Dienstunfähigkeit qualifiziert absichern

Die Vorsorgeberatung zur Absicherung der Arbeitskraft von Beamten fordert vom Vermittler eine hohe fachliche Expertise und von den Lebensversicherungsgesellschaften eigens für diese Zielgruppe entwickelte Tariflösungen.

Für eine die beamtenrechtlichen Versorgungsansprüche flankierende Absicherung des Dienstunfähigkeitsrisikos muss sichergestellt sein, dass sich ein leistungspflichtiger Versicherungsfall mit einer vorzeitigen Versetzung des Beamten in den Ruhestand infolge Dienstunfähigkeit begründet. Aber auch andere Fragen bedürfen einer verbindlichen Klärung.

Alexander Schrehardt, Geschäftsführer von AssekuranZoom, hat Dr. Thomas Wiesemann, Vorstand der Allianz Lebensversicherung, zu diesem Thema im Rahmen eines Interviews befragt.

 

Herr Dr. Wiesemann, die Allianz Lebensversicherung zählt seit vielen Jahren zu den Premiumanbietern von Vorsorgelösungen zur Absicherung der Arbeitskraft. Nicht nur Bestnoten der namhaften Ratingagenturen und die zahlreichen Auszeichnungen der Tarife, sondern auch eine professionelle Bearbeitung von Versicherungsfällen legen die Messlatte hoch auf. Wie will sich die Allianz bei der Absicherung der Arbeitskraft in 2021 positionieren?

Die Absicherung der Arbeitskraft zählt zu den wichtigsten Versicherungen eines erwerbstätigen Menschen, weil ihr Verlust die finanzielle Existenz bedroht. Auch in diesem Jahr wollen wir bei unseren Vermittlern und unseren gemeinsamen Kunden punkten: mit hohen Annahmequoten während der Laufzeit, mit finanzieller Stabilität sowie mit Fairness und Schnelligkeit in der Leistungsprüfung.

Darüber hinaus entwickeln wir unsere Versicherungsangebote kontinuierlich weiter, insbesondere im Hinblick auf die Absicherung spezifischer Bedürfnisse von einzelnen Kundengruppen. Als neue Zielgruppe nehmen wir Beamte in den Fokus. Wir bieten Beamten und allen, die es werden wollen, eine passgenaue Absicherung über unsere neue Berufs- und Dienstunfähigkeitsversicherung.

Ist das ein interessanter Markt für Ihr Unternehmen?

Zum Stichtag 30. Juni 2019 bezifferte der Deutsche Beamtenbund die Anzahl der Bundes- und Länderbeamten im aktiven Dienst mit 1,8 Millionen. Davon besitzen nur etwa 17 Prozent eine private Berufs- beziehungsweise Dienstunfähigkeitsversicherung. Auch unter Berücksichtigung ruhestandsnaher Altersgruppen halten wir diese Zielgruppe gleichermaßen für unsere Gesellschaft wie auch für unsere Geschäftspartner für sehr interessant.

Und noch ein Aspekt: Etwa 50 Prozent der Studierenden in Deutschland streben laut einer Umfrage eine Verbeamtung an. Auch wenn das nicht bei allen klappen wird, zeigt sich hierin doch, wie wichtig eine hochwertige DU-Klausel auch für die BU-Absicherung von Studenten ist.

Für die qualifizierte Absicherung des Dienstunfähigkeitsrisikos von Beamten sollte die Leistungsprüfung im Versicherungsfall auf eine amtsärztlich testierte Dienstunfähigkeit beziehungsweise auf eine Versetzung in den Ruhestand abgestellt werden. Nicht alle Dienstunfähigkeitsklauseln stellen eine derartige Beurteilung sicher.

Bietet die Allianz Lebensversicherung eine echte Dienstunfähigkeitsklausel an?

Wir haben uns den Bedarf dieser Zielgruppe sehr genau angeschaut und uns war von Anfang an wichtig, eine passgenaue Absicherung anzubieten. Unsere Bedingungen zur neuen Berufs- und Dienstunfähigkeitspolice enthalten sowohl eine vollständige als auch eine echte Dienstunfähigkeitsklausel.

Eine echte Dienstunfähigkeitsklausel bedeutet, dass eine Entlassung beziehungsweise Versetzung des Beamten in den vorzeitigen Ruhestand infolge Dienstunfähigkeit einen leistungspflichtigen Versicherungsfall gegenüber der Allianz begründet. Eine weitergehende Leistungsprüfung bezüglich der Einschränkung der beruflichen Leistungsfähigkeit nehmen wir in diesem Fall nicht vor.

Wie verhält es sich mit einer möglichen konkreten Verweisung, sofern der Beamte eine andere Tätigkeit ausübt?

