Insolvenzprävention und Krisenmanagement für Bauprojekte

Paragraf-Symbol vor Miniaturbaustelle auf Bauplan
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Die Baubranche ist tagtäglich von vielen variablen Faktoren wie Marktbedingungen, Wetter, Materialkosten und Fachkräftemangel betroffen. Ein effizientes Krisenmanagement und Maßnahmen zur Insolvenzprävention sind unerlässlich, um finanzielle Stabilität zu gewährleisten und Zahlungsausfälle von Auftraggebern auszugleichen. Die bewährtesten Möglichkeiten im Überblick.

Die größten Kostenrisiken für die Baubranche

Die Baubranche ist vielen Faktoren ausgesetzt, die eine plötzliche Kostensteigerung und damit verbundene finanzielle Engpässe auslösen können. Aus einer Studie von BauInfo Consult geht hervor, dass die geschätzten Fehlerkosten die deutsche Baubranche im Jahr 2022 mindestens 13 Milliarden Euro gekostet haben. Daneben sind die folgenden Aspekte die größten finanziellen Risiken für Bauunternehmen:

  • Steigende Rohstoffpreise: Schwankungen der Materialkosten beeinflussen den Baufortschritt und die eigene Liquidität.
  • Gestörte Lieferketten: Lange Lieferketten spielen in der Baubranche eine große Rolle. Kommt es zu Unterbrechungen, stehen Baustellen oft still.
  • Fachkräftemangel: Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften führt dazu, dass höhere Lohnkosten und ineffiziente Arbeitsabläufe entstehen.
  • Finanzierungsprobleme: Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Krediten oder die Erhöhung von Zinsen können die Finanzierung beeinträchtigen.
  • Rechtliche und regulatorische Risiken: Änderungen in der Gesetzgebung und Bauvorschriften können die Kosten unerwartet in die Höhe treiben.

Im schlimmsten Fall führen höhere Baukosten zu einem Baustopp oder sogar existenziellen Problemen des Auftragnehmers. Um dieses Risiko zu minimieren und Kunden eine zusätzliche Sicherheit vorzulegen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.

1. Frühwarnsysteme zur Kostensteigerung aufbauen

Die Implementierung von Frühwarnsystemen spielt eine wesentliche Rolle im Forderungsmanagement. Denn nur wenn finanzielle Engpässe oder Kostensteigerungen schnell erkannt werden, ist es möglich, entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Zu den Frühwarnsystemen gehören beispielsweise die Cashflow-Überwachung, regelmäßige Finanzanalysen und ein ganzheitliches Forderungsmanagement. Nicht zuletzt hilft auch die Bonitätsprüfung, um nicht liquide Kunden bereits im Vorfeld auszuschließen.

2. Aufbau finanzieller Reserven

In kaum einer Branche sind finanzielle Rücklagen so wichtig wie im Baugewerbe. Sie dienen dazu, plötzliche Kosten auszugleichen und auf Preissteigerungen reagieren zu können. Auch wenn diese Mehraufwendungen dem Auftraggeber in Rechnung gestellt werden, muss der Auftragnehmer sie zunächst vorstrecken, damit keine Verzögerungen im Ablauf entstehen. Die Erstellung eines Notfallfonds sowie eine detaillierte Budgetierung sind hierfür die Grundlage.

Tipp: Um möglichst liquide zu bleiben, sollten dem Auftraggeber regelmäßige Abschlagsrechnungen gesendet werden, welche auch eventuelle Mehrkosten auflisten.

3. Verträge und rechtliche Absicherung

Verträge und Versicherungen gehören zu jedem größeren Bauprojekt dazu. Vertragliche Vereinbarungen müssen klare Bedingungen und Schutzklauseln enthalten, damit das Bauunternehmen im Falle von unvermeidbaren Zusatzkosten auf der sicheren Seite ist. Zu den wichtigen vertraglichen Regelungen gehören beispielsweise Klauseln zu Verzögerungen, Vertragsstrafen oder Haftungsbeschränkungen.

Tipp: Der Auftragnehmer sollte frühzeitig eine Anfrage zur Gewährleistungsbürgschaft stellen. Diese sorgt dafür, dass Sicherheitseinbehalte bis zur Fertigstellung des Projektes und bis zum Ende der Gewährleistungsfrist nicht notwendig sind. Damit verbessert sich die eigene Liquidität deutlich.

4. Effizientes Krisenmanagement

Trotzt Präventionsmaßnahmen können finanzielle Engpässe nicht immer vermieden werden. Das Krisenmanagement eines Unternehmens umfasst unter anderem die Identifikation eines Krisenteams, eine klare Kommunikation und schnelle Entscheidungsprozesse, welchen bestenfalls bereits Regelungen für den Ernstfall zugrunde liegen. Alle Mitarbeiter sollten zeitnah über den Krisenmanagementplan informiert werden und regelmäßige Schulungen erhalten, wie in einer existenzbedrohenden Situation zu handeln ist.

5. Externe Unterstützung und Beratung

Schließlich sollten Bauunternehmen nicht zögern, in Krisenzeiten auch auf externe Hilfe zurückzugreifen. Experten für Krisenmanagement und Insolvenzprävention wissen, wie es im Ernstfall zu handeln gilt und schaffen wertvolle Zeit durch ihre Expertise. Mögliche Experten, die hinzugezogen werden können, sind beispielsweise Anwaltskanzleien, Unternehmensberatungen und Finanzexperten, welche Erfahrungen mit ähnlichen Situationen gemacht haben.

Tipp: Auch die IHK bietet in vielen Fällen Hilfe in finanziell schwierigen Situationen für Unternehmen an.