Moderne Techniken und Diagnostik- sowie Operationsverfahren haben längst ihren festen Platz in der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung. Doch wie ist es um die weitere medizinische Versorgung bestellt? Können digitale Angebote helfen, den Defiziten im ländlichen Raum entgegenzuwirken? Können lange Wartezeiten in überfüllten Praxen reduziert werden? Welche Auswirkungen haben verschlankte Prozesse und niedrigere Kosten wiederum auf die Beiträge der gesetzlichen und privaten Krankenversicherer? Wird die medizinische Versorgung dadurch besser und für das System bezahlbarer? Der Verband Bitkom hat sich mit E-Health und der medizinischen Versorgung der Zukunft beschäftigt. Mittlerweile betrachtet jeder Zweite die digitale Gesundheitsversorgung als ein Muss.
Eine Zukunft der Medizin ohne E-Health wird es nicht geben – und die Mehrheit der befragten Bundesbürger wertet dies auch als große Chance. Fast die Hälfte geht davon aus, dass zumindest Teile der medizinischen Versorgung ausschließlich digital stattfinden könnten. Damit sollten dann auch steigende Kosten des deutschen Gesundheitssystems aufgefangen werden. Die Deutschen stehen diesen Neuerungen offen gegenüber und nutzen bereits existierende digitale Angebote schon heute.
So verwenden zum Beispiel zwei von drei Smartphone-Besitzern (65 Prozent) bereits jetzt Gesundheits-Apps. Bevorzugt werden Apps, die über Gesundheits-, Fitness-, Gewichts- oder Ernährungsthemen informieren. Diese Angebote werden von 25 Prozent genutzt. Ähnlich akzeptiert sind auch Apps, die Körper- und Fitnessdaten wie zum Beispiel Herzfrequenz, Blutdruck oder gegangene Schritte aufzeichnen. Gut jeder Sechste nutzt außerdem Work-out-Apps mit entsprechenden Anleitungen für Übungen zu Hause oder unterwegs (17 Prozent) sowie Apps, die auf Grundlage von aufgezeichneten Vitaldaten Ratschläge geben (15 Prozent).
Elektronische Patientenakte und E-Rezept
Die elektronische Patientenakte und das elektronische Rezept gelten als digitale Gesundheitsinnovationen im Sinne der Patienten. Zwei Drittel würden die E-Akte nutzen und 63 Prozent sagen Ja zum E-Rezept. Besonders hoch ist die Bereitschaft bei den 16- bis 29-Jährigen mit 74 Prozent und bei den 30- bis 49-Jährigen mit 70 Prozent.
Aber auch in der Altersgruppe 65 plus würden sechs von zehn Befragten auf die elektronische Patientenakte zugreifen. Dabei geht es nicht nur um die Speicherung der gesamten Behandlungshistorie (87 Prozent), sondern auch um weiteren Komfort durch smarte Funktionen. Genannt werden hier der integrierte digitale Impfpass, der Medikationsplan mit automatischem Wechselwirkungscheck oder die Integration der Daten aus Apps oder medizinischen Geräten wie einem Blutdruckmessgerät oder Vorsorgeplaner.
Das oberste Gebot
Die potenziellen Nutzer fordern, dass die Datenhoheit beim Patienten liegt (61 Prozent), und 59 Prozent verlangen ein Höchstmaß an Datenschutz und Datensicherheit. Eine gute Usability und mobile Zugänge sind ebenfalls State of the Art. Prävention, Diagnose und die Behandlung von Krankheiten könnten durch digitale Technologien der Gesundheitsbranche enorme Vorteile bieten. Ob in der Vorsorge, für Patienten oder Ärzte und Pflegepersonal: Die Digitalisierung ist wie auch in anderen Branchen in der Medizin und im Gesundheitswesen in vollem Gange.
Aufgeschlossen für Telemedizin
Vor allem Jüngere stehen der Telemedizin offen gegenüber. Jeder Vierte (24 Prozent) würde für einen schnellen ärztlichen Rat per App sogar extra zahlen, bei den 16- bis 29-Jährigen sind es bereits 35 Prozent. Ähnlich viele Befragte (23 Prozent) würden sogar Routinefragen durch ärztliche Online-Services aus dem Ausland abklären lassen, wenn sie dadurch Geld sparen könnten. Bei den Jüngeren sind es 28 Prozent.
Interessant ist, jeder Siebte wäre sogar bereit, für 250 Euro ein Jahres-Abonnement abzuschließen, damit er sich jederzeit online Rat von Medizinern einholen könnte.
Das Fazit zu einer repräsentativen Studie (1.005 Befragte ab 16 Jahren) von Bitkom-Präsident Achim Berg ist so klar wie eindeutig:
„Die Patienten haben dieses Potenzial erkannt – und die technischen Möglichkeiten sind da. Nun wird es Zeit, sie konsequent zu nutzen und telemedizinische Angebote auch in die Regelversorgung einzubinden.“
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