Apple erhöht die Preise und das könnte nur der Anfang sein

Veröffentlichung: 12.05.2025, 16:05 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die Preisstrategie von Apple ist ein Signal an die gesamte Techbranche: Wenn selbst eines der profitabelsten Unternehmen der Welt die Mehrkosten durch geopolitische Spannungen und Handelszölle nicht mehr vollständig absorbieren kann, dann ist klar – andere werden folgen. Die wirtschaftliche Realität zwingt Konzerne zu Preisanpassungen, selbst wenn sie in ihrer Kommunikation bemüht sind, die wahren Gründe zu verschleiern.

(PDF)
Analysten schätzen, dass die Preise für iPhones um bis zu 43 % steigen könnten.Analysten schätzen, dass die Preise für iPhones um bis zu 43 % steigen könnten.Foto: Apple

Auswirkungen auf Verbraucher und Markt

Analysten schätzen, dass die Preise für iPhones um bis zu 43 % steigen könnten, wenn Apple die zusätzlichen Kosten vollständig an die Verbraucher weitergibt. Dies könnte den Preis des iPhone 16 Pro Max auf nahezu 2.300 US-Dollar erhöhen. Solche Preissteigerungen könnten die Nachfrage dämpfen und Apples Marktanteil gefährden.

Strategien der Verschleierung – wirtschaftliche Notwendigkeiten als Innovation getarnt

Die Verteuerung neuer Produkte wird oft mit zusätzlichen Features, Designs oder Nachhaltigkeitsversprechen gerechtfertigt. Doch der eigentliche Treiber sind wirtschaftliche Zwänge, die sich der Kontrolle der Unternehmen entziehen – etwa US-Strafzölle auf Waren aus China, Inflationsdruck oder steigende Logistikkosten. Apple illustriert dieses Phänomen exemplarisch: Statt offen über Zölle zu sprechen, verweist man auf neue Modelleigenschaften. Diese Strategie dürfte Schule machen.

Die strukturelle Abhängigkeit von China bleibt – trotz Diversifizierungsversuchen

Die Bemühungen von Apple, mehr Produktionskapazitäten nach Indien zu verlagern, zeigen zwar Wirkung, stoßen aber an technische und infrastrukturelle Grenzen. Der Know-how-Vorsprung Chinas in der Fertigung komplexer Elektronik, die eingespielte Lieferkette und die Skalierbarkeit der Produktion sind in dieser Form bisher einzigartig. Kurzfristig bleibt China unverzichtbar – nicht nur für Apple, sondern auch für Unternehmen wie Samsung, Dell, HP, Sony oder Microsoft.

Ein sektorübergreifender Trend – Preisdruck erreicht alle

Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis weitere Techfirmen ähnliche Schritte unternehmen. Bereits jetzt deuten sich bei anderen Herstellern moderate Preiserhöhungen an – auch hier meist mit dem Verweis auf Innovation, Umwelt oder höhere Qualität. In Wirklichkeit ist es eine stille Reaktion auf die zunehmende Fragilität globaler Lieferketten und die politische Instrumentalisierung des Welthandels.

Eine neue Realität der Techökonomie

Die globale Wirtschaft hat sich verändert – und mit ihr die betriebswirtschaftlichen Spielräume der Konzerne. Die Zeit, in der geopolitische Spannungen durch Margenpuffer aufgefangen werden konnten, ist vorbei. Preissteigerungen sind nicht nur wahrscheinlich, sondern notwendig, um Rentabilität zu sichern. Dass sie nicht offen mit Zöllen oder politischen Risiken begründet werden, ist Ausdruck strategischer Kommunikationsdisziplin – aber auch ein Hinweis auf die langfristige Unsicherheit, mit der die Unternehmen rechnen müssen.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A.Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A.ETHENEA Independent Investors S.A.
Wirtschaft

Weltwirtschaft 2026: Diese drei Risiken sieht Portfoliomanager Jörg Held

Wachstum über dem Trend, sinkende Inflation und vorsichtig lockerer werdende Geldpolitik – auf den ersten Blick erscheint das makroökonomische Umfeld für 2026 stabil. Doch aus Sicht des Portfoliomanagers Jörg Held könnten mehrere Entwicklungen die Lage schnell verändern.
Die Anhebung des Mindestlohns auf 15 Euro ist mehr als ein sozialpolitisches Symbol – sie stellt einen tiefgreifenden wirtschaftspolitischen Eingriff dar.Die Anhebung des Mindestlohns auf 15 Euro ist mehr als ein sozialpolitisches Symbol – sie stellt einen tiefgreifenden wirtschaftspolitischen Eingriff dar.Foto: Adobestock
Wirtschaft

AfA und SPD fordern 15 Euro Mindestlohn: Politischer Vorstoß mit systemischer Wirkung

Die SPD-Arbeitnehmer fordern ab 2026 einen Mindestlohn von 15 Euro – ein Schritt, der weit über soziale Symbolpolitik hinausgeht. Warum dieser Vorstoß ein systemischer Eingriff in das Gefüge der deutschen Wirtschaft ist – und was Unternehmen jetzt erwartet.
Die geplanten US-Strafzölle sind mehr als protektionistische Symbolpolitik – sie markieren eine tiefgreifende wirtschaftspolitische Zeitenwende.Die geplanten US-Strafzölle sind mehr als protektionistische Symbolpolitik – sie markieren eine tiefgreifende wirtschaftspolitische Zeitenwende.Foto: DALL-E
Wirtschaft

Trumps 50-Prozent-Zölle: Deutschlands Wirtschaft im Würgegriff

Donald Trump droht mit 50 % Strafzöllen auf EU-Importe. Was das für Deutschlands Wirtschaft bedeutet – und wie sich Europa unabhängiger machen kann.
Mit der Gründung des Fonds positionieren sich die Vereinigten Staaten deutlich als führender Wiederaufbauakteur der Ukraine.Mit der Gründung des Fonds positionieren sich die Vereinigten Staaten deutlich als führender Wiederaufbauakteur der Ukraine.Foto: Grok
Wirtschaft

USA und Ukraine gründen gemeinsamen Wiederaufbaufonds: Strategisches Bündnis zur wirtschaftlichen Stärkung und geopolitischen Positionierung

USA und Ukraine gründen einen gemeinsamen Wiederaufbaufonds zur Stärkung der ukrainischen Wirtschaft – mit Fokus auf Öl, Gas und strategische Rohstoffe. Militärhilfe kann als Beitrag gewertet werden. Europa droht geopolitisch ins Hintertreffen zu geraten.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht