Versicherer bei Digitalisierung zu zaghaft
83 Prozent der befragten Versicherungen in Deutschland gaben in einer Studie von zeb an, zumindest punktuell Budgets für Digitalisierungsinvestments freizugeben. Nur acht Prozent der Versicherer konnten einen funktionierenden Innovationsprozess etablieren, bei dem innovative Geschäftsansätze mit erhöhter Geschwindigkeit konzipiert und in das Gesamtunternehmen überführt werden.
Damit ist die strategische Bedeutung der Digitalisierung für die eigenen Geschäftsmodelle mittlerweile bekannt, aber insgesamt gehen die Versicherer die Digitalisierung zu verhalten an.
Stefan Geipel, Partner bei zeb und Initiator der Studie, erläutert:
„ … Es überrascht besonders, dass bisher nur jede zweite Versicherung eine Digitalisierungsstrategie mit einem strategisch definierten Projektportfolio entwickelt hat und die Verantwortlichkeiten für die digitale Transformation nur bei jedem vierten Unternehmen definiert und eingefordert werden. Möchten Versicherer an Schlagkraft gewinnen, müssen sie die digitale Transformation deutlich konsequenter angehen und vor allem Managementkapazitäten zielgerichtet einsetzen.“
Nicht auf digitale Geschäftsmodelle ausgelegt
Der zeb.digital pulse check ergab, dass Versicherer in Deutschland mit ihren Prozessen, Daten und der IT noch nicht auf digitale Geschäftsmodelle ausgelegt. Dadurch sind sie in ihrer Transformationsgeschwindigkeit gehemmt. Zumeist arbeiten sie erst an der Schaffung von Grundvoraussetzungen für die digitale Transformation, wie der Vereinheitlichung ihrer Datenformate und der Flexibilisierung ihrer IT-Architektur. Eine Echtzeitkonsolidierung von Daten bleibt Zukunftsszenario. Künstliche Intelligenz setzen sie mehrheitlich noch nicht ein, prüfen derzeit aber die Chancen der Technologie.
Kunde nicht Teil der Produktentwicklung
Auch ist der Grundsatz, vom Kunden her zu denken, nicht in der Praxis verankert. Während der Großteil der teilnehmenden Versicherungen angibt, die Bedürfnisse der Kunden zu kennen, bezieht weniger als die Hälfte der Versicherer die eigenen Kunden in die Produktentwicklung mit ein. Die Digitalisierung des Produktangebots erfolgt evolutionär. Komplexere digitale Angebote sind zumeist erst in der Entwicklung, disruptive Ansätze im Produktangebot nahezu nicht verfügbar.
Optimierungsbedarf bei Verankerung der Digitalisierung
Ein wesentlicher Aspekt für den Erfolg von Digitalisierungsinitiativen ist die Verankerung der notwendigen Innovationskraft im Management und der Organisation. Auch hier besteht Optimierungspotenzial: Herkömmliche Organisationsstrukturen mit klassischer Trennung von IT- und Fachseite sind gegenüber agilen Alternativen noch immer dominierend. Die befragten Unternehmen haben das Problem allerdings mehrheitlich erkannt. Immerhin 60 Prozent gaben an, an der Überwindung kultureller Widerstände zu arbeiten.
Philip Franck, Senior Manager bei zeb, abschließend:
„Verschlafen Versicherungen in Deutschland die Digitalisierung? Das sicherlich nicht, aber es besteht Handlungsbedarf. So ist aktuell noch kein Versicherer auszumachen, der als Digital Leader gelten kann. Über alle Digitalisierungsdimensionen hinweg verorten sich die Teilnehmer im „unteren Mittelmaß“ – der digitale Reifegrad der Branche muss bestenfalls als ausreichend bezeichnet werden. Insbesondere mit Blick auf global agierende Internetkonzerne, die sich zunehmend intensiver für das Versicherungsgeschäft interessieren, gilt es jetzt an Geschwindigkeit zu gewinnen. Deutsche Versicherer müssen mehr wagen und ihren „Werkzeugkasten“ erweitern.“
Bild: © peshkov / fotolia.com
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