Europas Aktienmärkte starten mit vorsichtigem Optimismus in das Jahr 2026. Niedrigere Zinsen, stabile Handelsbeziehungen und strukturelle Impulse durch Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben stützen den Ausblick. Sebastian Schrott, European Equity Portfoliomanager bei T. Rowe Price, sieht in seinem Marktkommentar vor allem Deutschland, die nordischen Länder sowie Banken und Versicherer im Vorteil. Doch geopolitische Risiken bleiben ein entscheidender Belastungsfaktor.
Wir bleiben hinsichtlich europäischer Aktien bis 2026 vorsichtig optimistisch. Die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Europa haben sich stabilisiert, und die staatlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur dürften für einen deutlichen Aufschwung sorgen. Die Zinssätze in der Eurozone sind in den letzten 15 Monaten von 4,0 % auf 2,0 % gefallen, während die Bilanzen der privaten Haushalte und Unternehmen weiterhin gesund sind.
Mittelfristig könnten KI-gesteuerte Innovationen die Produktivität, das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensrentabilität in ganz Europa erheblich steigern. Die Haushaltslage ist jedoch von Land zu Land sehr unterschiedlich. Deutschland, die nordischen Länder und mehrere südeuropäische Staaten sind in einer besseren Verfassung als Frankreich oder Großbritannien, wo die politischen Entwicklungen eher besorgniserregend sind.
Dementsprechend behalten wir eine Übergewichtung in Deutschland und den nordischen Ländern sowie eine Untergewichtung in Frankreich bei. Zu den potenziellen Risiken zählen eine Konjunkturabkühlung in den USA aufgrund höherer Zölle und eines schwächeren Beschäftigungswachstums. Der anhaltende Konflikt in der Ukraine und die erhöhte geopolitische Unsicherheit könnten ebenfalls die Stimmung der Verbraucher und Unternehmen belasten.
Anlagepräferenzen Wir bevorzugen weiterhin hochwertige Wachstumsunternehmen, sehen jedoch auch, dass Value-Aktien im historischen Vergleich auch nach ihrer starken Performance in den letzten drei Jahren weiterhin attraktiv bewertet sind. Wir glauben, dass der Markt in eine neue Phase eingetreten ist, die durch anhaltenden Inflationsdruck und normalisierte Zinssätze gekennzeichnet ist, anders als im Zeitraum 2008–2022. Unsere Präferenz für Small- und Mid-Cap-Aktien (SMID Caps) bleibt unverändert. Diese Unternehmen sind weniger anfällig für die Handelsspannungen mit den USA, profitieren von einem stärkeren Euro und niedrigeren europäischen Zinsen und werden derzeit mit einem Abschlag von 5 bis 10 % gegenüber dem Gesamtmarkt gehandelt, verglichen mit ihrem historischen Aufschlag von ~15 %.
Europäische Aktien sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14–15 weiterhin attraktiv bewertet und liegen trotz gedämpfter Gewinne nahe am langfristigen Durchschnitt. Sektorpositionierung Unsere Sektorallokation bleibt ausgewogen, wobei wir selektiv den Schwerpunkt auf Bereiche mit starken Fundamentaldaten und besonderen Chancen legen. Im Finanzsektor war die Performance robust, aber wir sind zunehmend selektiv und konzentrieren uns auf Banken und Versicherungen mit attraktiven Bewertungen und klarem Aufwärtspotenzial.
Im Gesundheitswesen beginnt sich die regulatorische und politische Unsicherheit, die den Sektor zu Beginn des Jahres belastete, zu stabilisieren, was attraktive Chancen in den Bereichen Medizintechnik und Biowissenschaften schafft. Unterdessen dürften Technologie und Industrie erheblich von der globalen Expansion der KI-Anwendungen und dem Ausbau der Infrastruktur für Rechenzentren profitieren. Obwohl das Ausmaß der aktuellen Investitionen in Rechenzentren eine genaue Beobachtung rechtfertigt, glauben wir, dass wir uns noch in einer frühen Phase der KI-Einführung befinden, sodass noch erheblicher Spielraum für Wachstum besteht.
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