Gastro-Alarm zum Jahresende: Hotels retten den Dezember – Restaurants rutschen weiter ab
Die kurzfristige Entwicklung im Dezember 2025 zeigt eine klare Zweiteilung innerhalb des Gastgewerbes. Während Hotels und sonstige Beherbergungsunternehmen gegenüber dem Vormonat real um 0,6 Prozent zulegten (nominal +1,8 Prozent), verzeichnete die Gastronomie einen realen Rückgang von 2,1 Prozent (nominal –1,8 Prozent).
Damit öffnet sich innerhalb der Branche eine strukturelle Schere.
Im Vergleich zum Dezember 2024 bleibt die Lage jedoch auch im Beherbergungssegment gedämpft. Trotz nominaler Zuwächse von 2,2 Prozent lag der reale Umsatz 1,7 Prozent unter Vorjahresniveau. Die Betriebe erzielen höhere Einnahmen, verkaufen jedoch preisbereinigt weniger Leistung.
In der Gastronomie bestätigt sich dieses Muster. Gegenüber dem Vorjahresmonat sank der reale Umsatz um 1,8 Prozent, während nominal ein Plus von 1,4 Prozent ausgewiesen wurde. Auch hier überdecken Preissteigerungen die rückläufige Mengenentwicklung.
Jahresbilanz 2025: Nominal stabil, real geschrumpft
Auf Jahressicht verdichtet sich dieses Bild. Das Gastgewerbe erwirtschaftete 2025 real 2,1 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Nominal ergibt sich hingegen ein Plus von 1,4 Prozent.
Die Differenz ist kein statistischer Nebenaspekt, sondern der zentrale Befund. Sie zeigt, dass das Umsatzwachstum maßgeblich aus Preissteigerungen resultiert – nicht aus einer steigenden Nachfrage.
Innerhalb der Branche bleibt die Entwicklung konsistent: Die Beherbergungsunternehmen verzeichneten real ein Minus von 2,0 Prozent, bei einem nominalen Plus von 0,8 Prozent. In der Gastronomie fiel der reale Rückgang mit 2,2 Prozent etwas stärker aus; nominal stiegen die Erlöse um 1,8 Prozent.
Die Branche nimmt mehr ein, leistet aber weniger.
Konjunkturelle Dynamik bleibt aus
Für die kurzfristige Konjunkturbeobachtung sind die kalender- und saisonbereinigten Monatswerte entscheidend. Im Dezember sank der Umsatz gegenüber November real um 1,2 Prozent und nominal um 0,6 Prozent. Der deutliche Anstieg im November – real +2,4 Prozent – erwies sich damit nicht als Trendwende, sondern als temporäre Bewegung.
Das Muster ist über das Jahr hinweg erkennbar: Volatilität auf Monatsebene, aber kein stabiler Aufwärtstrend. Weder Beherbergung noch Gastronomie konnten 2025 ein nachhaltiges reales Wachstum etablieren.
Gleichzeitig bleibt die Kostenbasis hoch. Energiepreise, Personalaufwendungen und Wareneinsatz wirken weiterhin belastend. Die Weitergabe dieser Kosten an die Gäste stabilisiert die nominalen Umsätze, stößt jedoch auf eine begrenzte Zahlungsbereitschaft. Die reale Kaufkraft vieler Haushalte bleibt angespannt.
Strukturelle Unterschiede innerhalb der Branche
Die leichte Stabilisierung im Beherbergungssegment im Dezember deutet auf eine gewisse Robustheit im Reise- und Geschäftsverkehr hin. Kurzfristige Buchungen, saisonale Effekte und internationale Nachfrage können hier punktuell stabilisieren.
Die Gastronomie ist stärker vom alltäglichen Konsumverhalten abhängig. Sie reagiert sensibler auf Einkommensentwicklung und Konsumzurückhaltung. Der reale Rückgang im Dezember gegenüber dem Vormonat unterstreicht diese Verwundbarkeit.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass Umsatz- und Übernachtungszahlen methodisch nicht deckungsgleich sind. Umsätze werden periodengerecht erfasst, Übernachtungen folgen anderen statistischen Abgrenzungen. Abweichungen zwischen Tourismus- und Umsatzstatistik sind daher möglich und erklären punktuelle Differenzen in der Wahrnehmung der Branchendynamik.
Zwischen Anpassung und Belastungsgrenze
Das Jahr 2025 endet für das Gastgewerbe ohne Einbruch, aber auch ohne reale Erholung. Nominale Stabilität verschleiert eine anhaltende Schrumpfung der preisbereinigten Leistung.
Die Branche steht damit vor einer strukturellen Herausforderung: Sie muss Kosten tragen, Preise anpassen und gleichzeitig eine zurückhaltende Nachfrage bedienen. Dauerhafte Preisanhebungen sind jedoch nur begrenzt durchsetzbar, wenn die reale Kaufkraft stagniert.
Die Zahlen zeichnen kein Krisenszenario, aber sie markieren eine Phase anhaltenden Drucks. Das Gastgewerbe bewegt sich zwischen Anpassung und Belastungsgrenze – stabilisiert durch Preise, gebremst durch reale Nachfrage.
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung „Gastgewerbeumsatz 2025 real 2,1 % niedriger als im Vorjahr“, Wiesbaden, vorläufige Ergebnisse 2025.
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