Preiserwartungen steigen: Rückkehr des kostengetriebenen Inflationspfads
Der ifo-Indikator für Preiserwartungen ist im März 2026 auf 25,3 Punkte gestiegen, nach 20,3 Punkten im Februar. Damit erreicht der Wert den höchsten Stand seit März 2023. Wie aus den ifo-Konjunkturumfragen hervorgeht, planen deutlich mehr Unternehmen Preiserhöhungen als -senkungen. Besonders ausgeprägt ist der Anstieg in der Industrie (von 13 auf 20 Punkte), im Baugewerbe (von 10 auf 20,2 Punkte) sowie bei konsumnahen Dienstleistungen (von 25,1 auf 31,6 Punkte). Auch unternehmensnahe Dienstleistungen verzeichnen einen Anstieg auf 27 Punkte (ifo Institut, März 2026).
Energiepreise als Kostentreiber
Der Anstieg der Preiserwartungen steht laut ifo Institut im Zusammenhang mit gestiegenen Energiepreisen infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten. Höhere Preise für Rohöl, Gas und Strom wirken dabei als Primärschock, der sich über Produktions- und Transportkosten in die gesamte Wertschöpfungskette überträgt. Wie Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen, feststellt, geben Unternehmen die gestiegenen Kosten zunehmend weiter, wodurch sich der Preisdruck sektorübergreifend verstärkt (ifo Institut, März 2026).
Breitenwirkung über Sektoren
Die aktuellen Daten zeigen, dass der Preisdruck nicht auf einzelne Branchen begrenzt bleibt. Während die Industrie direkt von Energiepreisen betroffen ist, wirken diese im Bau über materialintensive Prozesse und im Dienstleistungssektor über Vorleistungen und Logistik. Die parallelen Anstiege in allen großen Sektoren deuten auf eine breite Diffusion des Kostendrucks hin, was eine isolierte Betrachtung einzelner Branchen ökonomisch unzureichend macht (ifo Institut, März 2026).
Messkonzept: Richtung statt Intensität
Der ifo-Indikator misst die Preiserwartungen als Saldo der Unternehmen, die Preiserhöhungen planen, gegenüber denen mit Preissenkungsabsichten. Ein Wert von 25,3 bedeutet somit eine klare Mehrheit zugunsten steigender Preise, ohne jedoch Aussagen über die Höhe der Anpassungen zu treffen. Wie das ifo Institut betont, erlaubt der Indikator daher eine Einschätzung der Breite des Preisdrucks, nicht aber seiner Intensität (ifo Institut, März 2026).
Reaktivierung eines bekannten Inflationsmusters
Nach einer Phase rückläufiger Energiepreise, die zuletzt dämpfend auf die Inflation wirkten, deutet sich nun eine Umkehr an. Der aktuelle Anstieg der Preiserwartungen entspricht strukturell dem Muster der Jahre 2022 und 2023, in denen Energiepreise als dominanter Kostentreiber fungierten. Es handelt sich damit weniger um eine neue Entwicklung als um die Reaktivierung eines bekannten Übertragungsmechanismus (ifo Institut, März 2026; Statistisches Bundesamt).
Verschiebung hin zu kostengetriebener Inflation
Mit der breiten Zunahme der Preiserwartungen verschiebt sich die Inflationsdynamik erneut in Richtung kostengetriebener Effekte. Da Energiepreise exogen bestimmt werden und geldpolitische Maßnahmen primär auf die Nachfrage wirken, ist die Steuerbarkeit dieser Inflationskomponente begrenzt. Entscheidend wird daher die Geschwindigkeit, mit der Unternehmen Kostensteigerungen weitergeben, sowie die Dauer dieses Prozesses.
Implikation für Vorsorge und Versicherung
Für Haushalte bedeutet der steigende Preisdruck eine erneute Belastung der realen Einkommen. In der Versicherungswirtschaft erhöht sich parallel die Schadeninflation, insbesondere in energie- und materialintensiven Sparten wie Bau oder Kfz. Für die Finanzberatung ergibt sich daraus eine stärkere Gewichtung inflationsresistenter Strategien und realwertorientierter Anlagen, da nominale Stabilität unter Bedingungen steigender Kosten an Aussagekraft verliert.
Systemische Verdichtung
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass nicht der Energiepreisschock selbst, sondern dessen sektorübergreifende Weitergabe der entscheidende Parameter ist. Mit dem Anstieg der ifo-Preiserwartungen wird sichtbar, dass diese Diffusion bereits eingesetzt hat und die Inflationsdynamik erneut strukturell prägt.
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