Wenn der Beamte auf Lebenszeit von seinem Dienstherrn wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt wird, verzichten wir auf eine konkrete Verweisung.

Wie verhält sich das im Rahmen eines Nachprüfungsverfahrens? Berücksichtigt die Allianz Lebensversicherung im Rahmen der Nachprüfung ihrer Leistungspflicht eine andere Tätigkeit der versicherten Person?

Wenn der Beamte auf Lebenszeit weiterhin Ruhegehalt wegen Dienstunfähigkeit bezieht, bleiben wir leistungspflichtig.

Nicht alle Beamte haben im Fall einer Dienstunfähigkeit einen Anspruch auf eine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand. So muss die versorgungsrechtliche Wartezeit erfüllt sein. Beamte auf Probe können sogar im Fall der Dienstunfähigkeit entlassen werden. Gehen diese Kunden dann leer aus?

Genau hier greift unsere vollständige Dienstunfähigkeitsklausel. Wir leisten bei Beamtenanwärtern, bei Beamten auf Probe und auch bei Beamten auf Lebenszeit, die ihre Wartezeit noch nicht erfüllt haben und wegen Dienstunfähigkeit
entlassen werden.

»Am besten lassen sich die Absicherungsbedürfnisse der einzelnen Beamtenstationen als Stufenpolice absichern, bei der in zwei Phasen unterschiedliche Rentenhöhen vereinbart werden können.«

Alexander Schrehardt, Gesellschafter-Geschäftsführer, AssekuranZoom GbR

Nachdem der Anteil der vorzeitigen Versetzungen in den Ruhestand infolge Dienstunfähigkeit teilweise erschreckende Ausmaße angenommen hatte, hat der Gesetzgeber gegengesteuert. So gilt sowohl für Beamte des Bundes als auch der Länder, dass zur Vermeidung einer vorzeitigen Versetzung in den Ruhestand dem Beamten eine andere Tätigkeit zugewiesen oder die regelmäßige Arbeitszeit des Beamten um bis zu 50 Prozent reduziert werden kann. Leistet die Allianz auch im Fall einer teilweisen Dienstunfähigkeit?

Bund und alle Länder bis auf die Länder Hessen, NRW und Saarland gleichen den Unterschiedsbetrag zwischen den Dienstbezügen bei Vollzeit und den entsprechend der Arbeitszeit gekürzten Bezügen in Höhe eines 50-prozentigen Zuschlags aus. Machen wir hierzu ein konkretes Beispiel. Die Bezüge unseres Beamten betragen 5.000 Euro und es besteht eine begrenzte Dienstfähigkeit in Höhe von 50 Prozent.

Dies würde bedeuten, dass hier neben der Besoldung in Höhe von 2.500 Euro der Dienstherr einen Zuschlag von 1.250 Euro gewährt. Hessen wird sich vermutlich im Laufe des Jahres auch dieser Regelung anschließen. NRW und Saarland haben andere Zuschläge. Deshalb, und nach Beratung mit externen Experten in der Konzeptionsphase, sehen wir die Absicherung der Teildienstunfähigkeit als nicht sinnvoll an.

Ein Tipp dazu: Diese Zuschläge sind nicht ruhegehaltsfähig. Deswegen ist es sinnvoll, das Thema Ruhegehalt im Alter auf jeden Fall auch anzusprechen. Hierzu bietet die Allianz gute Lösungen mit unserer Basisrente InvestFlex oder Basisrente Startup Invest.

Über diese mögliche Versorgungslücke im Alter sollte der Vermittler seinen Kunden also aufklären, was zum Thema ergänzende Altersversorgung überleitet. Ihre Gesellschaft hat vor Kurzem auch das Produktportfolio für die Altersvorsorge überarbeitet. Welche Überlegung steht hinter dieser Entscheidung?

Ein wesentlicher Grund ist natürlich das Null- und Negativzinsumfeld, in dem sich nicht nur Versicherer, sondern auch alle Banken, Sparer und Investoren aktuell befinden. Obwohl wir solche Rahmenbedingungen haben, heißt das aber nicht, dass wir auch in einem Nullrenditeumfeld leben müssen. Es ist auch in diesem Umfeld möglich, attraktive Renditen für die Altersvorsorge zu generieren.

Man braucht allerdings Freiräume in der Kapitalanlage, um dies aktiv zu gestalten. Wir haben unsere Produkte daher mit zeitgemäßen Garantien ausgestattet. Die Garantie beträgt mindestens 90 Prozent beziehungsweise bei den chancenorientierten Konzepten sind auch 80 und 60 Prozent möglich. Die Produkte sollen Renditechancen, aber dennoch wichtige Sicherheiten bieten.

