte Fördermittel. Jedes Jahr bleiben Millionen an Zuschüssen, Förderkrediten und Unterstützungsprogrammen unangetastet. Diese Mittel könnten Digitalisierungsvorhaben ermöglichen, Investitionen in Maschinen absichern oder den Einstieg in klimafreundliche Prozesse erleichtern. Aber sie verfallen, weil Unternehmen Anträge falsch stellen, zu spät mit der Einreichung beginnen oder sich gar nicht erst mit der Förderlandschaft beschäftigen. Das ist keine unvermeidbare Realität, sondern ein hausgemachtes Problem, das Unternehmen Konkurrenzfähigkeit kostet.

Kein bürokratischer Selbstzweck

Viele Unternehmer schrecken bereits beim ersten Blick auf die Förderrichtlinien zurück. Sie sehen für sie unverständliche Paragraphen, komplexe Antragsportale sowie kleinteilige Nachweislisten und entscheiden sich dafür, es lieber gleich zu lassen. In diesem Zusammenhang übersehen sie aber, dass Fördermittel kein bürokratischer Selbstzweck, sondern ein strategisches Finanzierungsinstrument sind, das das Risiko neuer Investitionen abfedert. Dabei lässt sich durchaus Verständnis für eine gewisse Angst vor Formularen aufbringen, doch führt sie dazu, dass Projekte entweder ohne Förderung gestartet oder komplett auf Eis gelegt werden, weil sich bereits Unsicherheit breit gemacht hat. Wer Fördermittel ignoriert, verzichtet auf einen Teil seine unternehmerischen Möglichkeiten, nur weil er sich nicht zutraut, diesen richtig zu nutzen.

Dynamische Förderlandschaft

Es hält sich eine hartnäckige Fehleinschätzung in vielen Unternehmen: Wer meint, er kenne alle Programme, irrt sich meistens. Förderlandschaften verhalten sich dynamisch, Fristen verschieben und Programme ändern sich, Budgets werden vorzeitig ausgeschöpft, neue Förderungen starten unbemerkt neben bekannten Bundesprogrammen. Viele Unternehmen arbeiten mit veralteten Informationen oder erfahren von einem Förderprogramm, das angeblich nicht passt, weil es auf den ersten Blick zu eng gefasst wirkt. Die Wahrheit ist: Förderungen sind selten 100 Prozent passgenau. Sie verhalten sich wie Puzzleteile, die in eine Finanzierung eingebaut werden müssen, anstatt darauf zu warten, dass ein Programm exakt zum eigenen Projekt passt. Unternehmen, die immer nur auf den perfekten Fördertopf wartet, müssen das wahrscheinlich sehr lange tun.

Falsche Prioritäten

Wer einen Antrag stellt, bleibt natürlich auch nicht vor einer Ablehnung gefeit. Ein besonders häufiger Grund dafür findet sich in der falschen Reihenfolge. Viele Unternehmen investieren zunächst und stellen im Anschluss fest, dass es dafür theoretisch eine Förderung gegeben hätte. Doch wer erst selbst zahlt und dann einen Antrag stellt, hat in vielen Programmen keine Chance mehr auf Förderung. Die Fördersystematik ist darauf ausgelegt, dass Anträge vor Beginn einer bestimmten Maßnahme gestellt und genehmigt werden müssen. Unternehmen scheitern also nicht an Ermangelung möglicher Förderprogramme, sondern an fehlender Planung. Wer sich Fördermittel sichern will, muss von Anfang an einplanen, welche Vorlaufzeiten und Genehmigungswege notwendig sind.

Es braucht professionelle Beratung

Fördermittel stellen kein Wohlfahrtsinstrument dar, sondern ein wettbewerbliches Tool. Wer komplexe steuerliche Sachverhalte klären möchte, geht zum Steuerberater. Wer eine Maschine warten lassen will, ruft den Techniker – und wer Fördermittel effizient nutzen möchte, sollte einen spezialisierten Berater hinzuziehen, der die Programme kennt, Fristen im Blick hat, die Förderrichtlinien beherrscht und aus Erfahrung weiß, welche Fallstricke es zu beachten gilt. Eine professionelle Beratung ermöglicht es, Fördermittel als strategisches Element in Investitionsentscheidungen zu integrieren und nicht als Hindernis wahrzunehmen. Die falsche Vorstellung, Fördermittel seien zu kompliziert, kann Unternehmen bares Geld kosten. Verschiedenste Institutionen stellen diese Mittel zur Verfügung, weil sie Transformation, Digitalisierung und nachhaltiges Wachstum fördern will. Damit liegt es an den Unternehmen, diese Möglichkeiten zu nutzen, um ihre Zukunftsfähigkeit zu sichern. Es ist an der Zeit, dass Unternehmen aufhören, Gelder ungenutzt liegenzulassen – und stattdessen beginnen, sie professionell zu nutzen.

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