Netfonds vor Börsenrückzug: Warburg Pincus schmiedet Plattform mit blau direkt
Die Netfonds AG will gemeinsam mit der blau direkt GmbH & Co. KG eine neue Plattformstruktur für Software- und Infrastrukturlösungen in der Finanz- und Versicherungsbranche aufbauen. Möglich werden soll dies durch den Einstieg des Wachstumsinvestors Warburg Pincus – verbunden mit dem Plan, Netfonds von der Börse zu nehmen.
Noch vor wenigen Jahren hatte Netfonds-Chef Martin Steinmeyer im Gespräch mit Versicherungsbote die Bedeutung unabhängiger Poolstrukturen betont. Mit Blick auf zunehmende Beteiligungen von Private-Equity-Investoren in der Branche verwies er damals darauf, dass Investoren naturgemäß Renditeziele verfolgen und daraus auch Interessenkonflikte entstehen könnten.
Nun kündigt die Netfonds AG eine strategische Neuordnung ihrer Eigentümerstruktur an. Gemeinsam mit der blau direkt GmbH & Co. KG und unter Beteiligung von Fonds des Wachstumsinvestors Warburg Pincus soll eine neue Plattformstruktur für Software- und Infrastrukturlösungen im Finanz- und Versicherungsmarkt entstehen.
Nach Angaben der beteiligten Unternehmen würde dadurch ein Anbieter mit mehr als 550 Millionen Euro Umsatz und rund 600 Beschäftigten entstehen. Ziel der Zusammenarbeit ist es, technologische Lösungen für Finanz- und Versicherungsdienstleister stärker zu bündeln und auszubauen.
Bündelung von Plattform- und Automatisierungskompetenz
Die beteiligten Unternehmen bringen unterschiedliche Schwerpunkte in die Partnerschaft ein. Netfonds verfügt insbesondere im Investmentbereich sowie im regulatorischen Umfeld über Plattformlösungen wie die Infrastruktur „finfire“. blau direkt wiederum ist vor allem für Automatisierungs- und Verwaltungsprozesse im Versicherungsbereich bekannt.
„Wir haben mit Netfonds eine Plattform geschaffen, die skalierbar, praxisnah, aber vor allem menschlich ist. In einem Markt, der technologisch getriebene Effizienz verlangt, ist diese Chance einzigartig und wir bündeln nun unsere Kräfte mit blau direkt“, erklärt Vorstandschef Martin Steinmeyer.
Auch aus Sicht von blau direkt eröffnet die Partnerschaft zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich digitaler Plattformlösungen. „Versicherung und Investment wachsen technologisch zusammen. In der KI-Ära erschließen wir neue Potenziale und definieren gemeinsam das Betriebssystem der Branche“, sagt Ait Voncke, CEO von blau direkt.
Zusammenarbeit baut auf bestehenden Projekten auf
Beide Unternehmen arbeiten bereits in einzelnen Projekten zusammen. Dazu gehört unter anderem der Vergleichsrechner „comparit“, der Maklern und deren Kunden einen produktunabhängigen Zugang zu Finanz- und Versicherungsprodukten ermöglichen soll. Mit der neuen Eigentümerstruktur soll diese Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig planen die Unternehmen zusätzliche Investitionen in Softwareentwicklung und Automatisierung.
Eigenständige Marken bleiben erhalten
Nach den aktuellen Planungen sollen beide Unternehmen organisatorisch eigenständig bleiben. Netfonds soll weiterhin unter eigener Marke und mit Sitz in Hamburg agieren, während blau direkt seine bestehenden Strukturen fortführt. Das Management von Netfonds will sich zudem an der geplanten Holdingstruktur beteiligen.
Angebot an Netfonds-Aktionäre
Im Zuge der geplanten Neuordnung plant Warburg Pincus ein öffentliches Angebot an die Aktionäre der Netfonds AG. Vorgesehen ist ein Angebotspreis von 78,25 Euro je Aktie. Ziel ist es, Netfonds vollständig von der Börse zu nehmen und die künftige Entwicklung innerhalb einer privaten Eigentümerstruktur fortzuführen.
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