Deutsche Post fordert kräftige Portoerhöhung ab 2027

Veröffentlichung: 16.09.2025, 12:09 Uhr - Lesezeit 4 Minuten

Die Deutsche Post drängt auf deutlich höhere Portopreise ab 2027. Zwar ist das Briefporto erst Anfang 2025 gestiegen, doch nach Ansicht des Konzerns reicht das nicht: Der Rückgang der Briefmengen und der Modernisierungsdruck erforderten kräftigere Schritte – mit Folgen für Millionen Verbraucher und Unternehmen.

(PDF)
Die Deutsche Post plant ab 2027 eine deutliche Portoerhöhung. Wegen sinkender Briefmengen und steigender Kosten prüft die Bundesnetzagentur höhere Preise für Standardbriefe und Postkarten.Die Deutsche Post plant ab 2027 eine deutliche Portoerhöhung. Wegen sinkender Briefmengen und steigender Kosten prüft die Bundesnetzagentur höhere Preise für Standardbriefe und Postkarten.DALL E prompt by experten

Die Deutsche Post DHL macht sich für eine deutliche Anhebung des Briefportos ab 2027 stark. Vorständin Nikola Hagleitner, zuständig für das Post- und Paketgeschäft, erklärte gegenüber der Funke-Mediengruppe: „Ich setze darauf, dass die Bundesnetzagentur beim nächsten Mal die reale Kostenentwicklung und den beschleunigten Briefrückgang noch stärker berücksichtigt – und dann muss das Standard-Porto nennenswert wachsen.“

Portoerhöhungen bereits beschlossen – doch angeblich unzureichend

Zum Jahresbeginn 2025 hatte die Bundesnetzagentur bereits eine Verteuerung genehmigt: Ein Standardbrief kostet künftig 95 statt 85 Cent, Postkarten stiegen von 70 auf ebenfalls 95 Cent. Diese Tarife gelten bis Ende 2026. Nach Ansicht Hagleitners reicht diese Anpassung jedoch nicht aus, um die wirtschaftliche Basis des Briefgeschäfts zu sichern. „Aus meiner Sicht ist die Portoerhöhung beim letzten Mal zu gering ausgefallen – nicht weil wir gierig sind, sondern weil wir die Erlöse benötigen, um die Modernisierung der Post zu stemmen“, so die Managerin.

Die Post verweist darauf, dass die Briefmengen in den vergangenen Jahren rapide gesunken sind – ein Trend, der sich durch Digitalisierung und elektronische Kommunikation weiter beschleunigt. Jeder Cent zusätzlicher Einnahmen, so Hagleitner, werde in den Standort Deutschland reinvestiert.

Regulierungsrahmen entscheidet über künftige Preise

Über die Höhe künftiger Portoanhebungen entscheidet die Bundesnetzagentur. Nach Angaben Hagleitners beginnt das Verfahren zur Überprüfung im Januar 2026, mit einem Abschluss sei Ende des Jahres zu rechnen. „Wo man da genau landet, mag ich nicht vorempfinden. Aber ich erwarte eine signifikante Erhöhung“, erklärte sie.

Hintergründe: Zwischen Schrumpfmarkt und Modernisierungsdruck

Die Post sieht sich in einem strukturellen Dilemma: Das klassische Briefgeschäft verliert rasant an Bedeutung, während gleichzeitig Investitionen in moderne Logistik- und Zustellstrukturen notwendig sind. Portoerhöhungen gelten als eine der wenigen Stellschrauben, um die Fixkosten des schrumpfenden Segments abzufedern. Kritiker wiederum verweisen darauf, dass höhere Gebühren vor allem private Verbraucher und kleinere Unternehmen belasten, während der Konzern insgesamt Milliardengewinne im Paket- und Logistikbereich erzielt.

Die Diskussion über Portoanpassungen berührt damit auch eine grundsätzliche Frage: Wie lange und zu welchen Konditionen soll die flächendeckende Versorgung mit Briefdienstleistungen in Deutschland noch staatlich reguliert und abgesichert werden?