Auf diese Balance aus Renditechance, gleichzeitig aber auch Verlässlichkeit, kommt es besonders in dieser Zeit an. Deshalb haben wir diesen Schritt gemacht.

Kommen wir nochmals auf die Absicherung des Dienstunfähigkeitsrisikos zurück. Die Laufbahn eines Beamten sieht regelmäßig verschiedene Stationen vor. Am Beginn steht der Beamte auf Widerruf, der im nächsten Schritt zum Beamten auf Probe ernannt wird. Sofern die Probezeit erfolgreich abgeschlossen wird, kommt es zumeist zur Verbeamtung auf Lebenszeit. Diese Stationen der beruflichen Laufbahn erfordern regelmäßig eine unterschiedliche Absicherung. Kann dies mit einem Vorsorgevertrag bei der Allianz Lebensversicherung abgebildet werden?

Um den verschiedenen Stationen der Beamtenlaufbahn gerecht zu werden, zeichnet sich unser Angebot durch eine sehr hohe Flexibilität aus. Am besten lassen sich die Absicherungsbedürfnisse der einzelnen Beamtenstationen als Stufenpolice absichern, bei der in zwei Phasen unterschiedliche Rentenhöhen vereinbart werden können.

Das Besondere: Die beiden Phasen werden in einer Police abgebildet und der Beitrag bleibt über die Laufzeit konstant. Und wie der Name schon sagt, leistet die Allianz-Police sowohl bei Berufsunfähigkeit als auch bei Dienstunfähigkeit – und das alles in einem Vertrag.

In welcher Höhe kann das Risiko der Dienstunfähigkeit bei der Allianz Lebensversicherung abgesichert werden?

Für die Absicherung des Dienstunfähigkeitsrisikos bieten wir pauschale Höchstrenten beziehungsweise individuelle Absicherungshöhen in Abhängigkeit von der Besoldungsgruppe des Beamten an.

Auch wenn eine Beamtenlaufbahn ein hohes Maß an wirtschaftlicher Sicherheit bietet, kommt es dennoch immer vor, dass ein Beamter in ein Angestelltenverhältnis wechselt. Das ist beispielsweise der Fall, wenn der verbeamtete wissenschaftliche Mitarbeiter einer Universität das Angebot eines  Industrieunternehmens annimmt. Welche Konsequenzen hat dies für den Versicherungsschutz?

Mit dem Ausscheiden aus dem Beamten- und dem Wechsel in ein Angestelltenverhältnis bieten wir eine Wechseloption in eine Berufsunfähigkeitsabsicherung – ohne zusätzliche Gesundheitsprüfung – an. Allerdings hat der Kunde unter Umständen einen höheren Versorgungsbedarf.

Auch hierfür bietet die Allianz Lebensversicherung natürlich eine Lösung an. In den Versicherungsbedingungen finden sich spezifische Nachversicherungsoptionen für Beamte, die eine Erhöhung des Versicherungsschutzes ohne eine erneute Gesundheitsprüfung ermöglichen.

Ein Ausscheiden aus dem Beamten- und der Wechsel in ein Angestelltenverhältnis ist ein Ereignis, das zur Einlösung eines Nachversicherungsjokers berechtigt. In dem Fall lässt sich die jährliche Berufsunfähigkeitsrente um bis zu 12.000 Euro erhöhen.

Drehen wir einmal den Blickwinkel. Es ist ja auch denkbar, dass ein Angestellter, zum Beispiel anlässlich der Berufung auf eine Professur, in ein Beamtenverhältnis wechselt. Ist auch dieser Fall geregelt?

Selbstverständlich haben wir auch diese Möglichkeit berücksichtigt und geregelt. Wechselt der Kunde aus einem Angestellten- in ein Beamtenverhältnis, kann er den Versicherungsschutz von einer reinen Berufsunfähigkeitsabsicherung in eine Berufsunfähigkeits- und Dienstunfähigkeitsabsicherung – ohne erneute Gesundheitsprüfung – umwandeln.

Die Vorsorgeberatung zur Absicherung des Dienstunfähigkeitsrisikos ist zweifelsohne eine spannendes, aber auch ein sehr komplexes Thema. Welche Unterstützung bietet die Allianz Lebensversicherung den angeschlossenen Geschäftspartnern?

Wir unterstützen mit spezifisch auf die Zielgruppe ausgerichteten Vertriebsmaterialien. Darüber hinaus bieten wir umfangreiche Qualifizierungsmaßnahmen über die Allianz Maklerakademie an. Unsere Maklerbetreuer helfen darüber hinaus gerne im Einzelfall.

Herr Dr. Wiesemann, ich bedanke mich für das sehr informative Interview.

 

Bilder: (1) © Allianz Lebensversicherung  (2) © AssekuranZoom GbR

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