Berufstätig ist nicht gleich berufsfähig

Veröffentlichung: 05.12.2017, 06:12 Uhr - Lesezeit 7 Minuten

Die meisten Berufstätigen in Deutschland sehen sich nicht für eine digitale Arbeitswelt gewappnet. Der Mehrheit fehlt es schlicht an Zeit und für eine Weiterbildung, um im Job die digitalen Anforderungen erfüllen zu können. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Bevölkerungsbefragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

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Sieben von zehn abhängig Beschäftigten (72 Prozent) beklagen, dass während der Arbeit keine Zeit für eine Weiterbildung zum Umgang mit neuen Technologien bleibt. Sechs von zehn (59 Prozent) sagen, dass ihr Arbeitgeber keine Weiterbildungen zu Digitalthemen anbietet. Und vier von zehn (39 Prozent) erklären, dass ihr Chef vermehrt auf neue Technologien setzt, ohne in die dafür erforderliche Weiterbildung seiner Mitarbeiter zu investieren.

Bitkom-Präsident Achim Berg kommentiert in Bezug auf die Arbeitgebersituation:

„Neben der Motivation der Mitarbeiter spielen auch das vorhandene Zeitbudget und das Angebot an Weiterbildungen durch den Arbeitgeber eine entscheidende Rolle. Hier ist vor allem das Management gefordert.“

Digitalkompetenz wird zur Kernkompetenz

Drei von vier Erwerbstätigen (77 Prozent) sind der Ansicht, dass Digitalkompetenz für ihren Arbeitsplatz künftig genauso wichtig sein wird, wie fachliche oder soziale Kompetenz. Acht Prozent meinen, dass Digitalkompetenz in Zukunft die wichtigste Fähigkeit von Arbeitnehmern sein wird.

Achim Berg hierzu:

„Fragt man Geschäftsführer und Personalentscheider, zeigt sich ein ähnliches Bild. Digitalkompetenz wird in allen Branchen zur Kernkompetenz.“

Digitale Technologien im Job sind nicht mehr wegzudenken. Acht von zehn Erwerbstätigen (80 Prozent) sagen, dass digitale Technologien wie Computer, Internet oder digitale Produktionsmaschinen für ihre tägliche Arbeit eine große Bedeutung haben. Je nach Bereich haben die Erwerbstätigen einen unterschiedlichen Nachholbedarf.

Jeder Dritte (32 Prozent) hat bereits eine Weiterbildung zur richtigen Bedienung von Standardprogrammen zum Beispiel von Microsoft, SAP oder Datev gemacht. Jeder Vierte (27 Prozent) dagegen hat dazu noch gar keine Weiterbildung absolviert, obwohl es im Job hilfreich wäre.

Zur allgemeinen Handhabung digitaler Technik hat sich jeder Fünfte (19 Prozent) weitergebildet und ein weiteres Drittel (31 Prozent) hielte das für hilfreich.

Seltener bilden sich Erwerbstätige weiter, wenn es um folgende Bereiche geht:

  • Datenschutz im Internet (13 Prozent)
  • Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft (13 Prozent)
  • technischen Grundlagen wie Programmiersprachen (9 Prozent)
  • rechtlichen Grundlagen im Internet wie Urheberrecht (8 Prozent)
  • richtiges Verhalten in Chats und Sozialen Netzwerken (3 Prozent).

76 Prozent der Bundesbürger bilden sich privat weiter

Allgemein gibt es ein breites Bewusstsein für die Bedeutung von lebenslangem Lernen im digitalen Zeitalter. Jeweils etwa neun von zehn Bundesbürgern ab 14 Jahren sagen, dass lebenslanges Lernen im Zusammenhang mit Digitalisierung immer wichtiger wird (92 Prozent), Weiterbildungen zu Digitalthemen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen (89 Prozent) und Weiterbildungen zu digitalen Technologien Voraussetzung für Erfolg im Beruf sind (88 Prozent).

Die Bereitschaft, sich außerhalb des Jobs weiterzubilden, ist entsprechend groß. Drei Viertel der Bundesbürger (76 Prozent) bilden sich privat weiter.

Dabei unterscheidet sich der Zeitaufwand sehr stark. Pro Woche sind 13 Prozent bereit, bis zu 30 Minuten zu investieren, 27 Prozent bis zu einer Stunde, 21 Prozent bis zu zwei Stunden, 13 Prozent bis zu einem Tag und 2 Prozent mehrere Tage.Jeder Fünfte (20 Prozent) ist dagegen nicht bereit, Zeit in eine private Weiterbildung zu investieren.

Berg sieht hier Potenzial:

„Digitale Lernformate wie Online-Tutorials, Lern-Apps fürs Smartphone oder MOOCs sind vielseitig und leicht zugänglich. Sie lassen sich immer und überall nutzen – etwa auf Bahnfahrten, im Wartezimmer oder an der Bushaltestelle. Neue Technologien wie adaptive Learning ermöglichen Inhalte, die genau an den individuellen Wissensstand und Lernfortschritt angepasst sind.“

Das bestätigt auch die Studie: Knapp neun von zehn Nutzern digitaler Lernformate (87 Prozent) sehen den Vorteil, sich immer und überall weiterbilden zu können. Sechs von zehn (59 Prozent) sind überzeugt, mit digitalen Lernformaten schneller und zielgerichteter lernen zu können. 43 Prozent sagen, digitales Lernen macht mehr Spaß als mit klassischen Lernformaten.

Weiterbildungsangebote ausbauen

Bitkom fordert eine Initiative von Politik und Wirtschaft, um lebenslanges und informelles Lernen zu stärken. Für Weiterbildungsangebote zu digitalen Kompetenzen sollten staatliche Programme aufgelegt werden.

Die Vermittlung von Digitalkompetenz muss zudem über die gesamte Bildungskette hinweg in den Vordergrund rücken. Um die Bereitschaft zu Weiterbildungen zu erhöhen, sollten für Unternehmen und Erwerbstätige gezielt Anreize geschaffen werden, etwa durch Steuererleichterungen.

Neben der Politik seien auch die Unternehmen gefordert, betont Berg:

„Bei der derzeit allgemein guten Auftragslage versäumen es viele Unternehmen, in das Geschäft und die Mitarbeiter von morgen zu investieren. In Zukunft braucht es vor allem sehr gut qualifizierte Fachkräfte – dafür müssen auch die Unternehmen sorgen.“

Bild: © baranq / fotolia.com

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