(PDF)

LESEN SIE AUCH

Deutschland verschärft seine Cybersicherheitsregeln.Deutschland verschärft seine Cybersicherheitsregeln.DALL-E
Cyber

Cybersicherheit wächst – politische Eingriffe auch

Deutschland verschärft seine Cybersicherheitsregeln. Während Bitkom die NIS-2-Umsetzung als überfällig bezeichnet, sorgt eine zentrale Neuerung für Kritik: Das Innenministerium kann künftig den Einsatz „kritischer Komponenten“ verbieten.
butenkow – stock.adobe.com
Finanzen

Kryptowährungen und ihre Regulierung: Der Balanceakt zwischen Innovation und Sicherheit

Kryptowährungen ermöglichen es Menschen überall auf der Welt, Zahlungen zu tätigen und Geld zu senden, ohne dass Banken oder andere Finanzinstitute beteiligt sind. Allerdings ist ihre Regulierung eine schwierige Aufgabe für die Regulierungsbehörden.
Der Bundesrat hat das KI-Durchführungsgesetz beschlossen. Entscheidend ist nicht nur die neue Aufsicht – sondern wie sie Investitionen, Wettbewerb und Governance in Unternehmen dauerhaft verändert.Der Bundesrat hat das KI-Durchführungsgesetz beschlossen. Entscheidend ist nicht nur die neue Aufsicht – sondern wie sie Investitionen, Wettbewerb und Governance in Unternehmen dauerhaft verändert.Experten/KI
Wirtschaft

KI-Aufsicht in Deutschland: Der Staat ordnet den Markt – und verschiebt die Wettbewerbsparameter

Das Durchführungsgesetz zum AI Act schafft die deutsche KI-Aufsicht. Analyse der Folgen für Unternehmen, Versicherer, Banken und den Wettbewerb.
Viele Verbraucher sehen Defizite beim Schutz junger Menschen vor digitalen Risiken und finanziellen Fehlentwicklungen.Viele Verbraucher sehen Defizite beim Schutz junger Menschen vor digitalen Risiken und finanziellen Fehlentwicklungen.Redaktion experten.de / KI-generiert
Verbraucher

Verbraucherschutz: Vertrauen in die Politik sinkt weiter

Die Mehrheit der Deutschen sieht die Politik in der Pflicht, Verbraucher zu schützen. Gleichzeitig schwindet das Vertrauen, dass sie dieser Aufgabe tatsächlich gerecht wird. Besonders beim Schutz von Kindern und Jugendlichen in digitalen Medien, bei Finanzthemen und Ernährung sehen viele Bürger erhebliche Defizite. Das zeigt der Verbraucherreport 2026 des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).

Unsere Themen im Überblick

Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche.

Themenwelt

Praxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag.

Wirtschaft

Analysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen.

Management

Strategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung.

Recht

Wichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick.

Finanzen

Neuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt.

Assekuranz

Aktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche.

Die neue Ausgabe kostenlos im Kiosk

Werfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"
Ausgabe 07/26

"Der Vermittler muss Herr seiner Daten bleiben"

Klaus Liebig und Robert Schmidt, Geschäftsführer der vfm Gruppe
"Nicht laut, aber immer noch relevant"
Ausgabe 05/26

"Nicht laut, aber immer noch relevant"

Wibke Becker - Generalbevollmächtigte & Leiterin Maklervertrieb - Continentale - Mannheimer - EUROPA
"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."
Ausgabe 03/26

"Ein kurzfristiges Strohfeuer machen wir nicht mit."

Frank Kettnaker und Christian Pape - Vorstand ALH Gruppe
"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."
Ausgabe 10/25

"Viele Eltern unterschätzen die finanziellen Folgen, wenn ihr Kind berufsunfähig wird."

Jens Göhner, Leiter Produktmanagement der Stuttgarter
"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"
Ausgabe 07/25

"Unabhängigkeit hat viele Gesichter"

Was bedeutet Unabhängigkeit im Versicherungsvertrieb wirklich?
"Das Gesamtpaket muss stimmen"
Ausgabe 05/25

"Das Gesamtpaket muss stimmen"

Bernd Einmold & Sascha Bassir
Kostenlos

Alle Ausgaben entdecken

Blättern Sie durch unser digitales Archiv im Kiosk und lesen Sie alle bisherigen Ausgaben des ExpertenReports. Zur Kiosk-Übersicht