Niedrige Erlöse trotz stabiler Produktion – Agrarmärkte 2025/26 unter Druck
Der Marktbericht 2025/26 des Deutschen Bauernverbandes zeigt eine deutsche Landwirtschaft mit stabiler Produktion, aber deutlich unter Druck stehenden Erzeugerpreisen. In nahezu allen Sparten reichen die Erlöse nicht aus, um steigende Kosten auszugleichen.
Preislage ohne Entlastung
Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, blickt mit großer Sorge auf die aktuelle Marktlage. Die Preislage an den Agrarmärkten sei für viele Betriebe äußerst unbefriedigend. Für eine Tonne Weizen lassen sich derzeit lediglich rund 180 Euro erzielen. „Mit jeder Tonne Weizen, die der Landwirt derzeit verkauft, verliert er und fährt Verluste ein“, so Rukwied. Auch Mais und Raps stehen unter erheblichem Preisdruck. Ähnlich angespannt ist die Situation in der Schweinehaltung. Bei einem Erzeugerpreis von etwa 1,60 Euro je Kilogramm Schweinefleisch ist bereits absehbar, dass zahlreiche Betriebe im laufenden Wirtschaftsjahr Verluste schreiben werden. Zusätzliche Sorgen bereitet die Entwicklung der Milchpreise, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des intensiven Wettbewerbs im Lebensmitteleinzelhandel, der sich insbesondere vor Weihnachten in stark fallenden Butterpreisen niederschlug.
Die Preisentwicklung an den Agrarmärkten bleibt damit für viele Betriebe enttäuschend. Globale Angebotsmengen bestimmen die Preisbildung, während die betrieblichen Aufwendungen für Energie, Betriebsmittel, Arbeit und Investitionen hoch bleiben oder weiter steigen. Was vermarktet wird, sichert zunehmend nur noch den laufenden Betrieb. Spielräume für Investitionen oder Rücklagen fehlen.
Tierhaltung zwischen Nachfrage und Kostendruck
Im Schweinemarkt zeigte sich 2025 zwar eine weitgehende Stabilität bei Beständen und Schlachtzahlen, das Preisniveau ging jedoch zurück. Die Zahl der Halter sinkt weiter, während die Bestände je Betrieb wachsen. Die Ertragslage bleibt angespannt, die Mast war vielfach nur knapp kostendeckend. Entsprechend gering ist die Investitionsbereitschaft. Die Inlandsnachfrage stabilisierte sich auf niedrigem Niveau mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 27,9 Kilogramm. Die aktuell niedrigen Preise führen sowohl bei Mästern als auch bei Ferkelerzeugern zu Verlusten.
Beim Rindfleisch zeigte sich der Verbrauch mit rund neun Kilogramm pro Kopf robuster als erwartet. Die Preise entwickelten sich positiv. Gleichzeitig sank die heimische Erzeugung, während die Einfuhren zunahmen. Ein Teil der Wertschöpfung verlagert sich damit zunehmend ins Ausland.
Der Milchmarkt war 2025 von starken Schwankungen geprägt. Nach anfänglichen Diskussionen über Rohstoffknappheit lag die Milchmenge zum Jahresende knapp ein Prozent über dem Vorjahr. National, EU-weit und global waren die Mengen überdurchschnittlich hoch. Die Erzeugerpreise blieben bis August stabil, gerieten danach jedoch unter Druck. Besonders der deutliche Preissturz bei Butter im Lebensmitteleinzelhandel führte zu erheblicher Verunsicherung unter den Milcherzeugern.
Stabiler präsentierten sich Geflügel- und Eiermarkt. Geflügelfleisch blieb bei Verbrauchern stark nachgefragt, insbesondere Hähnchenfleisch. Die Preise blieben überwiegend stabil, zugleich standen die Betriebe unter anhaltendem Kostendruck. Der Eiermarkt erreichte mit 253 Eiern pro Kopf einen neuen Verbrauchshöchststand. Die Preise zeigten sich fest, bei gleichzeitig hoher Importabhängigkeit.
Ackerbau und Getreide: Hohe Mengen, niedrige Preise
Besonders schwierig bleibt die Lage auf den Getreidemärkten. Im November 2025 erhielten deutsche Erzeuger für Brotweizen durchschnittlich 169 Euro je Tonne. Auch bei Futtergerste setzte sich der Preisrückgang fort. Für 2025/26 wird weltweit eine Rekordernte von rund 808 Millionen Tonnen Weizen erwartet. In der EU wurden 134 Millionen Tonnen geerntet, in Deutschland stieg die Weizenernte auf 22,5 Millionen Tonnen. Gleichzeitig bleiben die Märkte volatil. Extremwetter, schwankende Betriebsmittelpreise und geopolitische Spannungen erhöhen die Unsicherheit.
Öko-Markt: Wachsende Nachfrage, zögerliche Erzeugung
Der Öko-Markt entwickelte sich 2025 deutlich positiv auf der Nachfrageseite. Der Umsatz dürfte erstmals die Marke von 18 Milliarden Euro überschreiten. Wachstumstreiber waren Bio-Handelsmarken sowie der wiedererstarkte Naturkostfachhandel. Die Umstellungsbereitschaft in der Landwirtschaft blieb jedoch gering. Viele Betriebe scheuen zusätzliche Kosten und Erlösrisiken.
Weinbau sowie Obst und Gemüse: Qualität reicht nicht aus
Am deutlichsten zeigt sich die wirtschaftliche Enge im Weinbau. Trotz einer qualitativ außergewöhnlich guten Ernte 2025 lagen die Fassweinpreise weit unter den Herstellungskosten. Der Marktanteil deutscher Weine im Inland sank weiter, der Export litt unter höheren US-Zöllen. Steigende Löhne, Arbeitskräftemangel und geringe Mechanisierung verschärfen die Lage. Der Verlust von Rebflächen gilt als wahrscheinlich.
Auch im Obst- und Gemüsebau öffnet sich die Lücke zwischen Aufwand und Erlös weiter. Die Apfelernte fiel größer aus, die Preise blieben niedrig. Erdbeeren und Spargel verloren weiter an Fläche, da sich die Produktion für viele Betriebe nicht mehr rechnet.
Vor neuen Marktbedingungen
Der Marktbericht 2025/26 zeigt eine leistungsfähige Landwirtschaft mit verlässlicher Produktion. Die Erlöse bleiben jedoch vielfach hinter dem Aufwand zurück. Betriebe reagieren mit Zurückhaltung bei Investitionen und einer schrittweisen Anpassung ihrer Produktion. Vor dem Hintergrund zunehmend unsicherer Weltmärkte, wachsender Handelskonflikte und einer hohen globalen Angebotsdynamik dürfte dieser Anpassungsdruck weiter zunehmen. Die Folgen werden nicht abrupt sichtbar, sondern allmählich – für Betriebe, Regionen und die Erzeugungsvielfalt.
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