EZB belässt Leitzinsen stabil: Inflation nähert sich Zielmarke von zwei Prozent

Veröffentlichung: 05.03.2026, 08:03 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrem geldpolitischen Kurs fest. Der EZB-Rat hat am 5. Februar 2026 beschlossen, alle drei Leitzinsen unverändert zu lassen. Nach Einschätzung der Notenbank dürfte sich die Inflation mittelfristig bei rund zwei Prozent stabilisieren – dem erklärten Ziel der europäischen Geldpolitik.

(PDF)
Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Der EZB-Rat hat beschlossen, die Leitzinsen im Februar 2026 unverändert zu lassen.Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Der EZB-Rat hat beschlossen, die Leitzinsen im Februar 2026 unverändert zu lassen.Redaktion experten.de / KI-generiert

Leitzinsen bleiben auf aktuellem Niveau

Die Zinssätze der EZB bleiben damit auf folgenden Werten:

  • Einlagefazilität: 2,00 %
  • Hauptrefinanzierungssatz: 2,15 %
  • Spitzenrefinanzierungsfazilität: 2,40 %

Mit der Entscheidung bestätigt die EZB ihre derzeitige Strategie: geldpolitische Anpassungen erfolgen ausschließlich auf Basis aktueller Daten. Eine Festlegung auf einen zukünftigen Zinspfad vermeidet der EZB-Rat ausdrücklich. Stattdessen sollen Inflationsentwicklung, wirtschaftliche Dynamik und die Wirkung der bisherigen Zinsschritte kontinuierlich neu bewertet werden.

Wirtschaft zeigt Stabilität trotz globaler Risiken

Nach Einschätzung der Notenbank zeigt sich die Wirtschaft im Euroraum weiterhin widerstandsfähig. Mehrere Faktoren stabilisieren derzeit die wirtschaftliche Entwicklung:

  • niedrige Arbeitslosenquoten in vielen Mitgliedstaaten
  • vergleichsweise solide Bilanzen im privaten Sektor
  • staatliche Investitionsprogramme für Verteidigung und Infrastruktur
  • stützende Effekte früherer Zinssenkungen

Diese Faktoren tragen dazu bei, dass das Wachstum trotz eines anspruchsvollen internationalen Umfelds erhalten bleibt.

Unsicherheiten durch Handelspolitik und Geopolitik

Gleichzeitig betont die EZB, dass der wirtschaftliche Ausblick weiterhin von erheblichen Unsicherheiten geprägt ist. Insbesondere geopolitische Spannungen und anhaltende handelspolitische Konflikte können die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum beeinflussen.

Solche externen Faktoren wirken sowohl auf Investitionsentscheidungen als auch auf Energiepreise, Lieferketten und die allgemeine Inflationserwartung.

Bilanzabbau der EZB schreitet voran

Parallel zur Zinspolitik setzt die EZB den Abbau ihrer Wertpapierbestände fort. Sowohl das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) als auch das Pandemie-Notfallankaufprogramm (PEPP) werden weiter reduziert.

Das Eurosystem reinvestiert auslaufende Anleihen nicht mehr vollständig. Dadurch sinken die Bestände der Zentralbank schrittweise und planbar.

Transmission Protection Instrument bleibt verfügbar

Für mögliche Marktverwerfungen hält die EZB weiterhin zusätzliche Instrumente bereit. Dazu gehört insbesondere das Transmission Protection Instrument (TPI).

Dieses Instrument soll eingreifen, wenn ungeordnete Marktbewegungen die Weitergabe der Geldpolitik innerhalb des Euroraums gefährden. Ziel bleibt eine gleichmäßige Wirkung geldpolitischer Maßnahmen in allen Mitgliedstaaten.

Geldpolitik bleibt datenabhängig

Die Entscheidung der EZB signalisiert vor allem Kontinuität. Die Inflation bewegt sich in Richtung des Zielwerts, während die wirtschaftliche Entwicklung bislang stabil bleibt. Gleichzeitig unterstreicht die Notenbank ihre Bereitschaft, bei veränderten Rahmenbedingungen erneut einzugreifen.

Die Geldpolitik im Euroraum bleibt damit flexibel – und strikt an der Entwicklung von Inflation, Wachstum und Finanzmärkten ausgerichtet.



(PDF)

LESEN SIE AUCH

Industriestandort unter DruckIndustriestandort unter DruckRedaktion experten/KI
Wirtschaft

ZEW März 2026: Erwartungseinbruch bei stabil schwacher Lage

ZEW März 2026: Erwartungen brechen deutlich ein, während die wirtschaftliche Lage schwach bleibt. Analyse der strukturellen Rolle von Inflation, Zinsen und Industrieexponierung.
Christine Lagarde: Präsidentin der Europäischen ZentralbankChristine Lagarde: Präsidentin der Europäischen ZentralbankCC-BY-4.0: © European Union 2020 – Source: EP“
Wirtschaft

Vorzeitiger Abschied mit Kalkül? Die Debatte um Christine Lagarde und die EZB

Spekulationen um einen vorzeitigen Rückzug von EZB-Präsidentin Christine Lagarde verdichten sich. Politische Gründe und die französische Präsidentschaftswahl 2027 rücken in den Fokus.
Die Sparzinsen stehen unter enormen Druck, zeigt eine Verivox-Auswertung.Die Sparzinsen stehen unter enormen Druck, zeigt eine Verivox-Auswertung.DALL-E
Finanzen

Sparzinsen unter Druck: Tagesgeld fällt auf 1,4 Prozent – Festgeld auf Talfahrt

Anleger müssen sich auf weiter sinkende Sparzinsen einstellen. Laut aktueller Verivox-Auswertung sind Tagesgeld- und Festgeldzinsen deutlich gefallen – eine Trendwende ist nicht in Sicht. Wie sich EZB-Entscheidungen und geopolitische Entwicklungen auf die Zinslandschaft auswirken.
Für Deutschland könnte sich die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2025 stabilisieren, insbesondere wenn sich die Exporte erholen.Für Deutschland könnte sich die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2025 stabilisieren, insbesondere wenn sich die Exporte erholen.Foto: Adobestock
Wirtschaft

Weltwirtschaft im Umbruch: Handelskonflikte, Zinsentscheidungen und wirtschaftliche Unsicherheiten

Die globale Wirtschaft steht Anfang 2025 vor großen Herausforderungen. Während die USA und China ihr Wachstum behaupten, stagniert die Wirtschaft im Euroraum.

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht