Bleiben flächendeckende Elementarschäden aus, dürfte die Sachsparte 2016 erneut einen nennenswerten versicherungstechnischen Gewinn ausweisen, so die Analyse von Assekurata. Wohngebäude und Kfz werden weiter saniert und durch Digitalisierung und Schadenservices und weitere Assekuranzleistungen ausgebaut und gestrafft.
Steigende Bedeutung der ertragreichen Schaden-/Unfallversicherung
Angesichts der angespannten und unsicheren Rahmenbedingungen in der Lebens- und Krankenversicherung gewinnen die zumeist gut kapitalisierten und ertragreichen Schaden-/Unfallversicherer im Konzernverbund immer mehr an Bedeutung. „Vor dem Hintergrund der Scharfschaltung von Solvency II und des aktuellen Niedrigzinsumfeldes wird die wirtschaftliche Situation beziehungsweise der Druck der Aufsichtsbehörde verstärkt Kapitalzuführungen oder die Abgabe von Patronatserklärungen erfordern“, zeigt sich Tobias Vollmer, Fachkoordinator Bonitätsrating der ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur GmbH und Autor der Untersuchung überzeugt.
„In der Folge wird in allen Versicherungszweigen die Bedeutung von flankierenden Maßnahmen zur Stabilisierung der Ertragslage, sowohl im Hinblick auf die Schaden- als auch die Kostenentwicklung, weiter wachsen.“
Die Schaden-/Unfallversicherer müssten nicht nur die infolge der andauernden Niedrigzinsphase erodierenden eigenen Kapitalanlageerträge kompensieren, sondern teilweise auch noch gesunkene Zinserträge der konzerneigenen Lebensversicherer ausgleichen.
Weiterhin Sanierung von Kraftfahrt und Wohngebäudebeständen
Die Sanierungsbemühungen in der Kraftfahrtversicherung und der verbundenen Wohngebäudeversicherung halten unverändert an. In beiden Zweigen konnten die Versicherer 2015 abermals spürbare Beitragsanpassungen durchsetzen und damit, trotz der im Vergleich zu 2014 höheren Elementarschadenereignisse (Orkan Niklas), die Konsolidierung weiter vorantreiben. Vollmer mutmaßt :
„Diese Entwicklung könnte dazu führen, dass einzelne Wettbewerber wieder zu einer aktiveren Strategie im Preiswettbewerb übergehen.“
Für den Gesamtmarkt sei eine Rückkehr des Preiswettbewerbs in der bekannten Intensität vorerst jedoch nicht zu erwarten. Vollmer betont:
„Ein wesentlicher Grund hierfür ist das anhaltend niedrige Zinsniveau, das die Ausgleichspotenziale aus der Kapitalanlage zunehmend begrenzt.“
Unfallmeldedienst und Telematik-Tarife als zentrale Entwicklungsfelder
Die Einführung des elektronischen Ortungssystems E-Call stellt nach wie vor eine große Herausforderung für die Schaden-/Unfallversicherer dar. Spätestens ab März 2018 müssen alle neuen Automodelle ab Werk mit einem elektronischen Ortungssystem ausgestattet sein, das im Schaden- oder Pannenfall automatisch Daten generiert und weiterleitet, um möglichst unmittelbar Hilfsmaßnahmen auszulösen.
Hierfür hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit dem Unfallmeldedienst (UMD) ein eigenständiges System entwickelt. Ziel ist es, Wettbewerbsnachteile gegenüber den Herstellern zu vermeiden und den Versicherern einen schnellen und unmittelbaren Zugang zu den Informationen zu gewährleisten. Diese benötigen die Unternehmen vor allem, um die Basis für die eigene Werkstattsteuerung aufrecht zu erhalten. Gerade im Schadenfall müssen die Versicherer den Kunden in der Kraftfahrtversicherung möglichst unmittelbar ansprechen können, um ihn in die angebundenen Werkstätten zu steuern. Nur so können sie die damit verbundenen Kosteneinsparungen auch wirklich erzielen. Dagegen streben die Automobilhersteller danach, dieses eigentlich originäre Reparatur-geschäft in den eigenen Werkstätten zu halten.
Für den Ausbau von Telematikdienstleistungen sammelt der UMD hingegen keine Daten. Dennoch gewinnen innerhalb der Branche Überlegungen zur intensiveren Nutzung von Telematikinformationen weiter an Bedeutung. Nach einigen kleineren Marktteilnehmern steigen nun zunehmend große, namhafte Versicherer in dieses Geschäftsfeld ein oder haben ihren Einstieg angekündigt. Dies dürfte die Dynamik der Produktentwicklung in diesem Bereich tendenziell erhöhen
Ergebnisse aus der Rechtsschutz weiterhin belastend
In der Rechtsschutzversicherung steht die Branche weiterhin unter Ergebnisdruck. So lag die Combined Ratio 2015 wie im Vorjahr im negativen Bereich. Vollmer führt aus:
„Diese Entwicklung ist eine Folge des 2013 verabschiedeten Kostenrechtsmodernisierungsgesetzes, durch welches die Versicherer Schadenaufwendungen nicht unmittelbar, sondern erst nach Feststellung durch den Treuhänder an den Kunden weitergeben können. Vor diesem Hintergrund sind sowohl für das Geschäftsjahr 2016 als auch die Folgejahre weitere Beitragsanpassungen zu erwarten.“
Auswirkungen der Sommerunwetter 2016
Die schweren Unwetterschäden aus Mai und Juni wiesen bisher sehr starke regionale und lokale Schwerpunkte auf. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schätzt die versicherten Unwetterschäden des Sturmtiefs Elvira Ende Mai auf 450 Mio. Euro. Die Schäden betreffen dabei größtenteils die Versicherungszweige Wohngebäude und Hausrat. Unter Einbezug der Juni-Unwetter dürfte jedoch die Milliardenmarke bereits überschritten sein, was gut einem Sechstel der gesamten Leistungen der beiden Zweige im Jahr 2015 entspricht.
Wenngleich die Belastung in diesem Zusammenhang noch vergleichsweise moderat klingt, ist doch zu berücksichtigen, dass die beiden Versicherungszweige in den Jahren 2012-2014 durchschnittlich knapp 1,7 Mrd. € für Elementar-, Sturm- und Hagelschäden leisten mussten. Insofern ist vor allem für die Versicherer mit Bestandsschwerpunkt in den betroffenen Gebieten Süddeutschlands mit einer deutlich überdurchschnittlichen Schadenbelastung zu rechnen, wohingegen die Schadenentwicklung in Norddeutschland bisher eher unterdurchschnittlich zu verlaufen scheint.
Den 14-seitigen Ausblick können Interessenten hier kostenlos downloaden.
Bild: (1) © Sergey Nivens / fotolia.com (2) © ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur GmbH
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