Corona-Soforthilfe: Personalkosten nicht förderfähig

Veröffentlichung: 03.04.2025, 10:04 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Corona-Soforthilfe durfte nicht zur Deckung von Personalkosten genutzt werden, das hat der Bayrische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) jetzt klargestellt. - Welche Konsequenzen Unternehmen jetzt drohen.

(PDF)
Corona-SoforthilfeCorona-SoforthilfeCorona-Soforthilfe durfte nicht zur Deckung von Personalkosten genutzt werden, das hat der Bayrische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) jetzt klargestellt. - Welche Konsequenzen Unternehmen jetzt drohen.Alexandra_Koch / pixabay

Unternehmen und Soloselbstständige müssen Corona-Soforthilfen des Freistaats Bayern aus dem Frühjahr 2020 zurückzahlen, wenn sich nachträglich herausstellt, dass kein pandemiebedingter Liquiditätsengpass vorlag. Dies hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) mit Beschluss vom 27. März 2025 (Az. 21 ZB 24.514) klargestellt. Fördervoraussetzung war ein solcher Engpass – und dieser musste sich ausschließlich auf den Sach- und Finanzaufwand beziehen. Personalkosten waren nicht berücksichtigungsfähig.

Einzelfall zeigt rechtliche Grenzen der Soforthilfe

Ein Friseur hatte im Frühjahr 2020 auf Antrag eine Corona-Soforthilfe in Höhe von 9.000 Euro erhalten. Später stellte sich heraus, dass der Betrieb nicht unter einem pandemiebedingten Liquiditätsengpass im Sinne der maßgeblichen Förderrichtlinien litt. Die Regierung von Mittelfranken forderte die Förderung daraufhin zurück. Das Verwaltungsgericht Ansbach wies die Klage des Betroffenen gegen den Rückforderungsbescheid ab. Der BayVGH bestätigte diese Entscheidung nun in zweiter Instanz.

So begründet der BayVGH seine Entscheidung

Nach den einschlägigen Förderrichtlinien war die Soforthilfe zweckgebunden: Sie diente ausschließlich der Überbrückung existenzbedrohlicher wirtschaftlicher Schwierigkeiten – konkret eines pandemiebedingten Liquiditätsengpasses. Ein solcher Engpass lag vor, wenn die laufenden Einnahmen voraussichtlich nicht ausreichten, um in einem Zeitraum von drei Monaten den betrieblichen Sach- und Finanzaufwand zu decken.

Nicht förderfähig waren hingegen Personalkosten – also insbesondere Gehälter und Sozialversicherungsbeiträge. Der BayVGH stellte klar, dass die Richtlinien hierzu eindeutig sind. Auch aus dem Förderzweck – dem Erhalt von Arbeitsplätzen – lasse sich keine weitergehende Auslegung ableiten. Denn die Sicherung der betrieblichen Existenz durch die Soforthilfe trage bereits indirekt zum Erhalt von Arbeitsplätzen bei.

Die Entscheidung betont zudem, dass es im maßgeblichen Zeitraum keine abweichende Verwaltungspraxis gegeben habe. Die Regierung von Mittelfranken habe Personalkosten von Anfang an nicht in die Berechnung einbezogen. Selbst wenn einzelne Anträge, die Personalkosten auswiesen, bewilligt worden sein sollten, begründe dies keine anspruchsbegründende Verwaltungspraxis.

Für nicht beschäftigbares Personal seien andere Instrumente wie Kurzarbeit vorgesehen gewesen. Arbeitgeber hätten diese Möglichkeit nutzen müssen, um Personalkosten aufzufangen.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Nürnberger-Vorstandschef Harald RosenbergerNürnberger-Vorstandschef Harald RosenbergerNÜRNBERGER
Unternehmen

NÜRNBERGER wird Teil der Vienna Insurance Group

Die Übernahme der NÜRNBERGER durch die Vienna Insurance Group (VIG) ist abgeschlossen. Künftig gehört der Versicherer zur internationalen VIG-Gruppe, soll aber weiterhin eigenständig am deutschen Markt auftreten. Im Mittelpunkt stehen nun Transformation, IT-Modernisierung und der Ausbau der Biometrie-Kompetenz.
Zentrale Steuerung, klare Hierarchien: Plattformmodelle im Vertrieb werfen Fragen zur Unabhängigkeit klassischer Maklerstrukturen auf (Symbolbild).Zentrale Steuerung, klare Hierarchien: Plattformmodelle im Vertrieb werfen Fragen zur Unabhängigkeit klassischer Maklerstrukturen auf (Symbolbild).Redaktion experten.de / KI-generiert
Unternehmen

wefox und das Maklermodell: Interne Strukturen werfen Fragen auf

Parallel zu einer Notfallfinanzierung setzt wefox offenbar weiter auf Wachstum durch Übernahmen. Neue Unterlagen zeichnen ein zweigeteiltes Bild – und werfen nicht nur strategische, sondern auch strukturelle Fragen zur Organisation des Vertriebs auf.
Zwischen Stabilisierung und Expansion: wefox setzt trotz Notfallfinanzierung weiterhin auf Wachstum durch Übernahmen.Zwischen Stabilisierung und Expansion: wefox setzt trotz Notfallfinanzierung weiterhin auf Wachstum durch Übernahmen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Unternehmen

wefox setzt trotz Notfallfinanzierung weiter auf Zukäufe

Parallel zu einer Notfallfinanzierung setzt wefox offenbar weiter auf Wachstum durch Übernahmen. Neue Unterlagen zeichnen ein zweigeteiltes Bild – und werfen Fragen zur strategischen Prioritätensetzung auf.
Der VEMA-Vorstand: Thomas Hirsch, Andreas Brunner und Dr. Johannes Neder (v.l.n.r.)Der VEMA-Vorstand: Thomas Hirsch, Andreas Brunner und Dr. Johannes Neder (v.l.n.r.)VEMA
Unternehmen

VEMA beteiligt sich an BCA: Maklerplattformen rücken enger zusammen

Die VEMA Versicherungsmakler Genossenschaft eG beteiligt sich mit 9,9 Prozent an der BCA AG. Ziel ist eine vertiefte Zusammenarbeit – insbesondere beim Zugang zu Investmentlösungen und der Stärkung unabhängiger Vermittler.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht