Nichtleben: Vorsicht, Lücke! Phase unterdurchschnittlicher Rentabilität
Die sigma-Studie des Swiss Re Institute „Rentabilität der Nichtlebenversicherung: Vorsicht, Lücke“ untersucht die bestehende Ertragslücke von Nichtlebenversicherern und kommt zu dem Ergebnis, dass sich weltweit die meisten großen Nichtleben-Versicherungsmärkte in einer Phase unterdurchschnittlicher Rentabilität befinden.
Naturkatastrophenschäden lösten vermutlich Trendumkehr aus
Weiterhin ungünstig sind die Versicherungsbedingungen 2018 insbesondere in der Gewerbesparte – doch es zeichnet sich ein Wendepunkt ab. Dies ist zum Teil auf die großen Schäden durch Wirbelstürme 2017 zurückzuführen, die den Weg zu einer Preisanpassung ebneten. Die Prämiensätze für Gewerbeversicherungen steigen seit Ende 2017 wieder an.
Edouard Schmid, Group Chief Underwriting Officer bei Swiss Re, dazu:
„Die Katastrophenschäden im Jahr 2017 haben eine moderate Änderung der Marktdynamik ausgelöst. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie stark und nachhaltig dieser Aufschwung ist. Die Prämienerhöhungen für Kunden und Gewerbeversicherungssparten, die nicht von Schäden durch Naturkatastrophen betroffen waren, sind etwa hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückgeblieben.“
Kräftiger Prämienanstieg notwendig
Trotz eines moderaten Anstiegs der Prämiensätze werden weitere Maßnahmen erforderlich sein, um die aktuellen Defizite in der Rentabilität abzubauen. In den großen westlichen Märkten und in Japan müssen die versicherungstechnischen Margen um rund fünf bis neun Prozentpunkte steigen, damit Versicherer ihren Investoren die angestrebte Eigenkapitalrendite (EKR) von zehn Prozent bieten können.
Langfristig betrachtet stehen die Zinssätze und die versicherungstechnischen Ergebnisse im Nichtlebensektor in Wechselbeziehung zueinander. In Zeiten hoher Zinssätze standen höheren Anlagerenditen größeren versicherungstechnischen Verlusten gegenüber. Im Gegensatz dazu haben sich die versicherungstechnischen Ergebnisse im aktuellen Zyklus – bedingt durch den langsamen Wirtschaftsaufschwung nach der Finanzkrise und die lange Niedrigzinsperiode – verschlechtert, ohne dass dies durch höhere Erträge kompensiert werden konnte.
Im vergangenen Jahr hat das Wirtschaftswachstum stark angezogen und dieser Trend dürfte sich auch im Jahr 2018 fortsetzen. Dadurch werden die Inflationsrate und die Zinssätze ebenfalls in die Höhe getrieben. Zentralbanken vieler Länder leiten bereits geldpolitische Gegenmaßnahmen ein, um einer Überhitzung vorzubeugen. Dies läutet eine neue Phase für Nichtlebenversicherer ein.
Dr. Jérôme Jean Haegeli, Chefökonom der Swiss Re Gruppe, erklärt:
„Im Zuge des aktuellen Konjunkturaufschwungs erwarten wir, dass die Zinssätze in den entwickelten Märkten weiterhin moderat ansteigen. Dies würde die Gewinne der Versicherer durch höhere Anlagerenditen stützen. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass die makroökonomische Entwicklung alleine zu einer nachhaltigen Verbesserung der Rentabilität im Nichtlebengeschäft führt. Der Abwärtstrend bei den Anlagerenditen mag seinen Tiefstand erreicht haben, wir erwarten auf lange Sicht jedoch keinen starken Anstieg der Zinssätze.“
Prämien müssen stärker als Schadentrends steigen
Wegen der angespannten Arbeitsmärkte werden gleichzeitig eine höhere allgemeine Inflation sowie ein Anstieg der Schadenforderungen erwartet, was sich wiederum negativ auf die Rentabilität auswirkt. Der höhere Schadenaufwand führt zudem zu einer Schwächung der Zulänglichkeit der Rückstellungen für noch nicht ausbezahlte Schäden und unterstreicht noch einmal, dass die Prämien stärker als die Schadentrends steigen müssen, damit die Rentabilität des Sektors nachhaltig verbessert werden kann.
Langzeitperformance auf gleichem Niveau wie in anderen Branchen
In der Analyse des Rentabilitätszyklus zeigt die Studie, dass Versicherungsgesellschaften langfristig eine vergleichbare Rentabilität wie Unternehmen in anderen Sektoren aufweisen. In Übereinstimmung mit diesen Gewinntrends werden gemäß einer Analyse der Börsenperformance über die letzten zwei Jahrzehnte die US-Nichtlebenversicherer generell zum Buchwert oder leicht über dem Buchwert bewertet. Außerdem besteht bei Versicherungsaktien nur eine geringe Korrelation der Kurserträge mit anderen Industriezweigen. Dies bietet den Investoren den zusätzlichen Nutzen der Diversifizierung.
Blickt man auf die zugrunde liegenden Rentabilitätstrends, dann ist ein generelles zyklisches Muster erkennbar, welches sowohl geographisch als auch über Geschäftssparten hinweg korreliert. Weil Schäden aus Naturkatastrophen und andere Faktoren zu landes- und spartenspezifischen Abweichungen und Fluktuationen führen, kann durch die Ausdehnung des Nichtlebengeschäfts auf verschiedene Länder und Sparten dennoch eine gewisse Diversifizierung des versicherungstechnischen Portfolios erzielt werden.
Darüber hinaus scheint sich die durchschnittliche Dauer des Zyklus seit den frühen 1980er-Jahren verlängert zu haben, als die Zentralbanken ihr Augenmerk auf den Kampf gegen die Inflation richteten und große Teile des Finanzdienstleistungssektors dereguliert wurden.
Technologieinvestitionen steigern Effizienz und Versicherungsfähigkeit
Der Druck auf die Erträge im Nichtlebengeschäft hat zu einem gesteigerten Interesse an Innovationen geführt. Die Investitionen der Versicherer in neue digitale Technologien haben zu Effizienzsteigerungen und in manchen Bereichen zu einer Verringerung des Schadenaufwands geführt. Diese Rentabilitätssteigerungen werden jedoch teilweise durch die Investitionskosten zunichtegemacht und teilweise an die Verbraucher weitergegeben.
Langfristig gesehen kurbeln Investitionen in Daten und fortschrittliche Datenanalysemethoden das Versicherungsgeschäft an und ermöglichen die Versicherung zunehmend komplexer Risiken, sei es durch einen erschwinglicheren oder leichter zugänglichen Versicherungsschutz oder durch eine erhöhte Fähigkeit zur Versicherung neuer, schwer quantifizierbarer Risiken.
Bild: © Orlando Florin Rosu / fotolia.com
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