Energiewende: TÜV SÜD & Zurich starten Photovoltaik-Kooperation

Veröffentlichung: 13.06.2024, 13:06 Uhr - Lesezeit 8 Minuten

TÜV SÜD und die Zurich Gruppe Deutschland geben eine Photovoltaik-Kooperation bekannt, um die Energiewende bei Industrie, Mittelstand und Gewerbe weiter voranzubringen und einen sicheren Betrieb von Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) zu fördern. Ab sofort haben Zurich Kunden über den Bereich Zurich Resilience Solutions die Möglichkeit, eine neutrale Überprüfung ihrer Anlagen durch die Sachverständigen des Prüf- und Zertifizierungsdienstleisters TÜV SÜD durchführen zu lassen.

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Rooftop Solar PV SystemRooftop Solar PV Systemwichientep – stock.adobe.com

Unternehmen stehen immer wieder vor der Herausforderung die gesetzlichen und versicherungstechnischen Vorgaben zu erfüllen, um einen zuverlässigen und sicheren Anlagenbetrieb zu gewährleisten. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, haben die Expertinnen und Experten von Zurich und TÜV SÜD nun drei passgenaue Pakete für die unterschiedlichen Lebensphasen von Anlagen entwickelt.

Neuanlagen fehlerfrei in Betrieb nehmen

Eine ordnungsgemäße Planung und Montage ist von entscheidender Bedeutung für die langfristige Funktionalität und Sicherheit einer Photovoltaik-Anlage. Aus diesem Grund umfasst das Paket PV Neuanlagen sowohl die planungs- und baubegleitende Prüfung als auch die Unterstützung des künftigen Betreibers bei der Abnahme bzw. vor der Inbetriebnahme der Anlage. Dadurch können beispielsweise Fehler wie die unsachgemäße Befestigung der Module auf dem Dach oder eine mangelhafte Verkabelung der Module vermieden beziehungsweise noch vor Inbetriebnahme erkannt und behoben werden. Darüber hinaus kann ein unzureichender oder fehlerhafter Blitz- und Überspannungsschutz zu schwerwiegenden Schäden an PV- Anlagen führen oder sogar Brände auslösen. Dies kann ebenfalls geprüft werden.

Regelmäßige Prüfung schützt vor Schäden

Damit PV-Anlagen dauerhaft zuverlässig und sicher betrieben werden können, sind regelmäßige Kontrollen sowie Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten durch den Betreiber erforderlich. Im Rahmen des Pakets PV Betrieb überprüfen die Expertinnen und Experten von TÜV SÜD, ob alle erforderlichen Instandhaltungsmaßnahmen fristgerecht durchgeführt wurden und prüfen die Anlage nach den Vorgaben der DIN VDE 0126-23-1 „Photovoltaik (PV)-Systeme – Anforderungen an Prüfung, Dokumentation und Instandhaltung“ Das Dienstleistungs-Paket enthält zudem eine Ordnungs- und Plausibilitätsprüfung auf Basis der VdS-Prüfrichtlinie 2871 und eine allgemeine Blitzschutzprüfung. Im Rahmen dieses Pakets werden auch gegebenenfalls durchgeführte technische Veränderungen an der Anlage seit Inbetriebnahme bewertet und dokumentiert.

Besonderes Risiko: Bestehende Anlagen ohne Prüfung

Bestehende Anlagen sind nach den gemeinsamen Erfahrungen von Zurich und TÜV SÜD in den wenigsten Fällen durch Sachverständige anfänglich geprüft worden. Dafür wurde vom TÜV SÜD das Paket PV Altanlagen entwickelt. Dieses basiert auf dem Leistungsumfang des Pakets PV Betrieb, beinhaltet aber zusätzlich eine umfangreiche Eingangsprüfung. Im Rahmen dieser Prüfung wird festgestellt, ob die gesetzlichen und versicherungstechnischen Anforderungen an einen zuverlässigen und sicheren Betrieb auch weiterhin erfüllt werden. Mit zunehmendem Alter steigt auch die Fehleranfälligkeit signifikant an. Von beschädigten PV-Modulen, Wechselrichtern, Kabeln oder Steckverbindungen geht nicht nur ein erhebliches Sicherheitsrisiko aus, sie sind häufig auch Ursache für einen erheblichen Leistungsabfall. „Wenn ältere PV-Anlagen aus einer Förderung herauslaufen, reduziert sich die Wirtschaftlichkeit einer Anlage. Dann besteht die Gefahr, dass Betreiber aus Kostengründen die Wartung und Instandhaltung stark zurückfahren oder komplett stoppen“, sagt Stefan Veit, PV-Experte bei der TÜV SÜD Industrie Service GmbH. „Bei vernachlässigten PV-Anlagen nehmen die Sicherheitsrisiken drastisch zu, während die Leistungsfähigkeit stark zurückgehen kann.“ Aus diesem Grund ist es nach Aussage des TÜV SÜD-Experten von großer Bedeutung, dass gerade auch ältere Anlagen regelmäßig gewartet, instandgehalten und überprüft werden.

TÜV SÜD Check für Zurich Photovoltaik-Leitfaden

Bereits im vergangenen Jahr hatte Zurich über den Bereich Zurich Resilience Solutions einen Unternehmensleitfaden, ein sogenanntes White Paper, für die Installation und den Betrieb von Photovoltaik-Anlagen auf Industrie- und Gewerbedächern veröffentlicht. Kunden erhalten damit anhand von Checklisten konkrete Hilfestellungen. Im Fokus steht der vollumfängliche Blick auf PV-Anlagen hinsichtlich Naturgefahren, Installations-, Betriebsunterbrechungs- und Brandrisiken. Dieser Leitfaden wurde jetzt zusammen mit den TÜV SÜD Expertinnen und Experten fachlich weiterentwickelt und in einer angepassten Version neu veröffentlicht.

Ziel ist sowohl die Installation als auch den Betrieb sicher und nachhaltig zu gestalten. Durch eine sachgemäße Wartung und Instandhaltung können die Anlagen eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren erreichen und damit auch ein langfristig sicheres Investment sein. „Unsere Kooperation füllt eine Lücke zwischen versicherungstechnischen Vorgaben und gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen an PV-Anlagen. Dies wird durch TÜV SÜD aus einer Hand angeboten, so dass unsere Kunden weniger Koordinationsaufwand und einen kompetenten Ansprechpartner haben. Das ergänzt unsere bestehenden Beratungsdienstleistungen hinsichtlich Feuer, Betriebsunterbrechungen und Naturgefahren der Zurich Resilience Solutions perfekt“, betont Christian Kopper, Zurich Principal Risk Engineer und Verfasser des Unternehmer-Leitfadens.

TÜV SÜD und die Zurich Gruppe Deutschland bauen im Rahmen ihrer Zusammenarbeit auf den aktuell durch den Beschluss des „Solarpaket I“ nochmals verstärkten Ausbau der PV-Anlagen. Laut Strom-Report wurden 2023 knapp eine Million neuer Solaranlagen in Deutschland mit einer neuen Höchstleistung von 14,6 Gigawatt installiert, davon stammen rund 18 Prozent bereits von Gewerbedächern. Während der Fokus hier auf dem Zuwachs von Neuanlagen liegt, kommen eine Vielzahl von Anlagen der Ersten Generation mittlerweile in die Jahre und geraten in einen Instandhaltungsstau. Dieses steigende Risiko möchten die beiden Unternehmen im Rahmen ihrer Kooperation nachhaltig senken.

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