Weiche Märkte trotz harter Risiken? Der Versicherungsmarkt 2026 im Spartencheck

Veröffentlichung: 09.03.2026, 06:03 Uhr - Lesezeit 6 Minuten

Naturgefahren, geopolitische Spannungen, steigende Insolvenzen – das Risikoumfeld bleibt anspruchsvoll. Gleichzeitig berichten Marktbeobachter von wachsender Kapazität, zunehmendem Wettbewerb und stabilen bis sinkenden Prämien. Wie passt das zusammen? Der AON-Blick auf die Spartenentwicklung 2026.

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Sachversicherung: Wettbewerb kehrt zurück

Die industrielle Sachversicherung hat ihre Ertragssituation zuletzt spürbar verbessert. Eine Schadenkostenquote auf dem niedrigsten Stand seit Jahren verschafft den Risikoträgern Luft – auch wenn einzelne Versicherer auf eine unterdurchschnittliche Naturgefahrenbelastung verweisen. Für 2026 deutet vieles auf zunehmende Wettbewerbsintensität hin. Sinkende Rückversicherungskosten und Wachstumsambitionen sorgen dafür, dass Neugeschäft stärker in den Fokus rückt. Gleichzeitig bleiben strukturelle Risiken bestehen: klimabedingte Naturgefahren, geopolitisch motivierte Sabotageakte oder hybride Konfliktformen lassen sich nicht wegpreisen. Der Markt wirkt weicher – das Risikoniveau bleibt jedoch hoch.

Haftpflicht: Flexibler, aber nicht sorglos

Im Haftpflichtbereich zeichnet sich ein eher weiches Marktumfeld ab. Vor allem bei gut verlaufenden Risiken sind Prämienreduzierungen möglich, Versicherer zeigen sich verhandlungsbereit. Doch die Risikolandschaft differenziert sich.
Komplexe internationale Haftungsstrukturen, US-Exposures, neue Produkthaftungsregeln und regulatorische Entwicklungen rund um KI und IT-Dienstleistungen erhöhen die Unsicherheit. Hinzu kommen Entwicklungen wie sogenannte „Nuclear Verdicts“ in den USA, die das Schadenpotenzial in bestimmten Branchen deutlich anheben. Der Markt bleibt also aufnahmefähig – aber selektiv.

Warentransport: Unsicherheit entlang globaler Routen

In der Warentransportversicherung ist ein leichter Prämienrückgang zu beobachten. Ein intensiver Wettbewerb bleibt jedoch aus. Versicherer konzentrieren sich stärker auf Bestandskunden und qualitativ gute Risiken. Gleichzeitig sind geopolitische Spannungen spürbar. Konfliktherde, Umleitungen von Transportwegen und politische Risiken – etwa im Zusammenhang mit Seewegen oder Sanktionen – beeinflussen die Risikobewertung. Auch hier zeigt sich das Spannungsfeld: nominell stabile Bedingungen, faktisch erhöhte Komplexität.

Financial Lines und D&O: Hohe Kapazität, steigende Haftungsexponierung

Im Bereich Financial Lines bleibt das Marktumfeld von hoher Kapazität geprägt. Trotz steigender Insolvenzen und wachsender Haftungsthemen – etwa im Kontext von KI, Kapitalmarkttransparenz oder Sanktionsmanagement – sind für solide aufgestellte Unternehmen weiterhin günstige Konditionen erreichbar. Die Diskrepanz zwischen Marktlage und Risikodynamik fällt hier besonders auf. Während die Kapazität hoch ist, verschiebt sich das Haftungsprofil strukturell.

Technische Versicherungen und Construction: Stabilität bei differenzierter Zeichnung

Im Segment technischer Versicherungen und Bauprojekte bleibt das Preisniveau insgesamt stabil. Für gut verlaufende Verträge sind Rabatte möglich, während schadenbelastete Risiken mit höheren Selbstbehalten oder restriktiveren Bedingungen rechnen müssen. Internationale Anbieter drängen verstärkt in den deutschen Markt, was die Kapazität zusätzlich erhöht. Gleichzeitig steigt die Bedeutung spezialisierter Expertise bei komplexen Projekten.

Marktparadox 2026: Entspannung im Pricing, Verschärfung im Risiko

Der übergreifende Eindruck lautet: Die Märkte werden wettbewerbsintensiver – das Risikoumfeld jedoch nicht einfacher.
Sinkende Rückversicherungskosten, hohe Kapazitäten und Wachstumsdruck der Versicherer sorgen für weiche Tendenzen. Gleichzeitig wirken langfristige Treiber wie Klimarisiken, geopolitische Spannungen, Insolvenzen und technologische Transformation weiter.
Für Unternehmen und Vermittler bedeutet das: Die Herausforderung liegt weniger in der kurzfristigen Prämienentwicklung als in der strukturellen Absicherung neuer Risikodimensionen.

Überblick zur Serie:
Die AON-Marktprognose 2026 zeigt keinen abrupten Umbruch, sondern eine schleichende Verschiebung:

  • KI verändert Governance und Haftung.
  • Geopolitik wird zum Dauerfaktor.
  • Insolvenzen erhöhen die Organhaftung.
  • Gleichzeitig kehrt Wettbewerb in viele Sparten zurück.

Weiche Märkte bedeuten 2026 nicht automatisch geringere Risiken – sondern einen anspruchsvolleren Balanceakt zwischen Preisdisziplin und Risikorealität.

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