hkk-Fehlzeitenanalyse: Krankenstand auf Rekordhoch

Veröffentlichung: 01.02.2024, 07:02 Uhr - Lesezeit 5 Minuten

Photo credit: depositphotos.com

(PDF)
Young ill man sitting on sofa at homeYoung ill man sitting on sofa at home

Die Krankheitsausfälle von Arbeitnehmenden bewegten sich auch im Jahr 2023 mit einem Krankenstand von 5,2 Prozent auf Rekordhöhe. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Datenanalyse der hkk Krankenkasse von 579.000 Erwerbstätigen. Demnach waren 2023 durchschnittlich jeden Tag 52 von 1.000 Beschäftigten arbeitsunfähig (AU). Im Jahr 2022 waren es bereits 5,0 Prozent gewesen. Vor allem Atemwegs- und psychische Erkrankungen sind für den hohen Krankenstand verantwortlich.

Laut hkk-Datenanalyse ist auch die Zahl der eingereichten Krankmeldungen gegenüber dem Vorjahr um 9,5 Prozent gestiegen (2023: 175 AU-Fälle je 100 Versicherte; 2022: 160). Dabei muss berücksichtigt werden, dass erst seit der Einführung der elektronischen Übermittlung der Krankmeldung (eAU) mit Beginn des Jahres 2023 die Fehlzeiten vollständig erfasst werden. Damit sind die Vorjahreszahlen nur eingeschränkt vergleichbar.

Wie bereits im Jahr 2022 fehlten im vergangenen Jahr mehr als zwei Drittel aller Beschäftigten mindestens einen Tag krankheitsbedingt am Arbeitsplatz (AU-Quote 2023: 67,0 Prozent; 2022: 66,8 Prozent). Insgesamt waren Arbeitnehmende 2023 durchschnittlich 19 Tage krankgeschrieben – 2022 waren es noch 18 Tage gewesen. Die durchschnittliche Fehlzeit pro AU-Fall sank hingegen von 11,5 Tagen im Jahr 2022 auf 10,9 Tage im Jahr 2023.

Atemwegserkrankungen vorne

Die meisten Fehltage am Arbeitsplatz wurden durch Erkrankungen des Atmungssystems (2023: 20,7 Prozent) verursacht, gefolgt von psychischen Erkrankungen (2023: 18,3 Prozent) und Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems (2023: 17,2 Prozent). Obwohl gegenüber dem Vorjahr insgesamt weniger Fehltage wegen Atemwegserkrankungen (-4,2 Prozent) gemeldet wurden, blieben Erkältungen, Bronchitis und Grippe an der Spitze der der Fehlzeitenstatistik.

Psychische Erkrankungen nehmen zu

Bemerkenswert ist zudem der Anstieg an Ausfällen wegen psychischen Erkrankungen um 19,6 Prozent. „Die Arbeitswelt hat sich verändert. Gewohnte Strukturen sind in vielen Bereichen weggefallen. So viel Veränderung kann auch zur Belastung werden“, so hkk-Gesundheitsexpertin Andrea Gumtau.

Hier brauche es klare betriebliche Regelungen und gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen, um auch in diesen Umbruchzeiten eine gute Orientierung für die Mitarbeitenden sicherzustellen.

Altenpflege-Personal am meisten krank

Im Vergleich verschiedener Berufsgruppen hatten Mitarbeitende in der Altenpflege den höchsten Krankenstand (9,9 Prozent), gefolgt von Gesundheits- und Krankenpflegepersonal (7,8 Prozent). Somit hatten Altenpflegende 2023 mit Abstand die meisten Fehltage und waren im Schnitt 36,1 Tage krankgeschrieben.

„Derartig hohe Fehlzeiten beeinträchtigen natürlich die Arbeitsabläufe im Pflegebereich und können in Zeiten des Fachkräftemangels durch die wenigen gesunden Kollegen nicht mehr aufgefangen werden. Dieser Zustand ist alarmierend“, sagt Andreas Möller, hkk-Pflegeexperte.

Seiner Einschätzung nach werde die hohe Ausfallquote in der Altenpflege auch durch strukturelle Begebenheiten – wie die Versorgung der Pflegebedürftigen rund um die Uhr mitverursacht. Mitarbeitende im Schichtdienst seien im ständigen Jetlag und damit besonders anfällig für Infektionskrankheiten. Durch neue Personalbemessungen sei zwar mehr Personaleinsatz möglich. Dem entgegen stehe aber ein erheblicher Fach- und Hilfskräftemangel.

Andreas Möller weiß aus seinen Gesprächen mit Bremer Einrichtungen, wie diese versuchen, ihre Mitarbeitenden durch neue Ansätze zu entlasten. Als Beispiele nennt er betriebsinternen Springerpools, die für mehr Dienstplanstabilität sorgen sollen oder eine Mitarbeiterbeteiligung durch Zeit-Sharing, damit Mitarbeitende im persönlichen Biorhythmus beschäftigen werden können.

„Am hilfreichsten wäre natürlich ausreichend Personal, um die Arbeit auf ausreichend viele Schultern zu verteilen“, so Möller. Dazu braucht es weitere Anstrengungen der Politik, Menschen für die Arbeit in der Pflege zu begeistern.

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Patrick Steeger ist unabhängiger Berater für betriebliche Gesundheitsvorsorge und Mitarbeiter-Benefits.Patrick Steeger ist unabhängiger Berater für betriebliche Gesundheitsvorsorge und Mitarbeiter-Benefits.Brandbenefits GmbH, Hamburg
bKV

Von Benefit zu Bindungsbooster: Wie eine bKV im Unternehmen Fluktuation spürbar senkt

Die betriebliche Krankenversicherung gilt als einer der gefragtesten Benefits im Wettbewerb um Fachkräfte. Doch nicht jede bKV entfaltet automatisch Wirkung. Patrick Steeger, unabhängiger Berater für betriebliche Gesundheitsvorsorge, zeigt in seinem Gastbeitrag, warum eine bKV nur dann Fluktuation senkt und Recruiting erleichtert, wenn sie strategisch eingeführt und im Unternehmen aktiv kommuniziert wird.
Gedanklich bei der Arbeit: Erholung gelingt immer seltener.Gedanklich bei der Arbeit: Erholung gelingt immer seltener.DALL-E
Studien

Dauerstress im Job nimmt zu

Termindruck, Unterbrechungen und eine wachsende Arbeitsdichte belasten immer mehr Beschäftigte in Deutschland. Der aktuelle Stressreport der Techniker Krankenkasse zeigt: Für viele endet die Arbeit nicht mit dem Feierabend – mit spürbaren Folgen für Gesundheit, Freizeit und soziale Beziehungen.
Gesundheitsvorsorge

Krankenstand auf Rekordniveau: Was die Zahlen der GKV über den Gesundheitszustand der Erwerbsbevölkerung verraten

Der Krankenstand in Deutschland hat mit 5,93 Prozent im März 2025 einen historischen Höchstwert erreicht – ein Spiegelbild gesellschaftlicher Erschöpfung und wachsender gesundheitlicher Belastungen. Was hinter dem Anstieg steckt, welche Folgen er für Wirtschaft und Gesundheitssystem hat und warum die Zahlen mehr sind als reine Statistik, zeigt eine aktuelle Auswertung des Statista Research Department.
Alcohol AddictAlcohol Addictlassedesignen – stock.adobe.com
Gesundheitsvorsorge

Teilzeitbeschäftigte beklagen psychische Erkrankung

Mehr als drei von zehn Deutschen leiden unter Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, Zwangsstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen: die Ursache seien berufliche Probleme.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht