KI, Daten und die Zukunft des Maklers: Warum der Wandel nicht mehr hypothetisch ist
Künstliche Intelligenz verändert den Maklermarkt grundlegend. Michael Lindner nutzte die Network Convention in Helsinki, um Oliver Pradetto (blau direkt) Thesen zur Rolle von Technologie, Daten und Verantwortung zu entlocken. Dabei wird die Frage aufgeworfen, wie sich Makler und Pools künftig positionieren müssen – und wer den Wandel aktiv gestaltet.
Die strategische Ausrichtung im Maklermarkt steht vor einem tiefgreifenden Umbruch. Technologische Entwicklungen, allen voran der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI), verändern Prozesse, Rollenbilder und Erwartungen – schrittweise, aber mit nachhaltiger Wirkung. Der Blick auf diese Entwicklung ist dabei längst nicht mehr nur theoretisch. Die Thesen von Oliver Pradetto, Mitgründer, Miteigentümer und ehemaliger Geschäftsführer des Maklerpools blau direkt, verdeutlichen, wie ernsthaft diese Transformation inzwischen diskutiert wird.
Pradetto vertritt die Einschätzung, dass KI den Maklermarkt grundlegend verändern wird – bis hin zu der Frage, ob klassische Vermittlerstrukturen langfristig Bestand haben. Er selbst schließt dabei Irrtümer nicht aus, hält es aber für notwendig, diese Entwicklung offen zu benennen und nicht zu beschönigen. Für ihn ist der technologische Wandel kein fernes Szenario, sondern ein Prozess, der bereits eingesetzt hat.
Parallelen zur Entwicklung autonomer Systeme
Zur Einordnung der KI-Entwicklung zieht Pradetto Parallelen zum autonomen Fahren. Auch dort sei die Technologie im Kern vorhanden, befinde sich jedoch noch in der Erprobung. Leistungsfähigkeit, Verlässlichkeit und Akzeptanz würden sich nicht abrupt, sondern über Jahre hinweg entwickeln. Übertragen auf den Maklermarkt bedeutet das: KI dürfte zunächst unterstützend wirken, Prozesse effizienter machen und Beratungsabläufe strukturieren, bevor sie möglicherweise weitergehende Aufgaben übernimmt.
Diese Entwicklung ist weniger als disruptive Zäsur zu verstehen, sondern vielmehr als evolutionärer Wandel. Bestehende Rollen verändern sich, neue Anforderungen entstehen, alte Gewissheiten geraten schrittweise unter Druck.
Technologische Führungsrolle als strategische Frage
Vor diesem Hintergrund betont Pradetto die strategische Bedeutung technologischer Führungsfähigkeit – insbesondere für Maklerpools. Aus seiner Sicht reicht es nicht aus, technologische Entwicklungen lediglich zu begleiten oder punktuell einzusetzen. Entscheidend sei, Technologie aktiv zu gestalten und in bestehende Geschäftsmodelle zu integrieren.
Für Pools wie blau direkt bedeute das, vorhandene Systeme konsequent weiterzuentwickeln und den eigenen technologischen Anspruch zu schärfen. Nicht als Selbstzweck, sondern um handlungsfähig zu bleiben in einem Markt, der zunehmend daten- und technologiegetrieben ist.
Daten als strategischer Wettbewerbsvorteil
In der Diskussion um KI stellt sich zwangsläufig die Frage, warum große Technologieunternehmen ihre Kompetenzen nicht stärker in den Versicherungsvertrieb einbringen. Aus rein technischer Sicht wäre dies möglich. Pradetto sieht den entscheidenden Unterschied jedoch im Zugang zu Daten.
Maklerpools verfügen über historisch gewachsene Bestände, die weit über Vertragsdaten hinausgehen. Sie umfassen Kundenbeziehungen, Beratungsverläufe und kontextbezogene Informationen. Diese Daten ermöglichen – richtig genutzt – eine differenzierte Analyse und individuelle Beratung. In diesem Zusammenhang erklärt sich auch der zunehmende Trend zu Bestandskäufen im Markt: Daten werden zum strategischen Kernasset.
Auswirkungen auf die Arbeitswelt der Makler
Unbestritten ist, dass KI die Arbeitsweise von Maklern verändern wird. Kurz- und mittelfristig kann sie Prozesse beschleunigen, Fehler reduzieren und Beratungsqualität standardisieren. Langfristig stellt sich jedoch die Frage, wie viel menschliche Beratung künftig noch notwendig oder wirtschaftlich sinnvoll ist.
Pradetto betont in diesem Zusammenhang die Verantwortung von Pools gegenüber ihren angeschlossenen Maklern. Ziel müsse es sein, den Wandel gemeinsam zu gestalten und Übergänge planbar zu machen – etwa durch neue Geschäftsmodelle oder den Schutz bestehender Ertragsstrukturen. Ob und wie dies langfristig gelingt, bleibt eine offene Frage.
Haftung und Verantwortung beim KI-Einsatz
Ein weiterer Aspekt betrifft die Haftung beim Einsatz von KI-Systemen. Pradetto weist darauf hin, dass KI nicht vollständig berechenbar ist und Fehlentscheidungen treffen kann. Aus seiner Sicht liegt die Verantwortung in erster Linie beim Anbieter der eingesetzten Technologie. Rechtlich abschließend geklärt ist diese Frage bislang nicht.
In der Gesamtbetrachtung überwiege aus Sicht Pradettos jedoch das Potenzial: In vielen Anwendungsfällen könne KI schneller, konsistenter und datenbasierter entscheiden als bestehende Prozesse. Die Herausforderung besteht darin, dieses Potenzial verantwortungsvoll zu nutzen.
Ein Markt im Übergang
Die Debatte um KI im Maklermarkt zeigt: Der Wandel ist real, aber noch nicht abgeschlossen. Technologie, Daten und Regulierung verschieben die Gewichte im Markt. Aussagen wie die von Oliver Pradetto markieren dabei keine endgültigen Antworten, sondern beschreiben eine mögliche Entwicklungslinie.
Fest steht: Die kommenden Jahre werden darüber entscheiden, wer den Transformationsprozess aktiv gestaltet – und wer sich ihm lediglich anpasst. Der Maklermarkt befindet sich nicht am Ende, aber eindeutig im Übergang.
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